Lidl-Skandal: Supermarktkette entschuldigt sich für Kreuz-Entfernung, schweigt über Gründe

Warum der "Lidl"-Konzern das Kreuz von der Kirche in Oia auf Santorin (hier unretuschiert) für seine Produktpackungen gezielt ausradierte: Dazu äußert sich das deutsche Unternehmen bislang nicht.
Foto: Pixabay / 127071 // Wikimedia / Norbert Nagel (CC-BY-SA-3.0)
Facebook Twitter Google+ Pinterest Addthis

Die deutsche Supermarkt-Kette "Lidl" hat sich dafür entschuldigt, Kirchenkreuze auf Lebensmittel-Verpackungen einer Eigenmarke gezielt wegretuschiert zu haben. Aber eine echte Korrektur steht offenbar aus, warnen Beobachter: Das Unternehmen schweigt weiter über die Gründe für die Retusche.

Das Vorgehen hatte einen Skandal verursacht und internationale Boykott-Aufrufe, Kritik und Empörung ausgelöst.

Auch die Insel Santorin, auf der die Sankt-Spyridon-Kirche und die Anastaseos-Kirche stehen, die von "Lidl" kurzerhand digital säkularisiert wurden, protestierte scharf.

"Lidl" hatte mitgeteilt, es stecke "keine böse Absicht" hinter dem Entfernen christlicher Symbole, was der Konzern prompt verharmlosend als "Veränderungen am Verpackungsdesign" beschrieb – und keine Gründe dafür nannte. 

Der Prager Kardinal Dominik Duka verurteilte Lidls Vorgehen als "kulturlose und barbarische Handlung". Wenn Kreuze von Verpackungen entfernt werden, so der Erzbischof von Prag, sei zu befürchten, dass es demnächst zur Entfernung wirklicher Kreuze kommt. 

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick bezeichnete die Korrektur als ein "Muss": Sonst handle es sich um "Fälschung und Betrug", so der Würdenträger auf "Twitter".

Auch von protestantischer Seite kam scharfe Kritik und die Ermutigung zum Boykott von "Lidl".

Die weiter offene Frage ist: Warum radiert ein deutscher Konzern gezielt Kreuze von der Verpackung seiner Produkte? Dazu schweigt "Lidl" weiterhin. Und eine klare Stellungnahme, dass in Zukunft weder Kreuze noch andere religiöse Symbole retuschiert werden, steht ebenfalls aus.

Auch wenn der Konzern weiter mauert, was die Motivation hinter der "Design-Veränderung" ist: Offensichtlich sollte nicht-christlichen Kunden ein kleines christliches Symbol nicht "zugemutet werden" – obwohl es sich dabei um ein Foto von griechischen Kirchen auf einer Packung griechischer Lebensmittel handelte. 

"Lidl Österreich" hatte sich am Montag bei seinen Kunden entschuldigt – in Deutschland war dies erst einmal nicht der Fall. Erst als sich der Skandal ausweitete, reagierte der Konzern. Beobachter kritisierten angesichts dieser "Salami-Taktik" des Unternehmens, dass die Korrektur weder konkret genug noch ingesamt sehr überzeugend ist.

Das Unternehmen "Lidl" gehört der "Schwarz-Gruppe", dem größten Handelskonzern Europas, mit Sitz in Neckarsulm, und verbuchte 2015/2016 einen Jahres-Umsatz in Höhe von knapp 40 Milliarden Euro. Vorstandsvorsitzender ist der Däne Jesper Hojer. 

Das könnte Sie auch interessieren: