Flucht und Migration als globale Herausforderung

Vereinte Nationen debattieren Umgang mit Massenmigration und Flüchtlingskrise - Heiliger Stuhl erinnert an Kindermigration, Verantwortung

Papst Franziskus besucht Migranten und Flüchtlinge in einer Unterkunft in Rom am 24. März 2016.
Foto: L'Osservatore Romano
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Was haben der Krieg in Syrien, die Christenverfolgung im Nahen Osten, die Wahlergebnisse in den USA, der "Brexit" sowie die Sorge um den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Europa gemeinsam?

Sie alle sind wesentlich geprägt vom weltweiten Phänomen der Flucht und Massenmigration.

Am gestrigen 18. Dezember fand zum 16. Mal der Internationale Tag der Migranten statt. Die Vereinten Nationen hatten ihn im Jahr 2000 ausgerufen — und seitdem wird, Jahr für Jahr, sein Anliegen aktueller, brisanter und drängender; auch wenn das Thema so alt wie die Menschheit ist. In Genf fand vor diesem Hintergrund bei den Vereinten Nationen in diesem Monat die 107. Tagung der IOM statt, der Internationalen Organisation für Migration.

Die IOM ist die weltweit führende zwischenstaatliche Organisation zur Sicherung geregelter Migration. Im Zuge der Versammlung wurde auch ihr 65-jähriges Bestehen mitgefeiert.

Vor allem Kinder betroffen

Vor 65 Jahren entstand die Internationale Organisation für Migration vor dem Hintergrund eines Konflikts: der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs.

In seinem Beitrag wies Erzbischof Ivan Jurkovic, ständiger Vertreter des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen in Genf darauf hin, dass Zuwanderung besonders Kinder betreffe: "Der Heilige Stuhl ist besonders aufgrund der Verletzbarkeit der Kinder unter den Migranten besorgt. Ihnen hat Papst Franziskus den Welttag für Migranten und Flüchtlinge 2017 gewidmet."

Die Zahl der Kinder, die unterwegs sind, steigt exponentiell. Weltweit sind 246 Millionen Kinder von Konflikten betroffen, viele davon wurden vertrieben, erlebten Rechtsverletzungen und haben kaum Zugang zur Grundversorgung mit Medikamenten und Nahrungsmitteln.

Oft werden sie Opfer perverser Machenschaften wie Kinderhandel, Ausbeutung und Missbrauch. Unabhängig davon, wo sie sich aufhalten oder woher sie kommen haben alle Kinder individuelle Bedürfnisse und Rechte, auch wenn sie Grenzen passieren. Angesichts ihrer Schutzlosigkeit haben Minderjährige andere Bedürfnisse als Erwachsene und alle politischen Strategien sollten der Berücksichtigung ihrer besonderen Interessen immer in allen Phasen den Vorzug geben.

"Der Heilige Stuhl möchte dieses Jahr die Aufmerksamkeit auf das Problem der Migration von Kindern lenken. Am 17. Januar 2017 begeht die katholische Kirche den Welttag der Migration der sich auf die Folgen der Migration von Kindern konzentriert. "

Während der 107. Sitzung bei der UN in Genf lobte Botschafter William Lacy Swing, Generaldirektor der internationalen Organisation für Migration (IOM) die langjährigen, guten Beziehungen seiner Organisation zum Heiligen Stuhl: "Ich danke dem Heiligen Vater besonders für sein persönliches Engagement in dieser Sache. Bei meiner ersten Audienz im Oktober 2014 hat er mir ganz deutlich erklärt, dass er sich damit beschäftigt und genau das auch von mir erwartet. Im Grunde hat er gesagt: Gehen Sie runter nach Lampedusa und kümmern Sie sich um die Migranten."

Zentrales Anliegen des Pontifikates von Papst Franziskus

Leider wird das Jahr 2016 als das Jahr in die Geschichte eingehen, in dem sehr viele Migranten und Flüchtlinge, mehr als 6.000 an der Zahl, auf der Suche nach einem besseren Leben ihr Leben verloren haben.

Papst Franziskus hat mit Worten und Taten wiederholt seine Sorge um die Migranten zum Ausdruck gebracht. Konkret hat er mit dem neuen Dikasterium für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen Verantwortung in Migrationsfragen demonstriert.

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Angesichts der hohen Sensibilität des Themas wäre sprachliche Klarheit wichtig und nützlich. Doch stattdessen ist die Begrifflichkeit komplex, der Diskurs undifferenziert und emotional aufgeladen. Der in der Praxis ohnehin nicht immer leicht zu ziehenden Trennung zwischen Einwanderer und Flüchtling steht die Herausforderung gegenüber, dass eine rechtliche Einordnung nach sauberen Kriterien notwendig wäre, um überhaupt menschlich wie politisch verantwortlich zu agieren.

Botschafter Ma Zhaoxu, Ständiger Vertreter Chinas bei den Vereinten Nationen in Genf, sagte: "Wir müssen nationale Migrationsverfahren und -richtlinien respektieren, ein Verfahren nach 'Schema F' vermeiden. Und wir müssen zwischen den Begriffen 'Zuwanderer' und 'Flüchtling' unterscheiden."

Um den allgemeinen Bedürfnissen von Migranten und Flüchtlingen Rechnung zu tragen wurde die historische New Yorker Erklärung am 19. September dieses Jahres von den Vereinten Nationen unterzeichnet. Am selben Tag trat auch die IOM offiziell er UNO bei.

Integration, Sprachkenntnisse, Arbeit

Während der 10. Sitzung in Genf schlug Deutschland vor, Migranten und Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren, was sowohl für sie selbst, als auch für ihre Gastgeber - und Herkunftsländer von Nutzen wäre: "So leiden zum Beispiel viele Industrieländer, Deutschland eingeschlossen, in vielen Berufszweigen unter einem ernsthaften Fachkräftemangel. Bestimmte Fachbereiche des Arbeitsmarktes unter voller Berücksichtigung des Arbeitsrechts und der nationalen Arbeitsstandards zu öffnen, könnte eine Aussicht auf Arbeit für diejenigen darstellen, die die nationalen Voraussetzungen erfüllen- übrigens einschließlich ausreichender Sprachkenntnisse", sagte Botschafter Hans-Joachim Daerr, einstweiliger ständiger Vertreter Deutschlands bei den Vereinten Nationen in Genf.

Botschafterin Marie-Therese Pictet-Althann, ständige Vertreterin des Malteserordens bei den Vereinten Nationen in Genf wies auf das Engagement in Sachen Flüchtlinge und Zuwanderer hin: "Als Reaktion auf die hohen Zahlen von Migranten und Flüchtlingen, die in Europa ankommen, hat der Malteserorden Programme in Deutschland, Ungarn, Österreich, Bulgarien und der Slowakei ins Leben gerufen, die materielle Hilfe leisten, Obdach, Beistand in medizinischen, rechtlichen und verwaltungstechnischen Fragen gewähren und vor Ort bei der Integration behilflich sind."

"Das Wichtigste ist, davon ist der Papst überzeugt, dass Migration als gesellschaftliches Phänomen betrachtet werden sollte, nicht nur als die Folge einer gesellschaftlichen Krise", betonte Erzbischof Ivan Jurkovic.

Dieser Bericht wurde von unserem U.N.-Korrespondenten Christian Peschken, Pax Press Agency in Genf, verfasst. Der Bericht wird auch bei EWTN – Katholisches Fernsehen zu sehen sein im Rahmen des Magazins 'Vatikano'. Weitere Informationen zu Pax Press Agency unterwww.paxpressagency.com

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