Franziskus an Huntington-Kranke: "Versteckt Euch nicht mehr" (Bericht und Video)

Papst Franziskus begegnete Betroffenen und ihren Pflegern
Foto: L'Osservatore Romano
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Ein Aufruf, sich nicht mehr zu verstecken. Er kommt von Papst Franziskus, der sich mit starken Worten an die Betroffenen der Krankheit Chorea Huntington (auch kurz Huntington-Krankheit, oft abgekürzt HD) wendet, die zahlreich in die vatikanischen Audienzhalle Paolo VI. gekommen waren.

Das gleiche sagt auch das Motto der Initiative, die im Vatikan Menschen versammelt, die an dieser degenerativen Krankheit leiden: "Hidden no more" - auf Deutsch: "Nicht mehr versteckt". Es ist eine bewegende Audienz mit dem Heiligen Vater.

Der katholische Fernsehsender EWTN.TV übertrug die Audienz. (Hinweis: Der Ton hat gelegentlich eine leichte Störung, die wir bitten, zu entschuldigen.) Video: EWTN.TV

Aber was ist Chorea Huntington? Es ist eine erblich bedingte neurodegenerative Krankheit. Sie betrifft die Koordination der Muskeln und führt zu einem Verlust der kognitiven Fähigkeiten sowie zu psychischen Problemen. Die Krankheit tritt etwa bei 10 von 100.000 Menschen auf, wird aber nicht immer richtig diagnostiziert. Da sie zu ungewollten Bewegungen und kognitivem Verfall führt, werden und wurden Betroffenen oft ausgegrenzt.

Gegen Missverständnisse und Barrieren

Daher hat der Vatikan diese Initiative gestartet, auch aufgrund der Tatsache, dass die Krankheit vor allem in Lateinamerika verbreitet ist. Franziskus: 

"Viel zu lange haben die Ängste und Schwierigkeiten, die das Leben von Menschen mit Chorea Huntington charakterisieren, um sie herum Missverständnisse, Barrieren und echte Ausgrenzung geschaffen. In vielen Fällen haben die Kranken und ihre Familien ein Drama der Scham, der Isolation, der Verlassenheit erlebt".

Er betont, dass "Nicht mehr versteckt" nicht nur ein Slogan ist, sondern dass alle "Protagonisten sein sollen", denn "die Kraft, mit der wir diese Worte aussprechen, kommt von dem, was Jesus selbst uns gelehrt hat" als er den Kranken begegnet ist, ihr Leid auf sich genommen hat und die "Mauern der Stigmatisierung und Ausgrenzung niedergerissen hat, die viele von ihnen daran hinderten, sich geachtet und geliebt zu fühlen."

Kostbar in den Augen der Kirche

Wie für Jesus die Krankheit "nie ein Hindernis war, einem Menschen zu begegnen", so ist es auch für uns. "Die Krankheit, die ein Ausdruck der Gebrechlichkeit ist, kann und darf uns nicht vergessen lassen, dass unser Wert vor Gott immer ein unermesslicher bleibt."

Somit kann "auch die Krankheit eine Möglichkeit zur Begegnung, zum Austausch, zur Solidarität werden". Das war es, was den Kranken vor allem Linderung gebracht hat, die Jesus trafen: Sie fühlten sich "angehört, geachtet, geliebt."

Der Papst erklärt:

"Keiner von euch soll sich jemals allein fühlen oder das Gefühl haben, eine Last zu sein. Niemand soll das Bedürfnis verspüren, wegzulaufen. Ihr seid kostbar in den Augen Gottes, ihr seid kostbar in den Augen der Kirche!"

Dann wendet sich der Papst an die Familien der Betroffenen - die einzigen, die die Kranken wirklich begleiten können und ermutigt sie, "sich nicht verlassen zu fühlen" und "sich nicht Scham- oder Schuldgefühlen hinzugeben, denn die Familie ist der privilegierte Ort des Lebens und der Würde und ihr könnt mithelfen, dieses Netz der Solidarität und Hilfe zu knüpfen, dass nur die Familie garantieren kann und dass sie berufen ist, als erste zu leben."

"Linderung des Leids"

Anschließend richtet der Papst auch einen Gruß an die Ärzte, an die Angestellten im Gesundheitswesen und an die Ehrenamtlichen der Hilfsorganisationen. Er erwähnt besonders diejenigen, die im Haus "Sollievo della Sofferenza" (zu Deutsch: Linderung des Leids), das dem Vatikan gehört, arbeiten. "Euer aller Dienst ist wertvoll - so der Papst - weil sicherlich durch euren Einsatz und eure Initiative die Hoffnung konkret Gestalt annimmt und die Familien den Ansporn bekommen, sich auf euch zu verlassen."

Dann betet der Papst, dass sie "Ansprechpartner für die Patienten und ihre Familien sein können", vor allem, wenn sich diese in einem "Umfeld befinden, das auf sozialer und gesundheitlicher Ebene der Würde der menschlichen Person nicht entspricht" - und so die Schwierigkeiten noch multipliziert, denn zur Krankheit fügen sich "oft Armut, erzwungene Trennung, ein Gefühl der Verlorenheit und des Misstrauens."

Deshalb ist das Wirken der nationalen und internationalen Einrichtungen wichtig. Zu ihnen sagt der Papst: "Ihr seid wie die Arme, die Gott benutzt, um Hoffnung zu säen. Ihr seid die Stimme, die diese Menschen haben, um ihre Rechte geltend zu machen."

Forschung muss ethisch bleiben

Am Ende fügt der Papst noch einen Gedanken für die Wissenschaftler an. Von ihren Bemühungen "hängt die Hoffnung ab, einen Weg der endgültigen Heilung von der Krankheit finden zu können, aber auch die Hoffnung auf eine Verbesserung der Lebensbedingungen dieser unserer Geschwister, vor allem in der delikaten Phase der Diagnose und beim Auftreten der ersten Symptome."

Die Forschung muss jedoch ethisch bleiben. Der Papst ermutigt die Forscher, ihren Einsatz fortzuführen mit "Mitteln, die nicht dazu beitragen, eine Wegwerfkultur zu nähren", die dann gegeben ist, wenn "menschliche Embryonen verwendet werden und unvermeidbar deren Zerstörung verursacht wird."

"Wir wissen", mahnt der Papst, "dass kein Zweck, auch wenn es in sich selbst edel ist, die Zerstörung menschlicher Embryonen rechtfertigen kann."

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