Das österliche Herz der Welt: Quellraum und Skandalon des christlichen Glaubens

"Es gibt einen unauflösbaren Zusammenhang der Menschwerdung Gottes in Jesus von Nazareth, seiner Auferstehung von den Toten und seiner göttlichen Gegenwart in der Eucharistie."
Foto: EWTN.TV/Marco Gandolfo
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15 April, 2017 / 10:34 PM

Der Glaube der Christen ruht auf drei Säulen, die allesamt unglaublich sind. Erstens der Glaube, dass der ewige Gott ein sterblicher Mensch geworden ist. Zweitens, dass Jesus nach seinem Tod am Kreuz von den Toten auferstanden ist. Drittens, dass er seitdem in den eucharistischen Gestalten von Brot und Wein leibhaftig weiter uns zugegen ist. Es gibt keinen einzigen Grund, das unglaubliche christliche Credo zu teilen als Christus
allein.

"Ist Christus aber nicht auferstanden, so ist mein Zeugnis leer," schrieb Paulus an die Korinther, "und euer Glaube ein Nichts." Für ihn war und blieb die Auferstehung Christi von den Toten das Schlüsselwunder schlechthin und das ist es auch für den Rest der Christenheit.

Die Herzkammer des Credos befindet sich deshalb nicht in Rom, sondern in Jerusalem – als ein Herz, das außerhalb seines Körpers schlägt. Das wussten die ersten Kreuzfahrer Europas noch, die Leib und Leben riskierten, als der Kalif al-Hākim im September 1009 das heilige Grab neben dem Golgatha-Hügel in Jerusalem zerstören und niederbrennen ließ. Es ist der kostbarste Hohlraum der Erde und ein Quellraum christlicher Liturgie und des Glaubens, der den Eliten Europas und zahlloser Menschen viele Jahrhunderte lang lieber und teurer als das eigene Leben war.

Seit diesem Osterfest bezeugt dort nun ein Fenster in der Grabkammer, dass die Aussage des Johannes zuverlässig ist, dass es sich bei diesem Raum um eine "neue, bisher unbenutzte Felsengrabkammer" handelte. Das aber war in Jerusalem unüblich, wo Tote zur Zeit Jesu fast immer in Familiengräbern für mehrere Tote bestattet wurden.

Östlich des heiligen Grabes verehren die Griechen im Katholikon den "Nabel der Welt" , über den sich in der Kuppel ein Mosaik wölbt, das Christus als Weltenherrscher und Richter zeigt. Darunter aber verhüllt eine kostbare Stickerei den zentralen Eingang zur Ikonostase, wo der auferstandene Christus im Torrahmen eines Spiegelbildes vom heiligen Grab als der eucharistische Herr in einem Kelch erscheint. Das heißt, hier wird er nicht nur als der
Mensch gewordene Gott dargestellt, der gerade für immer und ewig aus dem Reich der Toten auferstanden ist, sondern als der leibhaftige Immanu-El ( עמנואל ), das heißt auf deutsch, als "Gottmituns", der in seiner eucharistischen verwandelten Gestalt von Brot und Wein wahrhaftig und für immer mitten unter uns zugegen bleibt. Das aber ist das wohl größte Skandalon unseres Glaubens.

Denn es gibt einen unauflösbaren Zusammenhang der Menschwerdung Gottes in Jesus von Nazareth, seiner Auferstehung von den Toten und seiner göttlichen Gegenwart in der Eucharistie. Die österliche Auferstehung Christi aus dem leeren Grab in Jerusalem steht deshalb in der Mitte der Weltgeschichte als doppelte göttliche Besiegelung. Dass Gott in Jesus von Nazareth Mensch geworden ist, lässt sich nur glauben durch das Beglaubigungswunder seiner unmöglichen Auferstehung von den Toten.

An die leibhaftige Gegenwart Gottes in den eucharistischen Gestalten von Brot und Wein schließlich ist überhaupt nicht mehr zu glauben. Gott in einem Stück Brot! Das scheint vollkommen absurd. Glauben lässt sich das nur, weil wir uns auf Christi Wort verlassen: "Nehmt und esst, das ist mein Leib. Und trinkt, das ist mein Blut, das Blut des neuen Bundes, das für viele vergossen wird. Tut dies zu meinem Gedächtnis!" Auch das Vertrauen in dieses Wort aber gründet ganz und gar in die Besiegelung seiner Göttlichkeit in der Auferstehung aus dem Reich des Todes. Nur weil der, der uns das zugesagt hat, von den Toten auferstanden ist,
verlassen wir uns darauf. Sonst würden wir das auch dem größten Zauberer nicht abnehmen.

In Christus kommt deshalb auch die ultimative Korrektur aller Gottesvorstellungen auf uns zu. Wir haben keinen abstrakten Gott, wir haben einen Gott, der sich vor aller Welt hingegeben hat und täglich neu hingibt, als ein Gott zum Einverleiben. Er ist der Gott, der sich für seine Freunde – und seine Feinde!! – eher hingibt, als mit rächender Hand dreinzuschlagen. Die Barmherzigkeit ist in ihm Fleisch geworden. Unser Gott ist der unglaubliche
Gott.

Seht das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünde der Welt!