"Der Teufel kommt durch die Brieftasche", warnt Papst Franziskus

Über Todesfaktoren und wie sie abzuschneiden sind: Begegnung mit dem Klerus, Ordensleuten, Seminaristen und ihren Angehörigen im Stadion "La Macarena"

Über das geweihte Leben sprach Papst Franziskus an 9. September in Medellín.
Foto: CTV / YouTube (Screenshot)
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Mit scharfen Worten hat Papst Franziskus davor gewarnt, statt Gott lieber dem Geld und der eigenen Eitelkeit und Geltungssucht zu dienen. In seiner Ansprache vor Frauen und Männer geweihten Lebens in Medellín empfahl er den Christen drei Arten, solche "Todesfaktoren" abzuschneiden.

Franziskus sprach am 9. September im Stadion "La Macarena" in Medellín am dritten vollen Tag seiner Kolumbienreise. Er warnte: 

Das Gift der Lüge, der Verheimlichung, der Manipulierung und des Missbrauchs des Gottesvolkes, der Schwächsten und insbesondere der Alten und der Kinder darf in unserer Gemeinschaft keinen Platz haben. Es sind Zweige, die sich entschlossen haben, dürr zu werden; Gott befiehlt uns, sie abzuschneiden.

Jeder Gott geweihte Mensch müsse darauf achten, Fruchtzu tragen, so Franziskus weiter. Nicht nur in der Berufung selbst, sondern das ganze Leben lang. 

"Es gibt Situationen, Haltungen und Entscheidungen, welche die Zeichen von Dürre und Tod aufweisen", so der Pontifex mit Blick auf absterbende Äste des Weinstocks des Herrn. 

Die Berufungen zum besonderen geweihten Leben sterben ab, wenn wie sich von Ehren nähren wollen, wenn sich getrieben sind von der Suche nach persönlicher Annehmlichkeit und sozialem Aufstieg, wenn die Motivation darin liegt, "eine Klasse aufzusteigen" und sich an materielle Interessen zu klammern, was bis zur plumpen Gewinnsucht geht. Wie ich schon bei anderen Gelegenheiten gesagt habe, kommt der Teufel durch die Brieftasche.

Die gute Nachricht bestehe darin, "dass der Herr bereit ist, uns zu reinigen, dass wir nicht fertig sind, sondern als gute Jünger unterwegs sind", fuhr der Papst fort. Jesus schneide die - so wörtlich - "Todesfaktoren" ab, die sich im Leben einnisten und den Ruf verfälschen, indem er die Christgläubigen einlädt, in ihm zu bleiben: "Bleiben heißt nicht bloß da sein, vielmehr bedeutet es, eine lebendige, wesentliche, unbedingt notwendige Beziehung zu erhalten", so der Pontifex.

In Jesus bleiben kann nicht eine rein passive Haltung sein oder ein bloßes Hingeben ohne Auswirkungen im konkreten täglichen Leben.

Der Papst schlug drei Arten und Weisen vor, dieses Bleiben in die Tat umzusetzen:

  1. Bleiben durch das Berühren der Menschheit Christi - mit dem Blick und der Gesinnung Jesu, sowie seinen Worten und Taten.
  2. Bleiben durch das Betrachten der Gottheit Christi - in der Wertschätzung für das Studium der Heiligen Schrift, ohne dabei "Moden" zu folgen, und im Gebet: "anbeten. Lernen in Stille anzubeten."
  3. Bleiben in Christus, um in der Freude zu leben - und diese als freudige Jünger nach außen tragen. Keine "traurigen Jünger und entmutigten Apostel", sondern Missionare Christi, die "die Freude über die Begegnung mit ihm durchscheinen lassen".

Wer so im Herrn bleibe, der lebe und erlebe auch Berufungen: Starke Reben im Weinstock des Herrn, egal wie steinig der Boden ist in der säkularen Gegenwart und ihrer kulturellen Krise, so Franziskus: 

Wie ist der Boden, die Nahrung und der Unterhalt, wo dieser Weinstock in Kolumbien wächst? In welcher Umgebung werden die Früchte der Berufung zum besonderen geweihten Leben hervorgebracht? Sicher in Bereichen voll von Widersprüchen, Licht und Schatten sowie komplexen Beziehungssituationen. Gerne hätten wir es mit einer einfachen Welt, mit harmonischen Familien und klaren Bindungen zu tun. Wir sind aber Teil dieser kulturellen Krise, und inmitten dieser Krise und sie einkalkulierend beruft Gott weiter.

Die Aufgabe des Papstes wie aller Gott geweihten Menschen und der Gemeinschaft der Gläubigen sei es, "Gott unsere ganze Liebe und unseren Dienst zu schenken in Einheit mit Jesus Christus, unserem Weinstock". Für Kolumbien bedeute dies, auch, "Verheißung des neuen Anfangs für Kolumbien zu sein, das eine Sintflut von Auseinandersetzungen und Gewalt hinter sich lässt und reiche Frucht an Gerechtigkeit und Frieden, an Begegnung und Solidarität bringen will".

Gott segne euch. Gott segne das geweihte Leben in Kolumbien. Und vergesst nicht für mich zu beten.

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