Francisco de Vitoria und sein Vermächtnis: Am Anfang der UN-Idee stand ein Dominikaner

Pater Francisco de Vitoria OP, Moraltheologe und Naturrechtslehrer, Begründer der spanischen Spätscholastik und der Schule von Salamanca – und einer der "Väter" des Völkerrechts.
Foto: (C) Pax Press Agency, SARL, Geneva
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Der 70. Jahrestag der Gründung der Vereinten  Nationen im Jahr 2015 war für viele ein Anlass, über die  wirtschaftlichen Probleme und die Gefahren für Umwelt und Sicherheit nachzudenken, mit denen sich die Welt heute konfrontiert sieht. Auch die Vereinten Nationen stehen vor großen Herausforderungen hinsichtlich ihrer Rolle und ihren Kapazitäten, wollen will sie ihrem Auftrag gerecht werden.

Die "Dominikaner für Gerechtigkeit und Frieden" sowie die ständigen Vertretungen Spaniens, Perus, Kolumbiens, der Philippinen, Ecuadors, Belgiens, des Heiligen Stuhls sowie der ständige Beobachter des souveränen Malteserordens organisierten nun bei den Vereinten Nationen in Genf gemeinsam eine Konferenz unter dem Motto: "Francisco de Vitoria und sein Vermächtnis – die Anfänge der Prinzipien der Vereinten Nationen".

In seiner Eröffnungsrede erinnerte der Generaldirektor der Vereinten Nationen, Michael Møller, daran dass Vitoria an ein global geführtes System dachte, das in allgemeinen Rechten verankert ist, “Gedanken, die letzten Endes zur Gründung der Vereinten Nationen führten und deren Erklärung der allgemeinen Menschenrechte". Weiter sagte er: "Vitorias Vision lebt fort. Sie lebt fort in der Arbeit der Vereinten Nationen und seiner Partner beim Formen einer sicheren und nachhaltigeren Zukunft. Sie lebt fort in der Arbeit der Friedenswächter [der "Blauhelme"], Aktivisten und Freiwilligen überall auf der Welt."

Absicht der Veranstaltung war es, die Ursprünge des Völkerrechts bis ins 16. Jahrhundert zurückzuverfolgen – bis zu Pater Francisco de Vitoria OP.

Der Geist, die  Gedanken und Prinzipien de Vitorias wurden beleuchtet und hinterfragt – besonders seine Betrachtungen zur Rechtfertigung von Krieg, den Rechten eingeborener Völker, der Schutzverpflichtung und der moralischen Einschränkungen der Souveränität und Handlungsfreiheit  politischer Entscheidungsträger. Aus diesen wurden Impulse entwickelt, die den Vereinten Nationen  Hilfestellung sein können, ihr System zu stärken und ihre Prinzipien effektiver umzusetzen.

Pater Francisco de Vitoria (1486-1546) wird jeher von den Vereinten Nationen in Genf und New York große Bedeutung beigemessen. In Genf wurde der Ratssaal ("Salle du Conseil", gebaut für den Völkerbund, gegenwärtig Versammlungssaal der Abrüstungskonferenz) nach ihm benannt und mit einer Gedenktafel versehen. Im Garten der UN in  New York befindet sich eine Statue von ihm mit der  Inschrift "Fundador del Derecho de Gentes" ( Begründer des Völkerrechts). Allerdings sind sich nur wenige dieser Ehrungen bewusst und noch weniger Menschen kennen die Person und ihre Geschichte.

Durch die Entwicklung von Prinzipien, aus denen schließlich das Völkerrecht hervorging, wird er als einer seiner Begründer angesehen. Auf diesen Prinzipien bauen die Leitgedanken der Vereinten Nationen auf: internationale Zusammenarbeit für Frieden und Sicherheit und Menschenrechte und Entwicklung für Menschen aller Nationen, großen wie kleinen.

Als Pater des Predigerordens, der Dominikaner, wirkte de Vitoria an der Universität von Salamanca (Spanien). Als er vom Vorgehen seiner Landsleute in der "Neuen Welt" Lateinamerikas erfuhr, formulierte er zusammen mit anderen Gelehrten seines Ordens zum ersten Mal in der Geschichte sachbezogene Fragen zur Legitimität der Eroberung anderer Länder und Kriegsführung gegen indigene Völker.

Die Gründung des Dominikanerordens im Jahr 1216 jährt sich 2016/2017 zum 800. Mal.

Der von Dominic de Guzman von Caleruega gegründete Ordo Praedicatorum hatte über die Jahrhunderte hinweg mit Persönlichkeiten wie Albertus Magnus und dem heiligen Thomas von Aquin einen bedeutenden Einfluss auf die Philosophie und Theologie. Dadurch inspiriert, konnte de Vitoria, zusammen mit anderen, einen großen Beitrag zur Formulierung der Prinzipien leisten, die später in die allgemeine  Erklärung der Menschenrechte eingebettet wurden.

Heute ist der Dominikanerorden eine weltweite Ordensgemeinschaft mit Niederlassungen in mehr als 120 Ländern, der durch Bildungseinrichtungen und anderen Formen der Verkündigung bemüht ist, den Glauben zu verbreiten und dadurch auch den Ursachen von Konflikten, religiösen Differenzen, Ignoranz und Analphabetismus entgegenzuwirken.

Dieser Bericht wurde von unserem UN Korrespondenten Christian Peschken, Pax Press Agency verfasst. Mehr zu pax Press Agency unter www.paxpressagency.com