Wenn das Kreuz verschwindet: Indiens problematischer Umgang mit seinen Christen

Besonders Frauen und Angehörige der "niederen" Kasten sind betroffen - nicht selten werden sie gezwungen, sich wieder zum Hinduismus "zurückzubekehren".
Foto: Shutterstock/Amanda Winter
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Das 122 Jahre alte Kreuz stand auf einem Privatgrundstück - dennoch wurde es Ende März auf Anweisung der Behörden in Mumbai abgerissen. 

Der Fall ist symptomatisch für die Frage nach dem Umgang Indiens mit der Religionsfreiheit - und vor allem der christlichen Minderheit.

"Es ist ein grober Missbrauch der Autoritäten und die Erzdiözese wird, zusammen mit verschiedenen weiteren Gruppen, dagegen gerichtlich vorgehen", erklärte Pater Nigel Barrett, Sprecher der Erzdiözese Mumbai, gegenüber "Matters India".

Begründet wurde die Kreuz-Entfernung mit einer Direktive aus dem Jahr 2016 eines Gerichts in Allahabad, derzufolge alle religiösen Strukturen entfernt werden müssen, die den Verkehr auf öffentlichen Straßen behindern können. 

Christliches Forum fordert mehr Schutz für Christen

Tatsächlich geht es um viel mehr als die öffentliche Sichtbarkeit eines Kreuzes: Die Sicherheit von christlichen Kultstätten und Personen in Indien steht grundsätzlich auf dem Spiel, warnt der Bericht "Minderheiten am Rande: Religionsfreiheit und christliche Gemeinden in Indien", den das Christliche Forum, ein Netzwerk verschiedener Organisationen der Zivilgesellschaften und Orden beim Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen vorgelegt hat.

Zum Netzwerk gehören unter anderem die Franziskaner International, der Orden vom heiligen Joseph, Pax Romana, die Gesellschaft für katholische Missionsmedizin und andere.

Der Veröffentlichung des Berichts gingen zahlreiche Beratungen in verschiedenen Teilen des Landes voraus. An der Redaktion waren der katholische Priester und Menchenrechtsaktivist Ajaya Kumar Singh aus Orissa und der katholische Journalist John Dayal beteiligt.

"Die indische Regierung muss den Schutz kirchlicher Gemeinden und Einrichtungen von Übergriffen garantieren und eventuelle Angreifer strafrechtlich verfolgen", heißt es in dem Bericht, der auch eine "strenge Strafe" für Hassreden und Aufrufe zur Gewalt gegen Christen fordert, berichtet "Fides".

Statistische Daten zeigten, so der Bericht, dass es in jüngster Vergangenheit im Vergleich zu der Volkszählung 2001 keinen bedeutenden Anstieg beim Anteil der Christen unter der Bevölkerung gegeben habe, wie manche behaupten.

Frauen besonders gefährdet

Die Christen in Indien gehören verschiedenen christlichen Konfessionen an. Viele Mitglieder eingeborener Stämme ("Adivasi"), die ursprünglich einer Stammesreligion angehörten, sind zum Christentum konvertiert, darunter auch Dalit. Viele wollten damit auch der Unterdrückung und Diskriminierung durch das hinduistische Kastensystem entkommen.

Wie aus dem Bericht hervorgeht, sind religiöse Minderheiten im aktuellen politischen Kontext in Indien besonders angreifbar, darunter vor allem christliche Dalit und Frauen.

Oft kommt es zu Wiederbekehrungszeremonien zum Hinduismus, so genannten "Ghar Wapsi". In vielen Staaten gelten sogar Anti-Konversions-Gesetze.

Der Bericht enthält abschließend auch eine Reihe von Empfehlungen, mit denen sich der Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen befassen soll, um sie eventuell bei der indischen Regierung vorzubringen.

Im Fall des Kreuzes in Mumbai zeichnet sich indessen eine mögliche Lösung ab: Die Beamten, die das Kreuz auf die "Abriss-Liste" setzten, "hätten ihre Hausaufgaben nicht richtig gemacht", teilte ein Behördenvertreter mit.

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