Ermutigung und Einladung: Papst empfängt Delegation der Evangelischen Kirche (Video)

Papst Franziskus empfängt EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm am 6. Februar 2016
Foto: L'Osservatore Romano/CNA Deutsch
Previous Next
Facebook Twitter Google+ Pinterest Addthis

Anlässlich des Reformationsgedenkens hat Papst Franziskus am heutigen Montag im Vatikan den Vorsitzenden des Rats der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, empfangen.

Begleitet wurde die EKD-Delegation auch vom Münchner Erzbischof, Kardinal Reinhard Marx, dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz.

Papst Franziskus sagte zu Landesbischof Bedford-Strohm, er wünsche ihm, dass er "auf diesem segensreichen Weg des geschwisterlichen Miteinanders vorankommen und mutig und entschlossen auf eine immer vollkommenere Einheit hin fortschreiten. Wir haben die gleiche Taufe: Wir müssen zusammen gehen, ohne müde zu werden!"

Herzliche Begrüßung in deutscher Sprache (zum Inhalt der auf italienisch gehaltenen Ansprache des Papstes, siehe unten. Video: CTV/EWTN News)

Es sei bedeutsam, dass anlässlich des 500. Jahrestags der Reformation  evangelische und katholische Christen das gemeinsame Gedenken der geschichtsträchtigen Ereignisse der Vergangenheit zum Anlass nehmen, um Christus erneut ins Zentrum ihrer Beziehungen zu stellen, so Franziskus.

"Was die Reformatoren beseelte und beunruhigte, war im Grunde der Wunsch, den Weg zu Christus zu weisen. Das muss uns auch heute am Herzen liegen, nachdem wir dank Gottes Hilfe wieder einen gemeinsamen Weg eingeschlagen haben. Dieses Gedenkjahr bietet uns die Gelegenheit, einen weiteren Schritt vorwärts zu tun, indem wir nicht grollend auf die Vergangenheit schauen, sondern im Sinne Christi und in der Gemeinschaft mit ihm, um den Menschen unserer Zeit wieder die radikale Neuheit Jesu und die grenzenlose Barmherzigkeit Gottes vor Augen zu stellen: genau das, was die Reformatoren in ihrer Zeit anregen wollten."

Dass der Ruf der Reformatoren zur Erneuerung, so Franziskus weiter, "Entwicklungen auslöste, die zu Spaltungen unter den Christen führten, war wirklich tragisch".

Der Papst sagte, er sei dankbar, wenn nun der Blick "gemeinsam in Demut und mit Freimut (...) einen bedeutenden Akt der Buße und der Versöhnung zu vollziehen: einen ökumenischen Gottesdienst unter dem Leitwort 'Erinnerung heilen – Jesus Christus bezeugen'. Franziskus weiter wörtlich:

Dank der geistlichen Verbundenheit, die sich in diesen Jahrzehnten des ökumenischen Miteinanders gefestigt hat, können wir das beiderseitige Versagen an der Einheit im Kontext der Reformation und der nachfolgenden Entwicklungen heute gemeinsam beklagen. Zugleich wissen wir – in der Wirklichkeit der einen Taufe, die uns zu Brüdern und Schwestern macht, und im gemeinsamen Hören auf den Geist – in einer bereits versöhnten Verschiedenheit die geistlichen und theologischen Gaben zu schätzen, die wir von der Reformation empfangen haben.

In Lund habe er am vergangenen 31. Oktober dem Herrn dafür gedankt und für die Vergangenheit um Vergebung gebeten. Für die Zukunft bekräftige er "unsere unwiderrufliche Verpflichtung, gemeinsam das Evangelium zu bezeugen und auf dem Weg zur vollen Einheit voranzuschreiten", sagte der Papst laut Redemanuskript.

Wie Radio Vatikan meldet, habe der Papst den deutschen Ratsvorsitzenden als "Mann mit Feuer im Herzen" gewürdigt für sein Plädoyer einer Weiterentwicklung der Ökumene.

Eheleute verschiedener Konfessionen

Franziskus verwies in seiner Ansprache auch auf die "weiter bestehenden Differenzen in Fragen des Glaubens und der Ethik": Diese seien Herausforderungen "auf dem Weg zur sichtbaren Einheit, nach der sich unsere Gläubigen sehnen". Der Schmerz werde besonders von Eheleuten empfunden, die verschiedenen Konfessionen angehören, erklärte der Papst.

"Besonnen müssen wir uns mit inständigem Gebet und all unseren Kräften darum bemühen, die noch bestehenden Hindernisse zu überwinden durch eine Intensivierung des theologischen Dialogs und durch eine Stärkung der praktischen Zusammenarbeit unter uns,  vor allem im Dienst an denen, die am meisten leiden, und in der Fürsorge für die bedrohte Schöpfung."

Kardinal Reinhard Marx sagte, die Ansprache von Papst Franziskus an die Delegation der EKD sei ein gutes Signal gewesen.

"Ich bin dankbar für die ökumenischen Impulse von Papst Franziskus. Und ich bin ebenso dankbar, bei dieser Begegnung der Ökumene in Rom dabei sein zu dürfen", sagte Kardinal Marx. Es habe einen guten Dialog über aktuelle, gerade auch theologische Fragen, gegeben.

Gemeinsame Einladung nach Deutschland

Ebenfalls als "Ermutigung für die Ökumene" bezeichnete Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm das Engagement des Papstes. 

Bei einer Presse-Konferenz nach der Begegnung mit dem Papst sagte Landesbischof Bedford-Strohm: "Die Welt im Jahre 2017 braucht das gemeinsame Zeugnis der christlichen Kirchen".

Papst Franziskus habe ausdrücklich "die vielfältigen ökumenischen Aktivitäten der beiden krichen das Jahr 2017 als Chance auf dem Weg zur sichtbaren Einheit hervorgehoben", so Bedford- Strohm weiter.

Kardinal Marx und der Ratsvorsitzende Bedford-Strohm hätten ihren Besuch zudem genutzt, um eine gemeinsame Einladung des Papstes nach Deutschland auszusprechen.

Das könnte Sie auch interessieren: