Argentinische Bischöfe: So können die Gläubigen sofort wieder an der Hl. Messe teilnehmen

Gläubige mit Abstand in einer Kirche
Foto: pd

Nicht nur in Deutschland sind die weltweiten Gottesdienstverbote ein brennendes Thema für praktizierende Katholiken. In Argentinien hat man nun eine Lösung gefunden.

"Wir wissen, dass es unverantwortlich ist, sich einer Ansteckung auszusetzen - vor allem, weil dies bedeutet, auch andere einer Ansteckung auszusetzen, und weil es indirekt eine Krise des Gesundheitssystems begünstigen kann, die wir in unserem Land nicht wollen."

"Aber es gibt eine Form, die Heilige Messe zu feiern, die die Risiken minimiert und sie weniger gefährlich sein lässt als die Schlangen, die wir in den Banken [a.d.R.: viele Rentner in Argentinien verfügen beispielsweise nicht über ein Bankkonto und holen die Rente direkt in der Bank ab] oder anderswo sehen – in Situationen, die von den aktuellen Normen vorgesehen sind."

Dies ist die Botschaft, die die argentinischen Bischöfe durch einen Brief des Vorsitzenden der Kommission für Glauben und Kultur der argentinischen Bischofskonferenz, Victor Manuel Fernández, Erzbischof von La Plata, an ihre Gläubigen gerichtet haben, über den ACI Stampa, die italienische Schwesternagentur von CNA Deutsch berichtet.

Der Brief präsentiert einen "wohlüberlegten und zugleich konkreten Vorschlag, der die Ratschläge verschiedener Bischöfe mit einbezieht."

"Wie der Heilige Vater gesagt hat: In diesem Kontext können wir uns nicht allein retten" und deshalb haben auch die Initiativen der karitativen Dienste zugenommen, aber "wenn wir daran denken, das innere Leben der Gläubigen zu unterstützen und dessen Wachstum zu ermutigen, dann stehen wir vor der ernsthaften Schwierigkeit, dass sie lange Zeit der Eucharistie beraubt sind, mit der Voraussicht, dass dies noch Monate dauern könnte."

Der Brief analysiert daraufhin einige grundlegende Texte: Das Zweite Vatikanische Konzil lehrt: "Die christliche Gemeinde wird aber nur auferbaut, wenn sie Wurzel und Angelpunkt in der Feier der Eucharistie hat" (Presbyterium Ordinis, Nr. 6). Der heilige Johannes Paul II. hat betont, die heilige Messe „dürfe nicht nur als Gebot angesehen werden, sondern sie muß als ein Bedürfnis empfunden werden, das zutiefst in die christliche Existenz eingeschrieben ist" (Dies Domini, Nr. 81). Der Brief führt auch ein Zitat des heiligen Chrysostomus an: "Du kannst auch zu Hause beten; aber du kannst nicht so beten wie in der Kirche, in der sich die Brüder versammeln" (Contra Anomeos 3, 6).

Sicherlich hätten die "Online-Messen" mit geistlicher Kommunion einen Wert und Gott "ergießt seine Gnade auf diese Weise, aber er tut es, weil sie das Verlangen nach dem eucharistisch gegenwärtigen Christus ist. Es wird nicht leicht sein, verständlich zu machen, dass diese Situation nun schon zu lange dauert und wir können auch nicht einfach abwarten, dass die Pandemie komplett vorbeigehe."

Daher müsse man schnellstmöglich eine Lösung für diese Situation finden - eine Lösung, bei der man die gesundheitlichen Bemühungen der Behörden mitgeht.

Deshalb unterbreiten der Brief Vorschläge, die mit dem übereinstimmen, was man in den Banken und an anderen Orten sieht, die unter die aktuellen Regelungen fallen. "Deshalb können wir den Behörden eine Reihe von verpflichtenden Anforderungen vorschlagen, die eine baldige Wiederaufnahme der Eucharistiefeier mit den Gläubigen erleichtern."

"Es handelt sich im Wesentlichen darum, vorzuschlagen – wie es schon in Buenos Aires gemacht wurde – dass die heilige Messe mit einer begrenzten Anzahl von Menschen gefeiert werde und man die notwendigen Abstände beachte, so dass sie nicht mehr als Massenveranstaltung definiert werden kann."

Man würde sich verpflichten, Folgendes zu garantieren:

  1. dass zwischen den Personen seitlich, vorne und hinten ein Abstand von zwei Metern ist. Das erfordert, dass die Hälfte der Bänke entfernt oder nicht genutzt wird.

  2. dass nicht mehr als zwei Personen in einer Bank sind.

  3. dass – sobald die Bänke auf diese Weise gefüllt sind – keine weiteren Personen mehr eingelassen werden.

  4. dass in den Kirchen, in denen es normalerweise einen größeren Zulauf von Menschen gibt, die Anzahl der heiligen Messen erhöht wird, so dass sich die Menschen zwischen Samstag und Sonntag auf verschiedene Uhrzeiten verteilen. Aufgrund der Verteilung der Kirchen und ihrer Nähe zueinander wird sich das nicht auf den Verkehr auswirken.

  5. dass die heilige Messe mit Gläubigen nicht in den meistbesuchten Heiligtümern gefeiert werde, da dort eine derartige Kontrolle schwierig wäre. In diesem Fall würden nur die pastoralen Mitarbeiter, die in der Gemeinde ihren Dienst tun, zu einer Feier hinter verschlossenen Türen geladen.

  6. dass es in der heiligen Messe keine Schlange zum Empfang der heiligen Kommunion gibt, sondern dass sich die Kommunionspender den Personen nähern, die sich an den Enden der Bänke befinden, und ihnen die Hostie auf die Handfläche legen.

  7. dass sich jeder Priester oder Kommunionspender, der sich der Kommunion nähert, vorher und nachher die Hände mit Seife wäscht und alkoholhaltiges Gel benutzt.

  8. dass der Friedensgruß und alle körperlichen Kontakte unterlassen werden.

  9. dass die Heilige Messe nicht länger als 40 Minuten dauert.

  10. dass man nacheinander aus der Kirche geht und das Grüßen vermeidet.

  11. dass die Messintentionen vorher per Telefon, Post oder SMS empfangen werden

  12. dass jene, die aufgrund ihres Alters nicht teilnehmen können, die heilige Kommunion in ihren Häusern empfangen können

  13. dass die Dispens vom Sonntagsgebot einstweilig aufrechterhalten wird, so dass Personen, die extreme Sorgfalt bevorzugen, sich nicht zur Teilnahme verpflichtet fühlen. 

 

"Bevor die Quarantäne eingeführt wurde war die Anzahl derjenigen, die an der Heiligen Messe teilnahmen, in der Tat bereits spontan sehr zurückgegangen. Der Vorschlag besteht im Wesentlichen darin, den Behörden zuvorzukommen, um zu zeigen, dass wir einen möglichen Plan haben, durch den die Teilnahme an der Heiligen Messe nicht mehr Risiken birgt als andere Aktivitäten, die bereits von den geltenden Regelungen ausgenommen wurden, und dass sie so auch diese Möglichkeit im Rahmen einer ´verwalteten´ Quarantäne in Betracht ziehen. Wenn man die finanzielle Auswirkungen voraussieht, so ist es auch angebracht, jene Dinge zu schätzen, die den Menschen in schwierigen Momenten Trost und Kraft geben", schließt der Brief.

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