Ursachenbekämpfung, Schutz und Hilfe: Würde und Rechte minderjähriger Migranten

Treffen katholischer Organisationen an der UN thematisiert aktuelle Krise und Lösungen für betroffene Kinder und Jugendliche

Die UN-Veranstaltung
Foto: (C) Pax Press Agency, SARL, Geneva
Previous Next
Facebook Twitter Google+ Pinterest Addthis

Der ehrenamtliche UNICEF-Botschafter, Schauspieler und Oscarpreisträger Liam Neeson besuchte Kinder im Za'atari Flüchtlingslager in Jordanien und zeigte sich stark beeindruckt. "Ich bewundere wirklich die Kraft und die Begeisterung, besonders der jungen Mädchen. Sie wollen Ärzte, Rechtsanwälte, Polizeibeamte und Ingenieure werden, sodass sie ihr Land, Syrien, wiederaufbauen können, wenn sie dorthin zurückkehren. Es ist begeisternd zu sehen, wie sie durch Weiterbildung befähigt werden. Ich werde sie nie vergessen", so der Hollywood-Star.

Aber was ist mit den Kindern und Jugendlichen, die etwa nach Europa kommen? Sie stellen einen bedeutenden Anteil der aktuellen Völkerwanderungen.

Schätzungen zufolge ist rund die Hälfte der Millionen Migranten und Flüchtlinge, die weltweit unterwegs ist, noch keine 18 Jahre alt.

Nicht alle Heranwachsenden werden von älteren Familienmitgliedern begleitet oder sind gemeinsam mit ihren Eltern unterwegs – mit entsprechenden Konsequenzen: Sie sind einem hohen Risiko ausgesetzt, den vielen Kriminellen in die Hände zu fallen, die von der Massenmigration profitieren: Menschenhändler, Erpresser, Sexualstraftäter oder andere skrupellose Personen.

Gleichzeitig kommt immer wieder vor, dass bereits volljährige Zuwanderer sich als Kinder ausgeben, um deren Rechte und Leistungen für sich in Anspruch zu nehmen.

Am 15. März organisierte bei den Vereinten Nationen in Genf die Botschaft des Heiligen Stuhls zusammen mit der Internationalen Katholischen Migrationskommission (ICMC) und Caritas International eine Nebenveranstaltung unter dem Titel: "Unbegleitete Flüchtlingskinder: Die Wahrung ihrer Würde und Rechte."

Beteiligt waren an der Veranstaltung die ständigen Vertretungen Kanadas, Kolumbiens, El Salvadors, Guatemalas, Honduras', Mexicos und der Philippinen, die Delegationen der Afrikanischen Union, Europäischen Union und des Souveränen Malteserordens, sowie die "Associazione Communità Papst Johannes XXIII", die Stiftung "Caritas in Veritate", das internationale Institut Maria Hilfe der Christen der Salesianer Don Boscos (IIMA) und das "Volontariato Internazionale Donna Educazione Sviluppo" (VIDES).

Ziel der Tagung war es,

  1. Daten und Ursachen der offenbar wachsenden Zahl unbegleiteter Migranten zu untersuchen, die noch nicht volljährig sind.
  2. Die Auswirkungen und Gefahren (Gefährdungen) zu analysieren.
  3. Die Kluft zwischen Theorie und Praxis des Schutzes unbegleiteter minderjähriger Migranten aufzuzeigen mit Blick auf die Wahrung und Förderung ihrer Rechte.
  4. Gut bewährte Modelle zur Wahrung der Würde und Rechte dieser Heranwachsenden vorzustellen, besonders solche, die durch religiöse Organisationen bereitgestellt werden.
  5. Empfehlungen an Staaten und Nichtregierungsorganisationen auszusprechen, wie die Rechte und Würde bestmöglich sichergestellt werden können.

