Nach Jahren im Exil kehren die Dominikanerinnen in die Ninive-Ebene zurück

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Nach drei Jahren im Exil, währenddessen der Islamische Staat die Ninive-Ebene besetzte, kehren nun die Dominikanerinnen der heiligen Katherina von Siena in ihre Heimat zurück. Sie stehen vor der Herausforderung, ihre zerstörten Gemeinden wieder neu aufzubauen.

"Vor drei Jahren haben wir unsere Häuser in der Nacht verlassen, ohne zu wissen, wohin es geht. Wir begannen eine Reise der Vertreibung, des Exils, und der Infragestellung", schreiben die Schwestern in einem auf den 6. August datierten Offenen Brief.

"Trotz allem träumten wir davon, heimzukehren und unsere Häuser intakt vorzufinden, so wie wir sie verlassen hatten. Wir wünschten uns sehr, zurückzukehren, unsere Kerzen zum Gebet zu entzünden, unsere Trauben zu ernten, und unsere Bücher zu lesen".

Der Islamische Staat hatte die Ninive-Ebene im Jahr 2014 erobert. Zehntausende wurden vertrieben und ins Exil gezwungen. Die Region leigt zwischen Mosul, der zweitgrößten Stadt des Landes, und dem irakischen Kurdistan.

Im Herbst 2016 gelang es irakischen Streitkräften, nach zwei Jahren der Terror-Herrschaft durch die Islamisten, weite Teile der Ebene wieder zu befreien. Viele Familien kehrten in ihre Heimat zurück, in der Hoffnung auf eine Zukunft. 

"Gott goss seine Gnaden über uns aus, als unsere Städte befreit wurden, eine nach der anderen; der IS wurde besiegt und die Ninive-Ebene scheint befreit worden zu sein", so der Brief der Schwester.

Auch wenn die Region nun scheinbar sicher vor den Kämpfern des IS ist, schreiben die Dominikanerinnen, "heißt das nicht, dass die Ninive-Ebene nun von dieser Mentalität gereinigt ist".

Heimkehrer fanden mutwillige Zerstörung aller Zeichen christlichen Glaubens vor und Graffiti an ihren Wänden – manchmal sogar in deutscher Sprache, mit Sprüchen wie "wir töten Euch alle".  

In geschändeten Kirchen wurden Kreuze abgebrochen, Statuen zerstört, Wände eingerissen, Brände gelegt, Schmierereien verübt, Müll und giftige Kampfstoffe in Ecken gestapelt.

Über 6.000 Häuser müssen allein in Karakosch repariert oder völlig neu gebaut werden. Die Familien, die noch ein stehendes Haus haben, sind in der Minderheit.

"Wir waren dermaßen erschüttert von der Zerstörung, die wir gesehen haben. Es war unheimlich schmerzhaft, diese überwältigende Zerstörung zu sehen", teilen die Schwestern mit.

"Sofort war klar, dass nicht militärische Streitkräfte oder moderne Waffen das anrichteten, sondern Hass", schreiben die Dominikanerinnen weiter.

"Ein Hass, der sowohl die Unterdrückten als auch die Unterdrücker atemlos macht. Gott allein weiß, wieviel Liebe wir brauchen, um diese tiefen Wunden zu heilen".

Manche Städte, etwa Batnaya, wurden zu 90 Prozent zerstört, und der Wiederaufbau hat gerade erst begonnen. Eine weitere Gemeinde, Bakhdida, wurde "nur" zu einem Drittel zerstört. Doch die NGOs, die mit den Reparaturen helfen, "sind nicht genug im Vergleich mit der Zerstörung". 

Bis September – und dem Schulbeginn – hoffen die Menschen vor Ort mit ihren Helfern so viele Häuser wie möglich zu reparieren und bauen.

Viele Familien haben sich entschlossen, vorerst nicht in ihre Gemeinden zurückzukehren, angesichts der überwältigenden Zerstörung ihrer Häuser. Andere bleiben fern, weil sie ihren Nachbarn nicht mehr trauen können. Die Schwestern schreiben: "Wir wußten, dass es unsere Nachbarn waren, die uns verrieten, bevor es der IS tat."

"Die Entscheidung, ob wir zurückkehren, war keine leichte", so die Dominikanerinnen. Auch ihr Kloster in Bakhdida sei teilweise zerstört.

Dennoch werden die Schwestern in die Ninive-Ebene zurückkehren. Sie werden in einem Familienheim in Telskuf leben, bis ihr Kloster wieder bewohnbar ist. Auch das Waisenhaus müssen sie wiederaufbauen, dass die Islamisten niederbrannten. Noch im Herbst wollen sie einen Kindergarten eröffnen.

Trotz des Hasses und der Zerstörung sind die Schwestern zuversichtlich. Die ersten Familien sind zurückgekehrt, und die Ordensfrauen sind dankbar, dass der Wiederaufbau begonnen hat. 

"Gott ist mit uns und wird uns nicht verlassen. Wir danken für die Unterstützung, die wir erhalten haben. Bitte beten Sie für uns in dieser neuen Phase unseres Lebens."

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