Franziskus in Genua: Das sind die Heilmittel für moderne Probleme

Papst macht erneut Geburtenmangel in Europa verantwortlich für fehlende Berufungen

Papst Franziskus mit Kardinal Bagnasco in Genua am 27. Mai 2017
Foto: L'Osservatore Romano
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Der Jugend, Vertretern der Arbeitswelt, Ordensleuten, Priestern - und 75.000 Gläubigen bei der heiligen Messe - ist der Papst heute bei seinem Besuch im Bistum Genua begegnet. Er forderte sie heraus - und bot ihnen Lösungen für moderne Probleme an.

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Der Erzbischof Genuas - und bis vor kurzem Vorsitzende der Italienischen Bischofskonferenz -, Kardinal Angelo Bagnasco, empfing den Papst am Morgen am Flughafen.

Dann begann ein dicht getaktetes Programm: Nach einem Besuch bei Arbeitnehmern und -Gebern ein längeres Treffen mit Jugendlichen. Franziskus beantwortete bei beiden Gelegenheiten Fragen der Menschen. 

Im Gespräch mit Vertretern der Arbeitswelt kamen ein Unternehmer, Arbeiter und eine Arbeitssuchende zu Wort. Sie baten um Rat und Ermutigung: Wie vermeidet man Karrierismus und pflegt Brüderlichkeit, wie bleibt man zuversichtlich, auch wenn man schon länger Arbeit sucht?

Der Papst betonte in seinen Antworten, Arbeit sei eine Priorität, "eine christliche Priorität, und auch eine Priorität des Papstes!" Doch die Welt von heute betrachte Arbeit nicht mit der Würde, die diese habe und gebe, so der Pontifex.

Der Papst warnte vor der Versuchung, Probleme dadurch zu lösen versuchen, dass man Leute feuert. Jemand, der so vorgehe, sei kein Unternehmer, sondern ein Kommerzialist. 

"Heute verkauft er seine Angestellten, morgen verkauft er seine Würde."

Fast zwei Stunden verbrachte Franziskus mit Bischöfen, Priestern, Ordensleuten und Seminaristen. Das Treffen begann er mit einem stillen Gebet für die Opfer des neuen Massakers an Christen in Ägypten, bei dem 28 Menschen starben.

Nach einem "Gegrüßet Seist Du, Maria" für die Toten, Verwundeten und ihre Familien beantwortete der Papst Fragen darüber, wie man täglich ein gutes geistliches Leben führen kann, wie man das bestimmte Charisma eines Orden im Lauf der Zeit erhält, wie man priestliche Brüderlichkeit pflegt und wie die derzeitige Berufungskrise in manchen Orden zu lösen ist.

Der Papst sagte, für ein gutes geistliches Leben seien zwei Dinge notwendig: Dem Herrgott stets durch das Gebet zu begegnen, und den Menschen nahe zu sein.

Die niedrige Geburtenrate in Europa, die der bereits mehrfach kritisiert hat, nannte der Papst als Grund für den Mangel an Berufungen auf dem Kontinent. Das sogenannte demographische Problem sei, dass viele Menschen nicht mehr heirateten und keine Kinder mehr bekämen, so Franziskus.

"Wenn es keine jungen Frauen und Männer gibt, dann gibt es keine Berufungen", so Franziskus wörtlich.

Das Thema wird auch prägende Rolle in der kommende Synode über Jugend und Berufungen im Jahr 2018 spielen.

"Wir müssen kreativ sein", sagte Franziskus.

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Im Gespräch mit Jugendlichen - der dritten Begegnung des Tages - stellten zwei Mädchen und zwei Jungen Fragen. 

Missionsgeist in der heutigen Zeit

Die neuen Technologien erlaubten nicht nur, sich richtig zu informieren, sondern verliehen einem auch das Gefühl von Sättigung, dass einen davon abhalte, sich auf echte Beziehungen mit Menschen einzulassen, den Horizont zu öffnen, dern nowendig sei für das Missionieren. Wer diesen Horizont nicht für Gott öffne, könne kein guter Missionar werden, sagte der Papst. 

Abschliessend warnte der Pontifex die Jugendlichen davor, Menschen in Adjektive zu verwandeln. Allein Gott sei es, der urteilen könne, so Franziskus. 

Nach den beiden Treffen speiste der Papst zu Mittag mit Armen, Flüchtlingen und - per Videoschaltung - Häftlingen, besuchte kranke Kinder im renommierten Gianna Gaslini Krankenhaus.  Dessen Patienten hatte er telefonisch schon Anfang der Woche von seinem Besuch erzählt und versichert, dass Jesus in schwierigen Momenten immer bei uns ist.

Zum Abschluss seines Besuchs feierte Franziskus die heilige Messe am Kennedy-Platz. 

Rund 75.000 Gläubige nahmen an der Eucharistiefeier teil, zählten offizielle Stellen.

"Jesus ist wahrlich mit uns und für uns: im Himmel zeigt er dem Vater seine Menschlichkeit, unsere Menschlichkeit", sagte der Papst in seiner Predigt.

Die Stärke und Macht des Heilands, drücke sich darin aus, der als unser Fürsprecher eintrete, so Franziskus.  

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