"Wir wissen nicht" ob Pater Tom noch lebt – Bischof Hinder

Pater Tom Uzhunnalil
Foto: ANS Agenzia Info Salesiana
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Er war gar nicht als Redner eingeplant – und als er sprach, war er sichtlich bewegt: Vor dem Hintergrund der sich weiter verschlechternden Lage im Jemen hat Bischof Paul Hinder um Gebete für Priester, die Missionarinnen der Nächstenliebe und den entführten Pater Tom Uzhunnalil gebeten. 

Die Lage des gekidnappten Salesianer-Paters ist unklar.

"Ich weiß nicht, wie wir in der derzeitigen Situation weiter machen können", sagte ein sichtlich bewegter Bischof Hinder. "Und für Pater Tom beten, ob er nun tot ist oder nicht. Wir wissen es nicht."

Der Hirte des Apostolischen Vikariates für Südarabien sprach am 2. September am Ende des Symposiums über Mutter Teresa, der Gründerin der Missionarinnen der Nächstenliebe, die morgen heiliggesprochen wird. Das Symposium wurde von Asia News in Rom veranstaltet.

Der aus der Schweiz stammende Bischof Hinder war nicht auf dem offiziellen Rede-Programm, und er entschuldigte sich, dass er erst am Morgen sein Büro in Abu Dhabi verlassen habe. 

"Ich leide an der Situation im Jemen, wo sieben Millionen Menschen hungern; es gibt keine Sicherheit für niemanden. Da geht es nicht darum, ob man Christ oder Moslem ist", sagte er. Der Bürgerkrieg habe das ganze Land destabilisiert und unsicher gemacht. 

Am 4. März waren das Kloster und das Pflegeheim der Missionarinnen der Nächstenliebe Ziel eines Angriffs, bei dem vier Nonnen und zwölf Pfleger hingerichtet wurden.

Zum Zeitpunkt des Anschlags befand sich Pater Tom – ein Salesianer aus Kerala, Indien – in der Kapelle des Klosters beim Gebet und wurde dort von den Attentätern entführt.

Seitdem hat sich die Lage im Land weiter verschlechtert, betonte Bischof Hinder. Es sei schwierig, Priester und Nonnen in den Jemen zu bringen, auch nur ein Visum zu bekommen. Er bat die Anwesenden um ihr Gebet für die noch verbleibenden Geistlichen und Ordensleute. 

"Die Gemeinschaft in Ta'izz mussten ihre Unterkunft verlassen und nach Sanaa ziehen, weil sie zwischen die Fronten des Kriegs geraten waren. Wir warten darauf, sie zurückbringen zu können, doch im Augenblick ist dies nicht möglich", sagte der Bischof. 

Der Apostolische Vikar würdigte den Mut der Schwestern, auch nach dem Martyrium der vier ermordeten. "Wenige Tage nachdem die Schwestern umgebracht worden waren, am 4. März, traf ich die einzige Überlebende. Das erste, was sie zu mir sagte war, 'Ich will zurück, so schnell wie möglich, und sobald ich dazu die Erlaubnis habe'".

Der Bürgerkrieg im Jemen begann im März 2015. Schiitische Rebellen besetzten Teile des Jemen im Kampf gegen die sunnitische Regierung. Saudi Arabien, das im Norden des Jemen angrenzt, führt eine Koalition von Kräften an, welche die Regierung stützt. Sowohl der Islamische Staat (IS) als auch Al-Kaida sind im Land zudem aktiv. 

Die Vereinten Nationen schätzen, dass über 6.000 Menschen bislang der Gewalt zum Opfer gefallen sind. 

"Ich lade sie ein, für die Priester zu beten, und dass sich ihnen weitere anschließen können. Die Mission muss auch im Krieg, trotz der Schwierigkeiten, weitergehen", sagte Bischof Hinder.  

"Pater Tom wurde entführt; er war in den Jemen zurückgekehrt, und hatte dabei mich und den Provinzial um Erlaubnis gebeten. Ich sagte ihm: 'Wenn Du möchtest, dann helfe ich Dir, einzureisen.' Es schmerzt mich heute, daran zu denken", sagte er. 

"Doch ich bin immer noch davon überzeugt, dass es richtig war. Im Krieg kann man nie vorher sagen, was passieren wird."