Der Heilige Stuhl und andere katholische Organisationen dienen auf weltweiter, nationaler oder auch lokaler Ebene "an der Front von Konflikten und der akuten Flüchtlingskrise", sind "starke Anwälte der Menschenwürde und für die Ermächtigung gefährdeter Menschen an den Rändern unserer Gesellschaft" und "haben oft eine Schlüsselrolle, wenn es darum geht, konfliktlösende Maßnahmen einzuleiten und Frieden zu festigen", wurde betont.

"Es handelt sich hier um die wohl schlimmste Auswirkung von Migration", sagte Erzbischof Ivan Jurkovic, Ständiger Beobachter des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen in Genf im EWTN-Interview. "Dies sind Kinder, sie sind in der Fremde, und sie erhalten keinerlei Schutz.  Das ist das furchtbarste, was einem Menschen widerfahren kann."

Taten statt Worte forderte Monsignore Robert J. Vitillo, Generalsekretär der Internationalen Katholischen Migrationskommission (ICMC). Er monierte, dass zu viel geredet werde, Ankündigungen gemacht würden. Was aber stattdessen notwendig sei, wäre wirklich etwas dagegen zu tun. "Und ich glaube, genau das hat auch Papst Franziskus uns zu tun aufgetragen, als er im Januar den Welttag der katholischen Kirche für Migranten und Flüchtlinge in diesem Jahr der Thematik der Kindermigranten und -flüchtlinge widmete, besonders der unbegleiteten. Und ich denke, er möchte auch nicht, dass wir nur einen Tag lang an ihre Probleme denken. Er möchte, dass wir das ganze Jahr über entsprechend handeln, und wir schließlich Kinder wieder Kinder sein und sich sicher fühlen lassen können."

Die UN-Kinderrechtskonvention (CRC) ist seit 1990 in Kraft. Sie sieht unter anderem vor, dass Staaten asylsuchenden Kindern und Jugendlichen besonderen Schutz und Sorge gewähren, Inhaftierung vermeiden und den Zugang zu rechtlicher und psychologischer Hilfe ermöglichen müssen.

"Wissen Sie, es ist schwer, angesichts eines immer größer werdenden Problems Fortschritte zu sehen. Aber wenn das Problem zunimmt, muss man eben mehr tun. So ist nun mal das Leben: Wenn die Gefahr zunimmt, muss man mehr tun, um ihr vorzubeugen oder sie zu stoppen", betonte Professor Michel Veuthey, Vertreter des ständigen Repräsentanten des souveränen Malteserordens bei den Vereinten Nationen in Genf.

Pater Michael Czerny, SJ, Untersekretär des neuen vatikanischen Dikasteriums für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen, sagte, seiner Meinung nach habe menschliche Sicherheit "immer Vorrang" vor nationaler Sicherheit. Der Jesuit wörtlich: "Natürlich muss ein Staat seine Sicherheit wahren, aber das kann er nicht, indem er die Würde von Menschen opfert, besonders junger Menschen, die schutzlos und unbegleitet sind."

Trotz allem optimistisch

Mit Blick auf die aktuelle Lage in Politik und Gesellschaft sagte Botschafter William Lacy Swing, Generaldirektor der Internationalen Organisation für Migration (IOM): "Die Stimmung ist nicht besonders günstig. Wir erleben das Aufkommen von Populismus, wir haben in der Politik ein explizites Anti-Migrations-Klima. Das hilft uns nicht gerade weiter. Aber wir haben auch die beste Chance seit vielen Jahren, Aufmerksamkeit auf unnötiges Leiden zu lenken, besonders von Kindern. Deshalb bin ich optimistisch."

Dieser Bericht wurde von unserem Genfer UN Korrespondenten Christian Peschken von Pax Press Agency, Genf, verfasst. Der Bericht ist auch im Rahmen der EWTN Sendung 'Vaticano' zu sehen. Mehr zu Pax Press Agency unter www.paxpressagency.com