Ist Einheit das wichtigste für Papst Franziskus? (Bericht und Video)

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Papst Franziskus hat sich entschlossen, das Jahr 2017 so zu beginnen, wie es zu Ende gegangen ist: Mit dem Gebet um die Einheit der Christen. 

Dieses Bemühen um Einheit — nicht nur unter Christen, sondern auch mit anderen Religionen —  ist eine Art persönliches Manifest, das praktisch mit seinem Amtsantritt bereits sichtbar wurde.

In seinem neuen, aktuellen Video, dem ersten des Jahres 2017, betet der Papst für die Einheit der Christen, genauer: "für alle Menschen (…), die durch ihr Gebet und ihre tätige Nächstenliebe zur Wiederherstellung der vollen kirchlichen Einheit beitragen, um die Nöte der Menschheit zu lindern."

Das am 9. Januar veröffentlichte zeigt Bilder verschiedener Kirchen sowie Menschen, die gemeinsam in Hilfsprojekten arbeiten, während der Papst, in seiner spanischen Muttersprache, sagt:

"Viele Christen aus verschiedenen Konfessionen setzen sich heute gemeinsam für ihre Mitmenschen ein: Sie verteidigen die Würde des menschlichen Lebens, bewahren die Schöpfung und kämpfen gegen Ungerechtigkeit".

Dann zeigt der Film, wie mehrere Hände nach und nach das gleiche Tau ergreifen, während Franziskus mitteilt, dass der "Wunsch, sich gemeinsam auf den Weg zu machen, um den Ärmsten der Armen und jenen, die leiden zu helfen", für alle eine große Freude sei.

Das Video endet mit der Bitte an den Zuschauer, sich seines Anliegens anzuschließen, für alle Menschen zu beten, "die durch ihr Gebet und ihre tätige Nächstenliebe zur Wiederherstellung der vollen kirchlichen Einheit beitragen, um die Nöte der Menschheit zu lindern".

Anfang jeden Jahres werden die Gebetsmeinungen des Papstes für die kommenden 12 Monate veröffentlicht. Damit lenkt Franziskus die Aufmerksamkeit auf Themen, die das Jahr über den Ton angeben sollen; und im Jahr 2017 ist es die Einheit der Christen.

Vor einem Jahr war das Thema das Videos der interreligiöse Dialog. Dieser, wie auch der ökumenische, sind Prioritäten für Franziskus. Im gleichen Monat besuchte er die Synagoge Roms, umarmte Rabbi Riccardi Di Segni, und rief dazu auch, dass Juden und Christen sich gemeinsam gegen Konflikte, Krieg, Gewalt und Unrecht stellen.

Einen Monat später, am 12. Februar, traf Franziskus auf dem Weg nach Mexiko den Russisch-Orthodoxen Patriarchen Kyrill. Die beiden unterschrieben eine gemeinsame Erklärung. Das Dokument umfasst 30 Punkte, vom Martyrium der verfolgten Christen im Nahen Osten und Afrika über die Religionsfreiheit bis hin zu den christlichen Wurzeln Europas. Die Erklärung stieß auch auf Kritik, etwa seitens griechischer Katholiken für ihren Umgang mit dem Konflikt in der Ukraine. Für andere Beobachter war es der Auftakt zu einer hoffentlich positiven Entwicklung.

Im März, an Gründonnerstag, wusch der Papst die Füße von 12 Migranten, darunter Muslime und ein Hindu, in einer Flüchtlingsunterkunft am Rande Roms.

Im April traf Franziskus auf seiner Tagesreise nach Lesbos unter anderem den Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomäus und Hieroymos, Erzbischof von Athen und Oberhaupt der autokephalen orthodoxen Kirche. Im gleichen Monat traf der Papst auch den Generaloberen der Piusbruderschaft, Bischof Bernard Fellay.

Im September erklärte der Pontifex, dass die Beichte der Piusbruderschaft "gültig und erlaubt" empfangen werden kann; nach Ablauf des Jahres der Barmherzigkeit bestätigte er zudem im November, dass dies weiterhin der Fall ist. Auch wenn der kirchenrechtliche Status der Piusbruderschaft noch nicht endgültig geklärt wurde, teilten Franziskus und Fellay mit, dass die Gespräche ohne Hast weiter geführt werden sollen.

Im Mai begrüßte Franziskus den sunnitischen Scheich der Azhar-Moschee zu einem kurzen, aber wichtigen Treffen im Vatikan. Der Scheich der Azhar, Ahmed al Tayyeb, gilt als moderater Vertreter seiner Religion.

Manche Beobachter erhoffen sich von der heutigen Begegnung eine Verbesserung der Beziehungen zwischen dem Vatikan und der Azhar. Diese hatte jedoch — unter dem gleichen Imam — den Kontakt zum Heiligen Stuhl im Jahr 2011 abgebrochen und Papst Benedikt XVI. vorgeworfen, er mische sich in die "inneren Angelegenheiten" Ägyptens ein. Der Grund: Benedikt hatte einen Bombenanschlag auf eine koptische Kirche verurteilt und besseren Schutz für Christen gefordert.

Seitdem haben Islamisten bei einem neuen Bomben-Angriff, diesmal auf eine Kirche an der koptischen Kathedrale in Kairo 27 Christen ermordet; die Opfer waren mehrheitlich Frauen und Kinder.

Vor allem zum Gedenken des 100-jährigen Jubiläums des türkischen Völkermords an armenischen, syrischen und griechischen Christen reiste der Papst im Juni nach Armenien. Dabei kam es zu mehreren ökumenischen Begegnungen mit örtlichen Vertretern.

In Assisi nahm Franziskus im September am interreligiösen Gipfeltreffen teil, das anlässlich des 30. Jahrestags des vom heiligen Johannes Paul II. eingerufenen Weltgebetstags des Friedens stattfand.

Im September besuchte der Papst dann Georgien, wo der Dialog zwischen christlichen Gruppierungen sehr schwierig ist, und Aserbaidschan, ein mehrheitlich muslimisches Land. Dort lobte Franziskus das Miteinander der Schiiten mit Katholiken, Orthodoxen und Juden im Land.

Wenig später, im Oktober, reiste der Papst nach Lund (Schweden) zu einer großen ökumenischen Begegnung mit dem protestantischen Bischof Munib Younan, Präsident des Lutherischen Weltbundes. Die beiden unterzeichneten ebenfalls eine gemeinsame Erklärung. Franziskus betonte bei diesem Gedenken an Luther und die als Reformation bezeichnete Abspaltung der Protestanten von der Kirche für 500 Jahren, dass die Einheit der Christen "eine Priorität ist, denn wir realisieren, dass uns viel mehr verbindet, als uns trennt."

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