Warum die Frage, ob Diplomaten Religionsfreiheit genießen, gestellt werden muß

In Stein gemeißelte Diplomatie: Der Ägyptisch-Hethitische Friedensvertrag im Karnaktempel.
Foto: Gudrun Meyer, Wikimedia (CC BY-SA 3.0)
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Die Förderung religiöser Bildung und Erziehung zur Religionsfreiheit ist in der internationalen Diplomatie zunehmend erforderlich: Das erklärte eine Veranstaltung zu Religionsfreiheit und internationaler Diplomatie am 23. September in Genf.

Die Diskussionsrunde "Religion und Religionsfreiheit in der internationalen Diplomatie" wurde im Rahmen der 33. Sitzung des UN Menschenrechtsrates vom UN Sonderberichterstatter für Religions- und Glaubensfreiheit, der Delegation der Europäischen Union bei den Vereinten Nationen in Genf und dem Weltrat der Kirchen (WCC) veranstaltet.

Botschafter Peter Sörensen,  Vorsitzender der EU Delegation bei den Vereinten Nationen sagte in seiner Eröffnungsrede: "Als allgemein anerkanntes Recht hat die Religions- und Glaubensfreiheit in unserer EU Menschenrechtspolitik hohe Priorität.  Wir verteidigen und fördern das Prinzip, dass die Religions- und Glaubensfreiheit ein Grundrecht ist, das jedermann eingeräumt werden muss – überall."

Die Teilnehmer unterstrichen auch, Religionsfreiheit sei Teil der Vereinten Nationen.

"Selbstverständlich sind die Vereinten Nationen als Institution offen für Religionen, beschäftigen sich regelmäßig mit Fragen zur Religionsfreiheit, und haben  auch das Mandat eingeführt, das ich gegenwärtig innehabe. Meine Antwort ist also: Ja,  ohne leugnen zu wollen, dass es auch Probleme gibt –  aber gehen wir doch von der Prämisse "Ja, Religionsfreiheit gehört zu den Vereinten Nationen aus,"  sagt Professor Heiner Bielefeld, UN Sonderberichterstatter für Religions- und Glaubensfreiheit.

Auch Peter Prove, Leiter des Ausschusses für Kirchen in internationalen Beziehungen, Weltrat der Kirchen,  kann dies bestätigen: "Es wird zunehmend anerkannt – selbst von einzelnen Mitgliedern innerhalb des UN-Systems, die unsere religiöse Identität und unseren Glauben nicht teilen. Man nimmt die wichtige und wertvolle Funktion der Religion in vielen  Bereichen der Arbeit der UN wahr."

Säkularismus wird als Bedrohung für Religion und Religionsfreiheit angesehen. Der Diskussionsteilnehmer Lord Indarjit Singh, Mitglied des britischen House of Lords und Journalist mahnt jedoch, der Begriff werde oft missverstanden.

"Säkularismus soll betonen, dass keine Religion einen Staat dominieren sollte, denn das ist falsch. Das ist wahrer Säkularismus."

Baronin Elizabeth Berridge, Vorsitzende des internationalen Ausschusses für Parlamentarier für Religions- und Glaubensfreiheit, Mitglied des britischen House of Lords fühlt sich ermutigt, dass Parlamentarier-Kollegen, die katholisch sind, die gläubig sind, ihre Stimme erheben.

"Viele Kollegen haben Gedanken aus Dignitatis Humanitae angenommen, wo es um Religions- und Glaubensfreiheit geht, mit wirklich bahnbrechenden theologische Aussagen. Kollegen wie zum Beispiel Lord Alton aus Großbritannien setzen sich wirklich ein."

Zu den frühesten diplomatischen Aufzeichnungen der Geschichte gehören die Fragmente ägyptischer Steintafeln aus der Zeit von 1269 vor Christus. Ein ägyptisch-hethitischer (kanaanäischer) Friedensvertrag zwischen Ramses II und Hattusilis III.

Für den Heiligen Stuhl nahm Monsignore Richard Ghyra, Mitglied des Vatikanischen Diplomatischen Corps bei den Vereinten Nationen in Genf an der Veranstaltung teil. Er ist leitender Botschaftssekretär der Gesandtschaft des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen in Genf. Ihm zufolge stellt religiöser Extremismus eine der größten Gefahren für Religionsfreiheit dar.

"Das hat nichts mit Religion zu tun. Gewalt und Religion, Gewalt im Namen Gottes ist blasphemisch. Andererseits ist ein reiner Säkularismus, der jegliche Religion beseitigt, genauso falsch. Denn für die  meisten von uns gehört sie zu unserer Identität als Menschen – selbst wenn jemand nicht glaubt, gehört es zu seiner Identität, ungläubig zu sein. Aber für die meisten von uns ist unsere Religion ein Teil dessen, wer wir sind."

Die Kommission Kirchen in internationalen Beziehungen (CCIA) des Weltrats der Kirchen erklärte, der WWC habe Religion nie als nur für den privaten  Bereich bestimmt gesehen, sondern vielmehr als Orientierungspunkt und Basis für öffentliches Eintreten für Gerechtigkeit, Frieden, Menschenwürde und die Bewahrung der Schöpfung. Religionsfreiheit zu respektieren sei eine wichtige Grundvoraussetzung für den demokratischen und friedlichen Fortschritt der menschlichen Gesellschaft. "

Anlass zur Sorge gibt dem WWC die zunehmend schwierige Situation religiöser Minderheiten in vielen Teilen der Welt – besonders im Mittleren Osten. Religiöse Vielfalt und religiöse Minderheiten sind für eine gesunde und tragfähige Gesellschaft äußerst wichtig. Anliegen ist es, die Situation religiöser Minderheiten in Anerkennung der gleichen Rechte aller ins Zentrum internationaler Angelegenheiten zu rücken."

Mit einer religiösen Botschaft in diplomatischer Verpackung bestätigte Papst Franziskus im vergangenen Januar gegenüber dem diplomatischen Korps in Rom, der Heilige Stuhl werde auf diplomatischer Ebene niemals aufhören, alles zu tun, um die Botschaft des Friedens bis an die Enden der Erde zu tragen.

Aufgrund seines enormen diplomatischen Einflusses reiht das "USC Center of Public Diplomacy" Papst Franziskus in die weltweiten Top 10 der  Staatsdiplomaten ein.

 Dieser Bericht wurde vom U.N.-Korrespondenten Christian Peschken, Pax Press Agency in Genf, verfasst. Der Bericht wird auch bei EWTN – Katholisches Fernsehen zu sehen sein im Rahmen des Magazins 'Vatikano'. Weitere Informationen zu Pax Press Agency unter www.paxpressagency.com