Wiedervereinigung der franziskanischen Männerorden?

Einig im Blick auf eine mögliche Wiedervereinigung: die drei Provinziale von Deutschland (von links): Marinus Parzinger OFMCap (Kapuziner), Bernhardin M. Seither OFMConv (Minoriten), Cornelius Bohl OFM (Franziskaner)
Foto: Bistum Limburg
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Kommt es zu einer Wiedervereinigung von Franziskanern, Minoriten und Kapuzinern? 500 Jahre nach der rechtlichen Trennung des Franziskanerordens im Jahr 1517 durch Papst Leo X. in zwei Ordenszweige von Observanten (heute: Franziskaner) und Konventualen (heute: Minoriten) trafen sich 65 Brüder aller drei Orden vom 12. bis 14. Juni zu einem ersten gemeinsamen "Mattenkapitel".

Wie das Bistum Limburg berichtet, fand das Treffen Mitte Juni im Exerzitienhaus im hessischen Hofheim statt. 

Die Leitungsverantwortlichen der drei Ordenszweige in Deutschland, die Provinzialminister Cornelius Bohl OFM (Franziskaner), Bernhardin M. Seither OFMConv (Minoriten) sowie Marinus Parzinger OFMCap (Kapuziner) äußerten sich im Anschluss optimistisch im Blick auf eine Wiedervereinigung der so genannten Minderbrüder. Gemeinsam mit den versammelten Brüdern vereinbarten sie konkrete Schritte für die kommenden Jahre, um die Zusammenarbeit zu intensivieren und das Zusammenwachsen zu fördern.

"Unionsbulle von Papst Franziskus III."

Der Begriff "Mattenkapitel" geht auf die Tradition zurück, dass sich die ersten Brüder des Franziskanerordens jährlich um Pfingsten herum in Assisi trafen. Neben dem historischen Rückblick "Die Minderbrüder und die Reformation" ging es bei dem außergewöhnlichen Treffen um die wachsende Angleichung der drei Orden, die sich alle auf den Heiligen Franziskus (1181-1225) berufen. Ein Zusammenschluss in absehbarer Zukunft wurde in einer Vision unter dem Titel "Unionsbulle von Papst Franziskus III. Der Erste Orden im Jahr 2030" skizziert.

In einer "kreativen Zukunftswerkstatt" wurden mögliche Felder einer stärkeren Zusammenarbeit beleuchtet, so die Mitteilung des Bistums.

Zum Abschluss besuchten die Brüder die Frankfurter Paulskirche, die auf dem Grund des ehemaligen Franziskanerklosters steht und deren Vorgängerkirche über einige Jahrhunderte die evangelische Hauptkirche war. Der Impuls "Die Barfüßer, die Reformation und die Demokratie" rief die drei wesentlichen Aspekte des Ortes in Erinnerung. Anschließend zogen die Brüder zur Katharinenkirche, der jetzigen evangelischen Hauptkirche, zu einem ökumenischen Mittagsgebet sowie nach Liebfrauen zur Niederlassung der Kapuziner, wo das Mattenkapitel mit Segen und Sendung beendet wurde.

Hintergrund

Die Franziskanischen Orden gliedern sich in den ersten Orden (Männerorden), zweiten Orden (Frauenorden nach der Regel der heiligen Klara von Assisi) und den dritten Orden (etwa Laienbewegungen sowie Drittordensgemeinschaften).

1517 teilte sich der ursprünglich vom heiligen Franziskus von Assisi begründete Männerorden (erster Orden) in zwei eigenständige Gemeinschaften, die Franziskaner-Minoriten und die Franziskaner-Observanten. Der erste Orden umfasst heute die Franziskaner-Minoriten (OFMConv), die Franziskaner (OFM) und die Kapuziner (OFMCap).

Die drei weltweit tätigen Orden sind in eigenständige Ordensprovinzen untergliedert, denen Provinzialminister vorstehen. In Deutschland haben alle drei Männerorden heute jeweils eine Provinz. Die Gesamtleitung der Orden liegt bei der jeweiligen Generalkurie mit ihren Generalministern in Rom.