Die Stellung der Frau in der arabischen Welt

Das Forum in Genf.
Foto: (C) Pax Press Agency, SARL, Geneva
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Frauenrechte, Gleichberechtigung und deren Unterscheidung von der gefährlichen Gender-Ideologie spielen im neuen Lehrschreiben des Papstes, Amoris Laetitia, eine wichtige Rolle. In islamisch geprägten Gesellschaften ist eine solche Haltung, zumal eine, die auf dem Verständnis der christlichen Menschenwürde aufbaut, weniger klar. 

Doch gibt es Fortschritte. Die Stellung der Frau in arabischen Ländern weiter zu verbessern, erreichte Fortschritte positiv zu beleuchten und darauf aufzubauen, anstatt sich auf Negatives zu konzentrieren: Das war das Anliegen eines Diskussionsforums bei den Vereinten Nationen in Genf, organisiert vom 'Genfer Zentrum zur Förderung der Menschenrechte und globalem Dialog' (Geneva Center For Human Rights Advancement and Global Dialogue, GCHRAGD).

Dabei waren die Vertreter arabischer Nationen bemüht, auf Errungenschaften hinzuweisen. Idriss Jazairy, ehemaliger Botschafter von Algerien und derzeit Vorstandsmitglied des Genfer Zentrums (GCHRAGD) erzählte, dass in seinem Heimatland mittels einer Verfassungsänderung ein Gesetz verabschiedet worden sei, das vorschreibe, dass 33 Prozent der Mitglieder jedes gewählten Gremiums, von der Basisdemokratie bis zur Nationalversammlung, Frauen sein müssen.
Er fügte hinzu: “Das ist zu 100 Prozent umgesetzt worden. In vielen westlichen Länder gibt es eine solche Vorschrift nicht."

Wirtschaftliche Beteiligung von Frauen

Auch wenn Frauen etwa in Saudi Arabien noch nicht einmal alleine Auto fahren dürfen: Was den volkswirtschaftlichen Beitrag der Frauen betrifft, verdoppelte sich in Saudi Arabien, Kuwait und Bahrain der Anteil der weiblichen Arbeitskräfte. In den Vereinigten Arabischen Emiraten und Oman konnte er sich beinahe verdreifachen. Frauen spielen im Wirtschaftsleben arabischer Staaten so gesehen eine zunehmende Rolle, hieß es: ihr finanzieller Beitrag zum Staatshaushalt werde zunehmend positiv wahrgenommen und Frauen in Führungspositionen würden in verstärktem Maß akzeptiert.

"In den Vereinigten Arabischen Emiraten haben wir, was die Rolle der Frau betrifft, viel erreicht. Darauf sind wir sehr stolz. Es gibt in den VAE mehr als 40.000 Unternehmerinnen," sagte Obaid Salem Al Zaabi, Botschafter der Vereinigten Arabischen Emirate (UAE) bei der Genfer UN.

Der Botschafter Omans, Abdulla Nasser Al Rahbi wies darauf hin, dass sein Land bereits vor 15 Jahren eine Ministerin ernannt habe. “Oman wird weiterhin ähnliche Anläufe starten. Es gibt auch weibliche Parlamentsmitglieder und Frauen, die bei der Durchführung von Wahlen beteiligt sind."
In den letzten Jahren habe sich in den arabischen Ländern eine positive Haltung gegenüber internationalen Vorgaben zur Gleichberechtigung von Mann und Frau verbreitet, so der Tenor: Fast alle arabischen Länder hätten der "Konvention zur Beseitigung jeglicher Form von Diskriminierung von Frauen" (CEDAW) zugestimmt. Viele hätten ihre "religiösen und kulturellen" Vorbehalte gelockert.

Hindernisse und Herausforderungen

Trotz alledem stehen der Gleichberechtigung arabischer Frauen in streng muslimischen, arabischen Gesellschaften nach wie vor deutliche Hindernisse und Herausforderungen im Weg. Um hier voranzukommen, seien weitere Verbesserungen nötig, hieß es.

Wie wiederholt beobachtet wurde, korrelieren die steigende Zahl akademischer Abschlüsse unter arabischen Frauen paradoxerweise weder mit ihrer Teilhabe an Führungspositionen noch mit ihrem Anteil am Arbeitsmarkt. Tatsächlich verzeichnen die arabischen Staaten höchste Arbeitslosigkeitszahlen, mit Spitzenwerten zwischen 2008 und 2014.

Es müsse darum gehen, "eine Umgebung zu fördern, in der Frauen, Männer, Mädchen und Jungen, ihre Fähigkeiten uneingeschränkt umsetzen können. Ich denke das ist die Botschaft dieses Forums", erklärte Golda El-Khoury, Bereich Soziales und Menschliche Wissenschaften bei der UNESCO.

Mit Blick auf die Rolle der Frau im Islam meinte Dr. Fawzia Al Ashmawi, Präsidentin des "Europäischen Muslimischen Frauen-Forums", dass dieser gar nicht so das Problem sei: "Das Problem muslimischer Frauen ist nicht der Koran, auch nicht der Islam, sondern die Männer, die den Koran interpretieren", sagte sie im Forum. 

"Extrem positives Zeichen"

Laut Jean-Francois Kammer, Berater des Malteser Ordens bei der U.N. in Genf, ist allein die Tatsache, dass eine solche Nebenveranstaltung heutzutage stattfinden kann, “ ein extrem positives Zeichen dafür, dass die arabische Welt bereit ist, in einen sehr offenen Dialog über die Situation der Frau zu treten."

Die Aussagen der Diskussionsteilnehmer und anderer Redner zeigten, dass die Gleichstellung der Frau in der arabischen Welt stetig zunehme und auf weitere Verbesserungen in den nächsten Jahren gehofft werden könne, so Kammer.

Die Vertreterin des "Genfer Zentrums zur Förderung der Menschenrechte und globalem Dialog“, Frau Lama Jbarah, sagte: "Und wir dürfen auch nicht vergessen, dass für die Frauen im Westen der Weg zum Fortschritt einst auch hart und steinig war."

Hintergrund

Die rechtliche und gesellschaftliche Gleichberechtigung von Frauen und Männern wurde in den letzten Jahren etwa durch die Jahrestage einiger internationaler Kerndokumente zur Gleichstellung der Geschlechter vorangetrieben, auch wenn dabei nicht immer eine Unterscheidung von der positiven Gleichberechtigung auf der einen Seite und der mehrfach verurteilten Gender-Ideologie auf der anderen klar ist.

Zum Beispiel jährte sich 2015 zum 20ten Mal die Vierte Welt-Frauen-Konferenz und die Verabschiedung der Erklärung und "Aktionsplattform" von Peking , die in den vergangenen zwei Jahrzehnten für Gleichberechtigungsbelange wegweisend geworden ist – und bei der gleichzeitig die Gender-Ideologie unter dem Deckmantel der Gleichberechtigung international in Anschlag gebracht wurde. Auch das 15-jährige Bestehen der Resolution 1325 des UN- Sicherheitsrates, die als UN-Hauptdokument zu Frieden und Sicherheit für Frauen und ihrem Schutz vor Gewalt in Konflikten gilt, sowie ein weltweiter Rückblick darauf fielen in das Jahr 2015.

Dieser Bericht wurde von unserem Genfer Korrespondenten Christian Peschken, Pax Press Agency, verfasst.  Der Bericht wird auch bei EWTN – Katholisches Fernsehen zu sehen sein im Rahmen des Magazins 'Vatikano'. Weitere Informationen zu Pax Press Agency,Genf unter www.paxpressagency.com 

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