Geld muss dienen, nicht herrschen – oder?  

Kinderarbeit: Neben der Religionsfreiheit eine der Herausforderungen, die in Sachen Menschenrechten brennend aktuell bleibt. Nach Angaben von UNICEF arbeiten weltweit heute 190,7 Millionen Kinder zwischen fünf und 14 Jahren.
Foto: Ibrahim Abed via Pixabay
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Jeder, der selber einmal von Arbeitgebern ausgenutzt oder ausgebeutet wurde – jeder, der Familienmitglieder oder Freunde hat, denen dies widerfährt – weiß, wie wichtig der richtige Schutz der Menschenrechte am Arbeitsplatz ist.

Unter dem Motto "Führung und Einfluss – Einbettung der Menschenrechte in die der globalen Wirtschaft zugrundeliegenden Regeln und Beziehungen" hat sich mit dieser wichtigen Frage über drei Tage lang das "Forum für Wirtschaft und Menschenrechte" der Vereinten Nationen auseinandergesetzt.

Das dreitägige Treffen ist die größte jährliche Zusammenkunft dieser Art bei der UN in Genf. Dabei geht es um die Menschenrechte die etwa Arbeitnehmer in Unternehmen schützen – und ist somit ein Thema, bei dem die katholische Kirche und ihre Soziallehre nicht nur eine Vorreiter-Rolle spielen, sondern auch eine wichtige Kontrollinstanz darstellt.

Kirche stellt weiterführende Fragen

Erzbischof Ivan Jurkovic, ständiger Vertreter des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen in Genf, nahm an der Veranstaltung teil:  "Heute sind hier etwa 2.500 Menschen zusammengekommen: Zum Teil aus Regierungseinrichtungen – also Botschaften, zum Teil aus Großunternehmen – einige sehr große, wichtige Unternehmen, und natürlich Nichtregierungsorganisationen und Vertreter der Zivilgesellschaft.  Der Heilige Stuhl nimmt sehr gerne an diesem Forum teil denn das Leitthema hat ja auch mit unserem Weltbild zu tun.  Natürlich würden wir gerne noch viele andere Dinge angesprochen sehen, wie etwa Arbeit und Geschäftsleben den Menschen prägen und formen."

Die Einhaltung der Menschenrechte voranzubringen ist ein Kernziel der Vereinten Nationen und auch Schlüsselelement der Soziallehre der katholischen Kirche.

"Es geht nicht nur darum, zu arbeiten, Geld zu verdienen und ein gutes Leben zu führen", sagte Erzbischof Ivan Jurkovic. Vielmehr gehe es darum, "sich durch die Arbeit als Mensch zu verwirklichen und seine Humanität weiterzuentwickeln."

Verwirklichen bedeutet natürlich nicht "Selbstverwirklichung" – besonders für Christen, die Glauben, dass ihre Talente und Fähigkeiten Geschenke Gottes sind. Wie die Kirche weiter lehrt, geht es für Katholiken darum, sich durch die Arbeit zu heiligen. Papst Franziskus traf vor diesem Hintergrund erst am 17. November im Vatikan mit katholischen Wirtschaftsführern zusammen und mahnte, Geld müsse "eher dienen als herrschen" – und Korruption bedeute, ein "Anhänger des Teufels zu werden, dem Vater der Lüge."

Erzbischof Ivan Jurkovic gab zu bedenken, dass erwerbsfähige Menschen somit natürlich mehr Wohlstand für sich undandere erarbeiten könnten; "allerdings müssen wir diese Menschen anspornen, großherziger und großzügiger zu sein zum Wohl der ganzen Gesellschaft".

Die drei Säulen des Schutzes

Gemäß dem Beschluss 17/4 des Menschenrechtsrats steht das Forum allen relevanten Interessengruppen offen. Sein Rahmen ruht auf drei Säulen:

  1. Den Staaten obliegt die Pflicht, Menschen vor Menschenrechtsverletzungen Dritter, einschließlich der Wirtschaft, zu schützen.
  2. Die Wirtschaft ist verpflichtet, die Menschenrechte zu respektieren, das heißt zu vermeiden, die Rechte anderer zu verletzen und sich mit den negativen Auswirkungen, an denen ein Unternehmen beteiligt ist, zu befassen.
  3. Es besteht Bedarf nach einem besseren Zugang zu wirksamer juristischer und nicht-juristischer Hilfe für Opfer von Menschenrechtsverletzungen, die im Zusammenhang mit Wirtschaftsunternehmen stehen.

Geschichtlicher Ursprung

Bereits in vorchristlicher Zeit haben Menschenrechte erste Konturen angenommen, etwa in Form des berühmten Kyros-Zylinders aus dem Jahr 539 vor Christus. Der einem Maiskolben ähnelnde Gegenstand trägt, in Ton gebrannt, die in Keilschrift geritzten Erlasse des Perser-Königs Kyros des Großen. Für Bibelwissenschafter ist der 1879 im heutigen Irak gefundene Gegenstand ein wichtiger Hinweis auf die Befreiung der Juden aus ihrer babylonischen Gefangenschaft: Der Zylinder spricht den deportierten Völkern ihre kultischen Rechte zu – ein Vorläufer des Menschenrechts der Religionsfreiheit.

Der Text des Kyros-Zylinders wurde in alle sechs offiziellen Sprachen der Vereinten Nationen übersetzt. Die auf dem Zylinder eingravierten Verordnungen sind entfernte Vorläufer der ersten vier Artikeln der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte.  

Wie wichtig diese Rechte auch im heutigen Irak sind, betonte im Gespräch mit EWTN der irakische UN-Botschafter Mouhamed Saleh. Sein Land sei – trotz der gegenwärtigen Konflikte im Land – offen für wirtschaftliche Investitionen. Der Diplomat versicherte, dass sein Land Gesetze habe, welche diese Investitionen ebenso absicherten wie "die Menschenrechte der Arbeiter, die in diesen Unternehmen arbeiten. Gesetzliche Regelungen sind notwendig, weil wir die Rechte der Menschen, die dort arbeiten, schützen müssen: Arbeiter, Ingenieure, Ärzte, Lehrer – alle müssen davon profitieren können. Darüber hinaus gibt auch ein gesetzliches Verbot von Kinderarbeit."

Dieser Bericht wurde von unserem Genfer UN-Korrespondenten Christian Peschken, Pax Press Agency, verfasst. Der Bericht wird auch bei EWTN – Katholisches Fernsehen zu sehen sein im Rahmen des Magazins 'Vatikano'. Weitere Informationen zu Pax Press Agency, Genf unter www.paxpressagency.com  

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