Was wir vom "Löwen von Münster" heute lernen können

Der selige Clemens August Graf von Galen.
Foto: Bistum Münster/Domkapitular Gustav Albers (CC BY 2.5)
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Als der Priester Clemens August von Galen im Oktober 1933 zum Bischof von Münster geweiht wurde, wählte er für sich das Motto Nec laudibus, nec timore: Nicht Menschenlob, nicht Menschenfurcht soll uns bewegen - eine treffliche Zusammenfassung seines Wirkens während der Nazi-Herrschaft in Deutschland.

Der Wappenspruch stammt aus der Liturgie der Bischofsweihe. Darin wird gebetet, dass der neue Bischof die Demut und die Wahrheit lieben möge, und weder durch Lob noch Furcht davon abgebracht werden soll.

Während seiner gesamten Zeit als Bischof griff der aus altem Adel stammende Oberhirte die Rassentheorien und Euthanasie-Programme der Nazis an, verteidigte die Menschenrechte und die Gerechtigkeit. Die Enzyklika Mit brennender Sorge, die Papst Pius XI. im Jahr 1937 gegen die Nazis vorlegte, half er schreiben.

Darin mahnt der Papst:

Wer den Staat, seine Regierung, ja, sogar sonst gute Werte "zur höchsten Norm aller, auch der religiösen Werte macht und sie mit Götzenkult vergöttert, der verkehrt und fälscht die gottgeschaffene und gottbefohlene Ordnung der Dinge. Ein solcher ist weit von wahrem Gottesglauben und einer solchem Glauben entsprechenden Lebensauffassung entfernt".

Im Februar 1946 - einen Monat vor seinem Tod am 22. März - wurde Bischof von Galen zum Kardinal ernannt. 

Das Motto dieses Seligen "wäre ein großartiges Motto für einen Bischof" heute, sagte der Oratorianer-Pater Daniel Utrecht aus Toronto (Kanada) gegenüber CNA.

Pater Utrecht ist Autor des Buches "The Lion of Münster: The Bishop Who Roared Against The Nazis" (zu Deutsch: Der Löwe von Münster: Der Bischof der gegen die Nazis brüllte). 

Pater Utrecht schrieb das Werk, weil er im Seligen einen vorbildlichen Bischof erkannte. 

"Solche Bischöfe brauchen wir"

"Beim Weltjugendtag 2005 erzählte ich ein paar Leuten von ihm und die sagten: 'Solche Bischöfe brauchen wir, warum haben wir noch nie etwas von dem gehört? Jemand sollte ein Buch über den schreiben", erzählte er.

Bei seinen Recherchen habe er auch ein zweibändiges Werk in deutscher Sprache gelesen, in dem die Dokumente, Briefe und Predigten von Galens als Bischof enthalten waren. "Das wurde immer faszinierender, was ich da zu lesen bekam, und in englischer Sprache gab es fast nichts über ihn.  So kam ich zu dem Schluss, eine Biographie auf Englisch zu verfassen".

Der selige Kardinal von Galen stammt aus westfälischem Uradel. Clemens wurde 1878 geboren und war eines von 13 Kindern von Ferdinand Heribert Graf von Galen und seiner Frau Elisabeth, geborene Gräfin von Spee. Im Jahre 1904 wurde er in der Diözese Münster zum Priester geweiht. 

In der Endzeit der Weimarer Republik unterstützte der Priester die Zentrumspartei, für die sein Vater ein Abgeordneter war. Die Zentrumspartei kämpfte dafür, katholischen Interessen und Menschenrechten eine Stimme in der Öffentlichkeit zu geben und ging mit anderen Parteien Koalitionen zum Zweck der Balancierung der Macht im Staat.

Doch als junger Priester gelang es von Galen nicht, alle seine Bekannten davon zu überzeugen, dass die Zentrumspartei die richtige wäre: So mancher Katholik versprach sich von der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) eine bessere Durchsetzung katholischer Ideale. 

Viele deutsche Bischöfe hatten ihren Gläubigen zwar verboten, Mitglider der Nazi-Bewegung zu werden. Doch als Adolf Hitler seine anti-religiöse Haltung abgeschwächt hatte und im Jahr 1933 verkündet hatte, dass das Christentum eine prominente Rolle spielen werde, glaubten ihm dies die Bischöfe und ließen die Mitgliedschaft in der Partei zu. 

Protest gegen Ideologisierung an Schulen

Als im gleichen Jahr jedoch der Selige von Galen zum Bischof gemacht wurde, blieb er bei seiner Anti-Nazi-Überzeugung. Noch vor seiner Amtseinführung protestierte er erfolgreich gegen den Münsteraner Stadtschulrat und dessen Versuche, die Klassenzimmer zu ideologisieren - auch an katholischen Schulen.   

Die Ermordung von über 70.000 Menschen durch das Euthanasie-Programm der Nazis, dem behinderte, geisteskranke, senile oder anderweitig kranke Menschen zum Opfer fielen, griff der Bischof von Münster immer wieder scharf an. Öffentlich trat der Selige für dieses sogenannte "unwerte Leben" ein und machte auf diese unmenschlichen Greueltaten aufmerkam.

In drei Predigten im Jahr 1941 verurteilte er auch die Attacken der Nazis auf die Kirche. Diese Predigten brachten ihm den Ruf des "Löwen von Münster" ein - und den Nazi-Funktionär Walter Tießler dazu vorzuschlagen, den Bischof zu erhängen.

Während des gesamten Zweiten Weltkriegs sprach Bischof von Galen gegen die Greueltaten der Nazis auf, wie auch die der Besatzer nach dem Ende des Krieges.

Parallelen mit der heutigen Zeit 

Für Pater Utrecht ist der "Löwe von Münster" auch aktuell wieder Vorbild. "Ich sehe jede Menge Parallelen mit der heutigen Zeit", so der kanadische Oratorianer gegenüber CNA. "Ich hoffe, die Leser verstehen das von sich aus". Das Beispiel von Galens, "seines Mutes und der Fähigkeit, für die Verteidigung des menschlichen Lebens einzustehen, ist besonders interessant heute, im Kampf gegen Abtreibung und Euthanasie... für die Verteidigung der Freiheit, der Religionsfreiheit, der Verteidigung des Raums für Religion in der Öffentlichkeit. Das ist eine sehr, sehr große Lehre, die er für uns darstellt".

Neben der Unterstützung mutiger katholischer Stimmen für den Wert menschlichen Lebens im Angesicht von Abtreibung, Euthanasie, Sterbehilfe, und der Diktatur des Relativismus, habe der selige Kardinal auch eine Botschaft für Katholiken in politischen Diktaturen.

Auf einer Deutschlandreise habe er kürzlich einen Priester aus Afrika kennen gelernt, der "sehr darauf bedacht ist, von Galen den Afrikanern vorzustellen, denn, wie er sagte, 'Wir haben vielerorts totalitäre Regimes und nicht genug Bischöfe, die dagegen aufsprechen' - er dachte deshalb, dass das eine großartige Parallele sei", so Pater Utrecht gegenüber CNA. 

Seit der Seligsprechung von Galens vor zwölf Jahren gehe es darum, die Andacht des großen Bischofs zu pflegen und fördern.

"Es gibt viele Menschen, die von ihm wissen und seiner gedenken, aber es bedarf eines neuen Rucks, und so hoffe ich, dass wir diesen schaffen".

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