Vor Hiroschima-Besuch Obamas: UN-Diskussion über eine Welt ohne Atomwaffen

Das Friedensdenkmal in Hiroshima, die Atombombenkuppel
Foto: Oilstreet via Wikipedia (CC BY 2.5)
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Setsuko Thurlow war 13 Jahre alt, als am 6. August 1945, morgens um 8:15 Uhr, die Katastrophe geschah: Ein bläulich-weißer Blitz riss 166.000 Menschen in den Tod, zerstörte mit einem Schlag 70 Prozent der Stadt Hiroschima.

Auch mit heute 83 Jahren erinnert sich die zum Christentum bekehrte Überlebende des Atombomben-Angriffs: "An das Gefühl, nach oben in die Luft gerissen zu werden. Daran kann ich mich auch heute immer noch erinnern."

Am 27. Mai soll US-Präsident Barack Obama die Stadt besuchen; es wird das erste Mal sein, dass ein amerikanisches Staatsoberhaupt einen solchen Schritt macht. 

Die Folgen eines Atomwaffeneinsatzes waren nun Thema einer Podiumsdiskussion bei den Vereinten Nationen in Genf.

Bereits im September vergangenen Jahres sagte Papst Franziskus in seiner Rede vor den Vereinten Nationen in New York, dass es dringend nötig sei an einer Welt ohne Atomwaffen zu arbeiten,  "ganz dem Sinn und Wortlaut des Vertrages zur Nichtverbreitung von Atomwaffen verpflichtet - um ein vollständiges Verbot dieser Waffen zu erreichen."

Die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN Deutschland), zusammen mit dem Institute for Disarmament Diplomacy, IPPNW, Peace Boat und Hibakusha Stories, brachte in der Gesprächsrunde nun diese Herausforderung zur Sprache vor dem Hintergrund der konkreten Folgen eines Atomwaffen-Einsatzes.

Die Hiroschima-Überlebende Setsuko Thurlow sieht ihre Lebensaufgabe darin, mit Atomwaffengegnern wie ICAN zu arbeiten und ihre Erfahrung zu teilen. Sie ist Christin geworden und lebt heute in Kanada.   Vom Papst war sie stark beeindruckt: "Als der Papst New York besuchte, hat er viele wunderbare Dinge gesagt. Er hat die Menschen in ihrem Versuch, sich von Atomwaffen zu befreien, wirklich unterstützt. Das war unglaublich."

Akira Kawasaki, Vorstandsmitglied von 'Peaceboat': "Welches Leid verursacht würde, wie internationales Menschenrecht neue Waffen reglementieren kann - das sind die Fragen, die heute im Raum stehen. Bürgerinitiativen und auch religiöse Gruppen spielen eine sehr wichtige Rolle."

Die Diskussionsteilnehmer berichteten über ihre Schwierigkeiten, die Botschaft Atomwaffenbefürwortern verständlich zu machen: "Diesen Gesprächen fehlt es an der Veranschaulichung von Tod und Verderben. Und ich denke auch, dass der Friede fehlt ...und das lässt diese Menschen weiterhin die Existenz solcher Waffen verteidigen. Sie verstehen einfach nicht, was passieren würde." sagte Dr. Ira Helfand, USA, Arzt und Vizepräsident der "Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges."

Atomwaffengegner sagen, es gebe keine Notwendigkeit, welche die Existenz dieser Waffen rechtfertige, geschweige denn ihren Gebrauch.

Laut dem Botschafter Thomas Hajnoczi, Ständiger Vertreter von Österreich bei den Vereinten Nationen, Genf haben 126 Länder sich für ein Verbot von Atomwaffen ausgesprochen - das sind zwei Drittel aller UN-Mitgliedsstaaten - das ist ein enormer Erfolg und Rückhalt."

Kiflemariam Gebrewold, Abrüstungs-Experte und Projekt-Leiter der Evangelischen Landeskirche in Baden, wies darauf hin, dass die Länder, die Geld in Waffen stecken, letztendlich nicht genug haben, um in die Entwicklung zu investieren. Und ohne Entwicklung gebe es keine Menschlichkeit.

Erst kürzlich hatten ICAN Deutschland und die deutsche Sektion der IPPNW Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier aufgefordert, die katastrophalen humanitären Folgen der Atomwaffen beim Namen zu nennen und das Bekenntnis von 127 Staaten zu einer atomwaffenfreien Welt zu unterzeichnen.  Die Erklärung der Außenminister beim G7-Außenministertreffen in Hiroschima bleibe weit hinter den Erwartungen zurück, wenn es um die humanitären Folgen der Nutzung von Atomwaffen gehe.

Die "humanitäre Initiative", einschließlich dreier Staatenkonferenzen sowie einer Reihe von Erklärungen und Resolutionen zu den Folgen von Atomwaffen, die eine Mehrheit der Staaten befürworten, wurden in der Erklärung mit keinem Wort erwähnt.

Auch bleiben in der Erklärung die wichtigen Beratungen der UN-Arbeitsgruppe (OEWG) ausgespart, die im Mai 2016 erneut in Genf tagt, um über juristische Maßnahmen für die nukleare Abrüstung zu beraten. Die Atomwaffenstaaten boykottieren diese Gespräche, weil sie mit den atomwaffenfreien Staaten nicht über konkrete juristische Schritte reden wollen.

Kritiker weisen darauf hin, dass der deutsche Außenminister Steinmeier eine Erklärung unterschrieben hat, die die bereits bestehenden Fortschritte der atomwaffenfreien Staaten für eine Ächtung der Atomwaffen vollkommen ausklammert.

Nach Papst Franziskus ist jeder von uns für das Wohlergehen unserer Brüder und Schwestern verantwortlich - er habe die Hoffnung, dass eine Welt ohne Atomwaffen wirklich möglich sei, sagte er.

Die Hiroschima–Überlebende Setsuko Thurlow hofft auf den Papst als Verbündeten:

"Wir hoffen, dass der Papst und der Vatikan als Ganzes an unserer Seite ist und mit uns für die Abschaffung atomarer Waffen kämpft."

Dieser Bericht wurde von unserem Genfer Korrespondenten Christian Peschken, Pax Press Agency, verfasst.  Der Bericht wird auch bei EWTN – Katholisches Fernsehen zu sehen sein im Rahmen des Magazins 'Vatikano'. Weitere Informationen zu Pax Press Agency, Genf unter www.paxpressagency.com 

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