Kommentar: "Yes, you can!" – Die Botschaft von Mutter Angelica

Mutter Angelica
Foto: EWTN
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Der Amerikanische Traum ist immer noch für viele begeisternd. Mit der Botschaft "Yes, we can" hat Präsident Obama seinen ersten Wahlkampf gewonnen. Hier liegt das große Versprechen des American Dream: Du schaffst es – vom Tellerwäscher zum Millionär! Die Unabhängigkeitserklärung garantiert drei unverhandelbare Rechte: Life, Liberty und "the Pursuit of Happiness".

Der Staat verpflichtet sich nicht, alle seine Bürger glücklich zu machen – das ginge selbst in einer perfekten Gesellschaft nicht – aber Bedingungen zu schaffen, in denen jeder sein Glück suchen und verwirklichen kann.

Mutter Angelica, über die in den letzten Tagen viel geschrieben wurde, um an ihr großartiges Apostolat zu erinnern, hat auf ihre Weise den Amerikanischen Traum gelebt, um es von einem winzigen Sender in einer Garage zum größten katholischen Mediennetzwerk zu bringen. Der Staat, aber auch ihre eigene Ordensgemeinschaft, haben ihr die Möglichkeit gegeben, das zu tun, was in ihren Augen notwendig war: den katholischen Glauben mit den neuen Medien zu verbreiten. Und trotz aller Schwierigkeiten ist sie diesen Weg gegangen: Zuerst und vor allem, weil sie eine tiefe Liebe zu Christus hatte, dann aber sicherlich auch, weil sie als Amerikanerin in einer Kultur groß wurde, die geprägt ist von Sätzen wie "Never give up", "Live your dream" und "Go for your goals". Nichts konnte Mutter Angelica auf Dauer bremsen. "If God is on my side, nothing can stop me."

"Mit meinem Gott überspringe ich Mauern!"

Zuerst und vor allem braucht es den übernatürlichen Glaube an Christus, den wir als Gnade in der Taufe erhalten und den es durch Gebet, Sakramentenempfang und Studium zu pflegen gilt.

Dieser Glaube muss sich aber in guten Werken, in handfester Liebe zeigen, die sich aller Fähigkeiten und Talente bedient, um Gottes zu tun. Wer singen kann, und aus falscher Demut nicht singt, vergräbt sein Talent.

Als Christ muss man auch einen natürlichen Glauben an sich selbst haben: "Ich kann das. Und wenn Gott es will, tu ich's." Ich weiß,  dass ich Fehler und Sünden habe, aber das kann der Herr mit seiner Gnade überwinden. Nur an sich selbst zu glauben und gar zu meinen, alles erreichen zu können ist Arroganz und Egoismus. Wir können kein Paradies auf Erden bauen; und wir können uns auch nicht selbst glücklich machen, weil das – wie auch Glaube und Liebe – nie nur eigene Leistung, sondern eben auch Gnade und Geschenk ist. Auf der anderen Seite – und hier liegt für uns Katholiken die größere Herausforderung – kann der tatenlose Glaube an Christus mein Leben und die Welt nicht zu dem verwandeln, was Gott möchte.

Wie vielen frommen und guten Christen täte es Not, ihre Minderwertigkeitskomplexe zu überwinden und den American Dream als katholischen Traum zu leben. Yes, you can! Aber wie viele sagen immer wieder: Ich bin ein Sünder und schaffe es nicht, dieses oder jenes in meinem Leben dauerhaft zu verändern. Ich kann nicht beten. Ich kann nicht singen oder vor anderen reden. Ich kann keine Leserbriefe schreiben. Ich bin zu arm, zu schwach, zu dumm, zu verbittert...

All das mag stimmen, aber der übernatürliche Glaube an Christus müsste, wenn er denn stark und echt ist, auch den natürlichen Glauben an uns selbst stärken: Mit Gottes Gnade will ich, kann ich und werde ich es tun.

Träumen wir wenigstens noch davon, Heilige zu werden?

Was wäre, wenn wir Christen alle Heilige wären? In der Urkirche nannten sie die Brüder und Schwestern "Heilige". Auch sie waren Sünder, aber Heiligkeit war das große Ideal. Für uns heute ist es oft eine Utopie. Oft meinen wir "heilig" bedeutet "sündenlos". Diese Gleichung galt nur zweimal in der Geschichte: bei Jesus und Maria. Es geht nicht nur darum, die Sünde zu meiden, sondern auch das Gute zu tun.

