Gutes Bier zu brauen ist für diese Mönche eine Form des Gebets

Benediktiner aus den USA haben am Geburtsort des heiligen Ordensgründers die Tradition des Bierbrauens wieder belebt – Mit gewaltigem Erfolg

Dass es die Herzen erfreuen möge: Natürliche Inhalte werden durch fromme Handarbeit zu "gemachtem Gebet" bei den Benediktinern in aller Welt – so wie hier in Nursia.
Foto: Mit freundlicher Genehmigung des Klosters vom Hl Benedikt, Nursia
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Sie beten und arbeiten am Geburtsort des Heiligen Benedikt: Die Mönche von Nursia. Eine besondere Frucht ihrer Mühen kommt nun bis nach Amerika: Ihr Bier. Für die Benediktiner ist seine Herstellung eine Form des Gebets.

“Wir haben nicht damit gerechnet, dass die Leute es so schätzen und genießen”, erzählt Pater Benedict Nivakoff, Subprior des Klosters der Benediktiner von Nursia in Italien.

Zwei Sorten aus alter Tradition

“Ein Brauer muß immer ein wenig Hoffnung haben. Es geht nicht nur um seinen eigenen Genuß, sondern darum, diesen mit anderen zu teilen. Gott macht aus den Dingen, die wir tun, oft überraschende Sachen”, so der Mönch gegenüber CNA.

Das Kloster stellt unter der Marke “Birra Nursia” zwei Biersorten her: ein Helles und ein starkes Dunkles, beide gebraucht nach belgischer Tradition.

Das Mönchsgebräu aus Umbrien verkauft sich blendend, aber dieses Bier ist kein kurzfristig auf Gewinn ausgerichtetes Produkt, sondern Teil einer langen Geschichte und stolzen benediktinischen Tradition. In Bayern etwa sind die Brauereien der Benediktiner seit Jahrhunderten berühmt. Auch heute, im 21. Jahrhundert, trinken die Menschen gerne Bier aus Andechs oder Ettal.  In Nursia, dem Geburtsort des hl Benedikt, sieht sich das Kloster der 1500-jährigen Tradition des Ordens verpflichtet. Die Mönche leben in unmittelbarer Nähe der Ruinen des Hauses, in dem der hl Benedikt und seine Schwester, die hl Scholastika, wohnten. Wer der Brauerei einen Besuch abstattet, begegnet der Jungfrau Maria, die als Fresko über dem Eingang auf Gerstenkorn abgebildet ist.

“Dass es die Herzen erfreuen möge”

Pater Benedict betont, dass für die Mönche das Bierbrauen an das Wirken Jesu auf Bitten der Muttergottes anknüpft. Er erinnert daran, dass Jesus auf Bitten Marias bei der Hochzeit zu Kana das Wasser zu Wein werden ließ. “Etwas so Unnötiges zu tun wie Wasser in Wein zu verwandeln. Und nicht einfach irgend einen Wein, sondern den besten”, sagt er. “Das Beste kommt zum Schluß”. Für die Mönche sei ihr Brau-Handwerk vergleichbar mit der Verwandlung von Wasser zu Wein in der Heiligen Schrift.

“Es ist ein Getränk, dass nicht wirklich notwendig ist, aber das denen ein wenig Freude bereitet, die es trinken”, so der Pater. Die Benediktiner von Nursia haben sich daher als Motto eine Zeile aus Psalm 106 gewählt: ‘ut laetificat cor’, dass es die Herzen erfreuen möge.

“Wenn wir etwas nehmen, dass aus guten Inhaltsstoffen besteht, und im Gebet hergestellt, und wir dies mit Freunden und Familie trinken, ist es eine Gelegenheit, von den Belastungen des Alltags eine Auszeit zu nehmen, all den Sorgen, und ein wenig über weniger dringende Dinge in Gelassenheit nachzudenken.”

Dabei kann es durchaus um die Kontemplation Gottes gehen: Das ist der Ansatz der benediktinischen Spiritualität von “ora et labora”, beten und arbeiten.

“Behandelt alles wie die heiligen Gefäße am Altar”

“Ganz allgemein rief der heilige Benedikt die Mönche dazu auf, alles was sie tun, für Gott zu tun”, erklärt Pater Benedict. “Sei es der Hausputz, das Dach zu reparieren, or Bier zu brauen. Er sagte, dass alles so behandelt werden sollte wie die heiligen Gefäße am Altar”.

Deshalb bemühten sich die Brüder, alles, was sie herstellen, auch von höchster Qualität zu machen. Mehr noch, betont der Mönch: Etwas, das nicht nur von bester Güte sei und die Sinne erfreue, sondern in der Herstellung gut gemacht; will heißen, “darüber wurde gebetet. Für uns ist alles, was wir tun, all unsere Arbeit, Teil unseres Gebets.”

So wie Benedikt seine Brüder aufgerufen habe, von der Frucht der eigenen Arbeit zu leben, zu arbeiten und Dinge zu verkaufen, die sie produzieren.

“Wir haben die Chance, dieser Aufforderung wirklich Folge zu leisten”, sagt Pater Benedict. Die Brauerei hat eine Kapazität von 10 Kesseln, die jeder 3.000 Flaschen à 750ml produziert. Die Dreiviertelliter-Flaschen werden dann einzeln oder in Kisten zu sechs oder zwölf Flaschen verkauft.  

Pater Benedict ist stolz auf die Qualität des Getränks, das “selbstverständlich ausgezeichnet” sei. Er empfehle das rund sechs Prozent starke helle Bier für die warmen Jahreszeiten, und das dunkle Gebräu, das satte 10 Prozent Alkohol hat, für die dunklen, kalten Tage.

Reissender Absatz im Land der Weinkultur

Überrascht hat ihn dennoch die hohe Nachfrage nach dem Getränk. “Als wir anfingen, dachten wir, dass niemand sich dafür interessieren würde”, erzählt Pater Benedict. “Italien ist schließlich ein Weinland. Niemals hätten wir erwartet, dass alles restlos verkauft wird.”

Nun planen die Mönche, ihre Brauerei auszubauen.

Die Mönche leben nach der Regel ihres Gründers: Aufgestanden wird um 3:30 Uhr in der Früh. 15 Minuten später beginnt das erste Gebet des Tages. Das Brauen ist nur eine Arbeit von vielen. Im Juni vergangenen Jahres veröffentlichten die Mönche ihre erste CD: “Benedicta: Marianische Gesänge aus Nursia” erschien bei De Montfort Music.

Gegründet wurde das Kloster im Jahr 2000 von mehrheitlich amerikanischen Mönchen. Die Brauer kommen nicht etwa aus Bayern, sondern aus Texas und South Carolina.

“Deshalb freuen wir uns, dass wir mittlerweile unser Bier auch in den USA verkaufen”, sagt Pater Benedict, der selber aus Connecticut stammt. “Unsere Freunde und Familien haben wir zurückgelassen. Sie würden gerne mehr von uns sehen, was nicht wirklich möglich ist. So haben sie Gelegenheit, uns näher zu sein.”

Die Homepage der Bierbrauer und des Klosters vom Hl Benedikt von Nursia:  http://birranursia.com/