Verlorene Sprache in einer der ältesten Bibliotheken der Welt entdeckt

Das heute griechisch-orthodoxe Katharinenkloster auf dem Sinai im Jahr 2010.
Foto: WIkimedia / Berthold Werner (CC BY-SA 1.0)
Facebook Twitter Google+ Pinterest Addthis

Ein sensationeller Fund im ältesten immer noch bewohnten Kloster des Christentums: Im Katharinenkloster auf der Halbinsel Sinai wurde eine seit Jahrhunderten verlorene Sprache wiederentdeckt.

Es sind zahlreiche Schätze der Klosterbibliothek, die seit Jahrhunderten buchstäblich unsichtbar waren, und nun von Forschern entziffert werden: Texte, die unter anderen Texten verborgen sind. Dabei machen die Wissenschaftler eine Reihe von Entdeckungen, darunter Spuren mindestens einer verlorenen Sprache, schreibt Richard Gray in "The Atlantic".

Mit der Eroberung durch den Islam im 7. Jahrhundert verschwanden die meisten christlichen Klöster auf der Halbinsel Sinai, so Gray. Das Katharinenkloster, das einer Legende nach an dem Ort steht, an dem Gott zu Moses durch deinen Dornbusch sprach (Ex 3:2), war plötzlich isoliert und die Mönche gezwungen, ihr kostbares Schreibmaterial mehrfach wiederzuverwenden. 

Aus diesem Grund wurden beschrieben Manuskripte neu überschrieben, zum Teil mehrfach. So entstanden die Palimpseste, wie solche Dokumente genannt werden, und von denen sich heute 130 Exemplare in der Klosterbibliothek befinden, berichtet die "Early Manuscript Electronic Library".

Dank einer neuen Technologie können heute - einer Zeit, in der das Kloster erneut in großer Gefahr ist - die Schichten nach und nach geborgen und digitalisiert werden. 

Seit 2011 haben Forscher 74 Exemplare mit insgesamt 6800 Seiten mehrfach unter speziellen Lichtverhältnissen photographiert, anhand derer leichte Abdrücke und Beulen auf der Oberfläche verzeichnet werden können.

Die Daten werden mithilfe eines Computer-Algorithmus ausgewertet, der die verschiedenen Ebenen der Palimpseste erkennen und auswerten kann. 

So kommen Texte zu Tage, die zum Teil seit 1500 Jahren nicht mehr gelesen werden konnten, so Brigit Katz im "Smithsonian"

Darunter befinden sich Gedichte in griechischer Sprache und ein Rezept, dass dem Hippokrates zugeschrieben wird.

Zwei der überschriebenen Texte jedoch sind in Alwanisch geschrieben. Diese, auch als "kaukasisches Albanisch" bekannte, Sprache ist heute vor allem aus einigen Stein-Inschriften bekannt. Dank der Palimpseste können nun weitere Worte der sonst verlorenen Sprache erlernt werden, berichtet Gray im "Atla

"Das Zeitalter der Entdeckungen ist nicht vorbei", sagte Michael Phelps von der "Early Manuscript Electronic Library" gegenüber der "Times". 

"Im 20 Jahrhundert wurden neue Manuskripte in Höhlen entdeckt. Im 21. Jahrhundert werden wir neue Techniken an Manuskripten anwenden, die wir die ganze Zeit vorliegen hatten. Wir werden verlorene Stimmen unserer Geschichte bergen."

Wer will, kann selber einen Blick auf die Palimpseste werfen. 

Das könnte Sie auch interessieren:

;