Heilige sind Helden, die mehr geben, als sie müßten. Mutter Angelica hat einmal gesagt, wenn alle Katholiken so leben, wie sie sollten, wäre die Welt über Nacht eine andere. Es gibt Bekehrungen über Nacht, aber meistens wächst alles Gute langsam. Im Gleichnis vom Wort Gottes, das als Samen ausgestreut wird, wird ein Teil von den Sorgen des Alltags erstickt. Der gute Boden auf den das Wort Christi fallen muss, ist der fruchtbare Humus eines gesunden Selbstbewusstein, ist die Bereitschaft seine Fähigkeiten nicht länger allein für weltliche Ziele zu nutzen sondern für die Verbreitung des Evangeliums.

Das Motto "vom Tellerwäscher zum Millionär" deutet gerade eben diese geduldige Mühe an, die das Bankkonto langsam wachsen lässt. Bei uns müsste es heißen "Vom Couchkatholiken zum Heiligen". Wir sind und bleiben Sünder, die immer wieder beichten müssen. Aber wir können sowohl in unserem eigenen geistige Leben wie auch in der Welt, die uns umgibt viel mehr leisten.

Es genügt nicht, am Sonntag in die Kirche zu gehen und am Mittwoch das Bistumsblatt zu lesen. Das ist nichts Böses, aber ist das das Ideal eines christlichen Lebens? Was wäre, wenn sich alle Katholiken ernsthaft vornehmen würden, Heilige zu werden? Nicht nur solche, die das Böse meiden, sondern darauf brennen, ihr geistliches Konto wachsen zulassen?

Es geht hier nicht um Aktionismus oder pelagianisches Bemühen, ohne Gottes Gnade Gutes zu tun. Es geht um die Überwindung von Trägheit, falscher Angst und Scham, Traurigkeit über Misserfolge und auch Enttäuschungen über kirchliche Obere, die nicht selten selbst unter den genannten Untugenden leiden, wenn sie die ihnen Anvertrauten nur "verwalten" statt zu führen.

The Catholic Dream

"Alles Übel in der Welt kommt von lauwarmen Katholiken" Dieses Wort des heiligen Papstes Pius V. klingt in unseren Ohren viel zu hart und ungerecht. Vielleicht übertreibt der Heilige auch ein wenig, wenn er alle Übel den "Sonntagschristen" in die Schuhe schiebt. Doch in ähnlicher Weise spricht ja Christus selbst zu denen, die keine Lust mehr haben, Heilige zu werden: "Ich kenne Deine Werke. Du bist weder kalt noch heiß. Wärest Du doch kalt oder heiß! Weil Du aber lau bist, weder heiß noch kalt, werde ich Dich aus meinem Mund ausspeien" (Offb 3, 15).

Wie gerne würde wir angesichts dieser harten Kritik Jesus ganz viele "aber" entgegen: Aber ich gehe ja sonntags in die Kirche... Aber ich zahle Kirchensteuer... Aber ich tue meiner Frau doch nichts Böses...

Dann würde uns der Herr wohl wie dem dritten Diener, der nur ein Talent erhielt und es nicht vermehren wollte, fragen, warum wir es nicht einmal zur Bank getragen haben, wo es Zinsen hätte bringen können. Jesus als erster Kapitalist und Finanzexperte? Nein, Jesus der uns so sehr liebt und so viel Vertrauen hat, dass er uns alle Entschuldigungen nimmt. Er kennt uns besser als wir, und weiß daher, das es meist fromme Ausreden sind, die uns daran hindern mit seiner Gnade Heilige zu werden.

Die katholische Kirche ist das "Land der unbegrenzten Möglichkeiten". Hier kann jeder – ganz egal, was seine Vorgeschichte war – ein Held des Glaubens werden. Hier findet jeder die Mittel, die er zum Heil braucht und hier wird jeder gebraucht, um dieses "Land of the Free", das Reich der Kinder Gottes, auszubreiten und zu verteidigen. Könige und Bettler, Schuhputzer, Mörder, Eheleute, Priester, Kinder und Greise sind Heilige geworden. Live the catholic dream – become a saint!

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