Mit Kaffeetasse heimlich Messe gefeiert: Die Geschichte des Christentums in Albanien

Das neue Diözesanmuseum in Shkodra erzählt mit bewegenden Zeugnissen die fast 2.000 Jahre alte Geschichte des Christentums in Albanien - bis hin zur neuen Blüte in der Gegenwart

Ein katholisches Kreuz, ausgestellt mit orthodox-christlichen und islamischen Kultgegenständen am Eingang des Museums.
Foto: CNA/Sr. Mirjam Beike
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"Von Jerusalem bis hin zur Provinz Illyrien habe ich die rettende Botschaft von Christus verbreitet und ihr Geltung verschafft": So schreibt der heilige Paulus im Römerbrief (15,19). Auf der heutigen Landkarte findet man an der Stelle des ehemaligen Illyriens ein kleines Land: Albanien.

Im vergangenen Herbst war vor allem das katholische Albanien in die Aufmerksamkeit der Weltkirche gerückt: Die Kirche Albaniens schenkte der Welt eine neue Heilige und 38 neue selige Märtyrer. Im selben Herbst wurde ein neuer albanischer Kardinal ins Kardinalskollegium aufgenommen, Ernest Kardinal Simoni. Er hat die Torturen der kommunistischen Diktatur überlebt und zusammen mit der Ordensschwester Maria Karleta im September 2014 dem Papst davon berichten können. Gegen Ende des Jahres wurde dann ein albanischer Priester aus dem Kosovo zum Monsignore ernannt: Dom Lush Gjergj, Biograph von Mutter Teresa.

Ein Vorbote dieser zahlreichen wichtigen Ereignisse für die katholische Kirche in Albanien war die Eröffnung des Diözesanmuseums in Shkodra, am 2. Juli 2016. Es berichtet von der langen Geschichte des Christentums in diesem Land. Im Museum selber findet man die Jahreszahl 50 n. Christus als Beginn der Christianisierung. Das ist das Jahr, in dem der heilige Paulus von Mazedonien aus nach Illyrien gekommen ist, ins heutige Albanien, und so die Christianisierung begonnen hat.

Betritt der Besucher das Museum, trifft er aber als erstes nicht auf das Christentum oder katholische Glaubenszeugnisse. Die ersten Exponate werden wie folgt beschrieben: "Wir können kein Museum besuchen, das über den Glauben des albanischen Volkes berichtet, ohne uns vor Augen zu führen, was heute in besonderer Weise Albanien charakterisiert: Das friedliche Zusammenleben von Christen und Moslems. Die Objekte, die am Anfang dieser Ausstellung stehen, möchten den Besuchern diese wichtige Tatsache mit auf den Weg geben, die man sich immer bewusstmachen sollte."

Anfang in biblischer Zeit 

Das Museum selbst ist in Form eines Zeitstrahls aufgebaut. Es fängt im Jahre 50 nach Christus an, und endet mit den heutigen Tagen. Dabei wird die Geschichte Albaniens erwähnt, und zeitgleich damit verwoben die Geschichte der katholischen Kirche, besonders in Albanien, aber auch der Weltkirche.

Von der frühen Christianisierung erzählen kunstvoll gearbeitete archäologische Fundstücke von Kirchen, die man in Albanien gefunden hat, und die inzwischen zerstört sind. Zeugnisse der katholischen Kirche in Albanien sind sehr früh anzutreffen. Einige dieser Ruinen werden auch mit Filmaufnahmen im Museum gezeigt.

Ein weiterer historischer Höhepunkt befindet sich in einer Abteilung, die einfach nur "Wasser" genannt wurde. Hier findet man neben einem alten Weihwasserbecken aus Stein eine Kopie der ersten bekannten Niederschrift der albanischen Sprache vom 8. November 1462. Es ist die Taufformel.

Wie die Mehrheit der Albaner islamisch wurde

Da die Taufe mit Wasser geschieht, ist die Platzierung neben einem alten Weihwasserbecken sehr sinnvoll. Geschrieben wurde sie vom damaligen Erzbischof von Durres: Monsignore Pal Engjelli. Er war auch Diplomat des albanischen Volkshelden und Freiheitskämpfers Gjergj Katriot Skanderbeg. Die Niederschrift ist die Taufformel auf Albanisch: "Ich taufe Dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes"

Ende des 14. Jahrhunderts drangen osmanische Truppen zum ersten Mal bis nach Albanien vor. Die Eroberung Albaniens geschah etappenweise von Süden her. Es dauerte über 80 Jahre, bis nach dem Tod des Nationalhelden Skanderbeg ganz Albanien von den Osmanen besetzt werden konnte. Sie herrschten danach über 400 Jahre. Erst im Jahre 1912 erlangte Albanien seine Unabhängigkeit wieder.

Große Teile der Bevölkerung traten während dieser Besetzungszeit zum Islam über, so dass spätestens im 17. Jahrhundert in Albanien die Muslime in der Mehrheit waren. Einige Katholiken suchten in den nördlichen Bergen Zuflucht. Das ist eine karge Region mit schwierigen Lebensbedingungen, an der die Osmanen nicht sehr interessiert waren, so dass die katholischen Albaner dort ihren Glauben relativ ungestört praktizieren konnten.

