Hoffnung auf Frieden, trotz Propaganda-Vorwürfe: Aleppo-Konferenz bei UN in Genf

Ein Junge trinkt im befriedeten Aleppo
Foto: (C) Pax Press Agency, SARL, Geneva
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Im Oktober 2015 besuchte Erzbischof Jean-Clément Jeanbart, Administrator der Melkitischen Griechisch-Katholischen Kirche und Erzbischof der Melkitisch Griechisch-Katholischen Erzdiözese Aleppo sowie apostolischer Visitator der griechischen Melkiten in Westeuropa, Genf und hielt eine Sondermesse in der Genfer Basilika 'Unsere Liebe Frau von Genf'.

In einem Interview für EWTN.TV sagte er damals auf die Frage von seinem Eindruck über die Russische Beteiligung im Krieg um Aleppo: "Ich werde nicht meinen persönlichen Eindruck schildern, sondern die Eindrücke aller Menschen in Aleppo um mich herum … sie fühlen sich jetzt durch die russische Intervention gerettet und glauben, dass der Krieg in ein paar Monaten vorüber sein wird. Das hat unserem Volk große Hoffnung gegeben."

Fast 14 Monate später, im Januar dieses Jahres, kam dann tatsächlich die Befreiung Aleppos, der größten Stadt Syriens, von den Islamisten der Organisationen Jabhat al-Nusra bzw. Al-Quaida und den ihnen verbundenen Extremisten. Damit - so die Hoffnung vieler - wurde der Weg frei für den Aufbau eines normalen Lebens, die Rekonstruktion und Wiederherstellung dieses kulturellen, industriellen und wirtschaftlichen Zentrums Syriens.

Obwohl es erst ein Anfang ist, kann Aleppo mithilfe der internationalen Staatengemeinschaft wieder aufblühen.

In Erinnerung an ein halbes Jahr der Befreiung Aleppos fand am Mitte Juni bei den Vereinten Nationen in Genf die Konferenz "Aleppo: Eine Stadt vom Terror befreit. Neues Leben, neue Hoffnung" statt.

Russische Diplomaten und Repräsentanten des russischen Verteidigungsministeriums hatten diese Veranstaltung zusammen mit Vertretern der Zivilgesellschaft, Nichtregierungsorganisationen und Journalisten organisiert, die Aleppo nach seiner Befreiung besucht und Menschen erlebt hatten, die unmittelbar die Härten des Lebens in einer von Terroristen besetzten Stadt erfahren hatten. Sie standen zur Verfügung, um Fragen zur gegenwärtigen Situation vor Ort zu beantworten.

Eine heikle Präsentation, von einigen in Frage gestellt, von anderen als reine Propaganda eingestuft, von anderen aber als ernsthafter Versuch gesehen, Missverständnisse auszuräumen und einen Hilferuf an die westlichen Nationen zu richten, sich stärker humanitär und am Wiederaufbau der Stadt zu beteiligen.

"Nun ja, zunächst einmal möchte ich sagen, dass wir vor dem Wiederaufbau die Städte wieder sicher machen müssen", so Alexey Borodavkin, Botschafter der Russischen Föderation bei der UN in Genf. "Das russische Militär hat bereits eine großangelegte Minenräumungskampagne in Aleppo durchgeführt. Unsere Militärärzte arbeiten in Aleppo und werden das auch weiterhin tun. Sie haben während der Befreiung mit ihrer Arbeit begonnen und stellen medizinische Hilfe für die Bewohner zur Verfügung."

Erzbischof Ivan Jurkovič, Ständiger Beobachter des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen in Genf, war Gast der Veranstaltung:

"Bischöfe, die katholischen Bischöfe der Region fürchten aber auch, es ist zwecklos, etwas wiederaufzubauen, wenn wir keinen Weg finden, dass die Menschen, die zurückkehren möchten, auch morgen zusammenleben und bleiben können. Wir müssen also zwei Dinge wiederherstellen: die Gemeinschaft erneuern und auch die Kirchen als Orte des Gebets wiederaufbauen."

Unterdessen werden die syrische Regierung und andere Kriegsparteien von den Vereinten Nationen und verschiedenen Menschenrechtsorganisationen unter Beobachtung des Teams von UN-Sonderberichterstatter Paul Sergio Pinheiro schwerer Menschenrechtsverletzungen beschuldigt.

Hingegen erklärte der syrische Präsident Bashar Al Assad in einem Belgischen Fernsehinterview kürzlich, er wolle Frieden schaffen: "Friede bedeutet zweierlei: die Terroristen und den Terrorismus zu bekämpfen, der Flut von Terroristen und jeder Art von logistischer Unterstützung ein Ende bereiten. Zweitens einen Dialog zwischen Syrern, um Entscheidungen über die Zukunft ihres Landes und das politische System zu treffen. Das sind die Überschriften der Hoffnung, der Zukunft Syriens."

Tatsache ist: Die Stadt Aleppo wird heute aktiv wiederaufgebaut. Nachdem die Terrorgruppen Jabhat al-Nusra und andere Al-Quaida-Ableger aus den östlichen Vierteln abgezogen sind, kommen Familien zurück, die aus ihren Häuser vertrieben worden waren und Plünderungen, Terroranschläge und die Trennung von ihren Lieben erdulden mussten.

Bei allmählich verstummendem Kriegslärm versuchen die Menschen nach Kräften, das empfindliche gesellschaftliche Gefüge dieser multinationalen und multikonfessionellen Megastadt im Nahen Osten zu kitten.

Nach Schätzungen des Internationalen Roten Kreuzes sind seit dem Abzug der Terroristengruppen aus den östlichen Vierteln etwa 80.000 Menschen zurückgekehrt.

"Die Menschen, die in ihre Häuser zurückkehren, gewöhnen sich an einen friedlichen Lebensrhythmus und bauen die Infrastruktur wieder auf. Die Stadt führt heute ein friedliches Leben -Und wir müssen das gleiche Szenario auch in anderen syrischen Städten umsetzen. Zu diesem Zweck stellt das russische Zentrum für Versöhnung Hilfe bereit, um ein friedliches Leben nicht nur in Aleppo, sondern auch in anderen syrischen Städten wiederherzustellen", so General Vladimir Savchenko, Leiter des russischen Zentrums für Versöhnung in seiner Rede.

Hussam Edin Aala, Ständiger Vertreter der Syrisch-Arabischen Republik bei den Vereinten Nationen in Genf, kritisierte die Berichterstattung der Medien: "Es ist offensichtlich, dass die westlichen, führenden Medien an Aleppo interessiert waren als es dort Terroristen gab … heute aber haben sie das Interesse an der Not der Menschen, am Leid der Menschen verloren, weil die Terroristen aus der Stadt verjagt sind. Das entlarvt das wahre Ziel dieser Medien und der Länder, die sie unterstützen."

Vanessa Beeley, freie Journalistin und britische Aleppo-Expertin, verbrachte während des Krieges mehrere Jahre in der Stadt.  

"Allgemein gesprochen: Die Situation in Aleppo wurde von Anfang an falsch dargestellt. Von Anfang an wurde es bloß als Aleppo bezeichnet, anstatt darüber aufzuklären, dass die Terroristen, die Stadt 2012 eingenommen hatten, sie in zwei Teile geteilt haben."

Erzbischof Ivan Jurkovič, Ständiger Beobachter des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen in Genf : 

"Wir stehen vor extrem dramatischen und beispiellosen Dingen in einem Land, das vor Jahren sehr stabil war. Was können wir dazu sagen? Wir können sagen, dass wir ohne die aktive Beteiligung bestimmter Staaten – und darunter sicherlich auch die Russische Föderation – heute eine andere geopolitische Konfiguration, ein anderes Panorama des Mittleren Ostens hätten. "

Die Konferenz wollte Hoffnung vermitteln, so Teilnehmer. Darauf, dass dieser grausame Konflikt ein Ende nimmt und dass mit Hilfe der internationalen Staatengemeinschaft in Syrien Frieden und Stabilität verwirklicht werden können – das große Mosaik verschiedener Kulturen, das die syrische Gesellschaft ausmacht, in seiner alten Pracht wiedererstrahlt.

Diese Hoffnung teilen sicher die Bewohner Aleppos, die daran arbeiten, die Trümmer von den Straßen zu räumen, um ihre von jahrelangen Kämpfen zerstörten Häuser wiederaufzubauen.

Eines der Hoffnungszeichen: Katholische Bewohner konnten dieses Jahr zum ersten Mal an Fronleichnam öffentlichen feiern.

Dieser Bericht wurde von unserem Genfer UN-Korrespondenten Christian Peschken von Pax Press Agency, Genf, verfasst. Der Bericht ist auch im Rahmen der EWTN.TV-Sendung 'Vaticano' zu sehen. Mehr zu Pax Press Agency unter www.paxpressagency.com