Kommunistische Massaker und grausame Verfolgung 

Nach den beiden Weltkriegen wurde Albanien kommunistisch. Am 08. November 1941 wurde die albanische kommunistische Partei gegründet. Einer der Gründer war der spätere Diktator Enver Hoxha.

Nachdem im November 1944 die letzten deutschen Soldaten aus Albanien abgezogen waren, und die kommunistische Partei die Macht übernommen hatte, begann ein Massaker am katholischen Klerus und den Gläubigen aller Religionsgemeinschaften Albaniens, das bis 1990 andauerte. In den Gefängnissen starben durch Erschießen 2 Erzbischöfe, 5 Bischöfe, ein Abt, 65 Diözesanpriester, 33 Franziskaner, 14 Jesuiten, 10 Seminaristen und 8 Ordensschwestern, sowie eine große Anzahl von Laien. Manche wurden durch ein Gericht zum Tode verurteilt, andere wurden auch ohne Gerichtsurteil erschossen.

Der Kommunismus war eine der dunkelsten Zeiten, die Albanien durchleben musste. Diese Zeit ist durch eine besonders grausame Verfolgung gekennzeichnet, die 50 Jahre lang andauerte und viel Leid und schwere Folgen nach sich zog.

Daher ist ein großer Bereich des Museums der Zeit während des Kommunismus gewidmet. Die kommunistischen Diktatoren erließen im Februar 1967 ein totales Religionsverbot und erklärten Albanien zum ersten atheistischen Staat der Welt. Es wurde nicht nur das Praktizieren des Glaubens verboten, sondern auch der Besitz von Kultgegenständen unter Strafe gestellt. Der katholische Glaube war besonders von diesem Verbot betroffen, weil hier besonders viele Statuen und andere Andachtsgegenstände zu finden sind, auch der Besitz der Bibel war verboten. Das Ziel der Diktatur Enver Hoxhas war es, alle Figuren oder Kultgegenstände, die an Gott erinnerten, auszumerzen und durch die Figur des Diktators zu ersetzen. Die Katholiken widersetzten sich diesem Verbot. Es ging so weit, dass manchmal hinter dem sichtbaren Bild des Diktators ein versteckter Tresor in die Wand eingelassen war, in dem Andachtsgegenstände aufbewahrt wurden.

Die Märtyrer und eine neue Blüte

Auch wenn der Kommunismus die äußere Funktionalität der Kirche unterbrochen hat, den Glauben und die heimliche Praxis des Glaubens konnte er nicht unterbrechen -diesen Glauben der albanischen Kirche, der von der Zeit des heilige Paulus an bis zum heutigen Tag andauert.

Die Andachtsgegenstände, die das gläubige Volk während der Zeit des Kommunismus versteckt hatte, zeigen die starke Verbindung des albanischen Volkes mit der Kirche und dem Glauben.

Ein Raum im Museum ist dieser Zeit gewidmet und zeigt nicht nur einige dieser Andachtsgegenstände, sondern deutet auch an, wie diese versteckt wurden. Einige kleine Heiligenfiguren findet man halb vergraben am Boden liegend.

Diese Figur des heilige Rochus wurde in eine Wand eingemauert. Auch im Museum ist sie in eine Wand hineingestellt, und man sieht einige Steine vor der Statue. Dies führt oft zu Fragen der Besucher, ob denn dieses Exponat noch nicht fertig ist. Diese Darstellung soll die Aufmerksamkeit des Betrachters auf die Tatsache lenken, dass diese Figur eingemauert wurde, um sie zu verstecken.  

Im zweiten Stock finden sich weitere Zeugnisse aus der Zeit während des Kommunismus: Ein unscheinbarer Tisch und eine Tasse sind dort zu sehen. Diese hat Bischof Zef Simoni benutzt. Er empfing am 9. Februar 1961 die Priesterweihe und wurde 1976 wegen seines katholischen Glaubens zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Diese Haft absolvierte er im berüchtigten Straflager Spaç. Don Zef Simoni hat diese Tasse und diesen Tisch benutzt, um mit den Gläubigen heimlich die heilige Messe zu feiern.

Zum Abschluss darf der Hinweis auf die 38 Märtyrer nicht fehlen, die am 05. November 2016 in Shkodra seliggesprochen wurden. Sie sind während der kommunistischen Zeit für ihren Glauben gestorben und ihr Andenken hat auch einen Platz im Museum gefunden.

Das neue Diözesanmuseum spricht von dem Glauben eines Volkes, das schon früh christianisiert wurde, dass viel gelitten hat, aber diesen Glauben bis heute nie aufgegeben hat. Es spricht auch von einer Kirche, die nach Verfolgung und Leid wieder anfängt, aufzublühen.

(Alle Fotos wurden von Sr. Mirjam Beike im Diözesanmuseum von Shkodra aufgenommen und dürfen mit freundlicher Genehmigung des Museums hier veröffentlicht werden.)

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