"Seid nicht Parteigänger, seid Geschwister im Heiligen Geist": Pfingst-Predigt des Papstes

Franziskus betet für die Opfer des neuen Terror-Angriffs in London

Pfingstsonntag 2017 auf dem Petersplatz
Foto: CNA / Daniel Ibanez
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"Heute geht die Osterzeit zu Ende, jene fünfzig Tage, die von der Auferstehung Jesu bis Pfingsten auf besondere Weise durch die Gegenwart des Heiligen Geistes gekennzeichnet sind": Daran hat Papst Franziskus in seiner Predigt zum heutigen Pfingstsonntag auf dem Petersplatz erinnert. 

Der Pontifex betete mit zehntausenden Gläubigen zu Pfingsten für die "unschuldigen Bürger", die von Islamisten in London umgebracht wurden. "Der Heilige Geist gebe der ganzen Welt Frieden", betete Franziskus. 

In seiner Predigt stellte der Papst klar, dass er für polemische Denunzianten, die sich anmaßen, "rechts" und "links" zu unterscheiden und zu hetzen, oder gar als "Avantgarde" betrachten, mahnende Worte hatte. Mit der Freude des Evangeliums und der Vielfalt der katholischen, sprich universalen Kirche habe dies wenig zu tun. 

Der Heilige Geist sei "die österliche Gabe schlechthin, erklärte der Pontifex. Denn er der Schöpfergeist, der creator spiritus, bringe immer neue Dinge. So wie damals, als er über die Jünger kam, nach der Auferstehung des Heilands, Jesus Chistus:

"im Evangelium schafft er in den Jüngern ein neues Herz. Ein neues Volk. Am Pfingsttag kam der Geist vom Himmel herab, in der Gestalt von »Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt und begannen, in anderen Sprachen zu reden« (Apg 2,3-4)."

Das bemerkenswerte daran, so Franziskus weiter: Jedem gibt der Heilige Geist eine Gabe, und alle versammelt er in der Einheit. "Mit anderen Worten, derselbe Geist erschafft die Verschiedenheit und die Einheit und auf diese Weise formt er ein neues Volk, das vielfältig und geeint ist: die universale Kirche."

Damit spielte der Papst darauf an, dass "universal" eine Übersetzung von "katholisch" ist.

Die wahre, "gottgemäße" Einheit, so Franziskus wörtlich weiter, sei nicht Einförmigkeit, sondern Einheit in der Verschiedenheit. Für Menschen, die gerne Katholiken als "rechts" oder "links" abstempeln, sei dies eine wichtige Lektion, so der Papst.

Zwei Versuchungen für politische Parteigänger

Es sei gut, zwei Versuchungen, die oftmals wiederkehren, zu vermeiden:

Die erste ist jene, die Verschiedenheit ohne die Einheit zu suchen. Dies geschieht, wenn man sich unterscheiden will, wenn sich Lager und Parteiungen bilden, wenn man sich auf ausschließende Positionen versteift, wenn man sich in die eigenen Besonderheiten verschließt, weil man sich möglicherweise für die Besten hält oder diejenigen, die immer recht haben.

Wer dies tue, so der Papst weiter, wähle den Teil, nicht das Ganze, die Zugehörigkeit zu diesem oder jenem vor der Zugehörigkeit zur Kirche; man werde zu "Parteigängern" anstatt zu Brüdern und Schwestern in dem einen Heiligen Geist; Christen "von rechts oder links" anstatt von Jesus; mehr unbeugsame Bewahrer der Vergangenheit oder Avantgardisten der Zukunft als demütige und dankbare Söhne und Töchter der Kirche.

"So gibt es die Vielfalt ohne die Einheit. Die entgegengesetzte Versuchung ist hingegen jene, die Einheit ohne die Verschiedenheit zu suchen. Auf diese Weise aber wird die Einheit zur Einförmigkeit, zu einer Verpflichtung, alles gemeinsam und gleich zu machen und immer in derselben Weise zu denken."

So ende die Einheit darin, Vereinheitlichung zu werden und es gebe keine Freiheit mehr. Aber, zitierte Franziskus den heiligen Paulus, »wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit« (2 Kor 3,17).

Beten statt Polemisieren

Statt über andere zu urteilen, gehe es darum, zu Beten: "Unser Gebet zum Heiligen Geist heißt also, um die Gnade zu bitten, seine Einheit anzunehmen, eine Perspektive zu gewinnen, die über unsere persönlichen Vorlieben hinaus seine Kirche, unsere Kirche umarmt und liebt", sagte der Papst.

Männer und Frauen der Kirche zu sein bedeute, Männer und Frauen der Gemeinschaft zu sein; es bedeute, auch um ein Herz zu bitten, das spüre, "dass die Kirche unsere Mutter und unser Haus ist: das einladende und offene Haus, wo man die vielgestaltige Freude des Heiligen Geistes teilt".

Das, so der Papst, sei die zweite Neuheit: ein neues Herz, dass sich dem Geist der Vergebung öffne.

Bitten wir um die Gnade, das Angesicht unserer Mutter Kirche immer schöner zu machen, indem wir uns dank der Vergebung erneuern und uns selbst bessern: nur dann werden wir die anderen in der Liebe zurechtweisen können. Darum wollen wir den Heiligen Geist bitten, das Liebesfeuer, das in der Kirche und in uns brennt, auch wenn wir es oft mit der Asche unserer Schuld bedecken: "Geist Gottes, Herr, der du in meinem Herzen und im Herzen der Kirche bist; du, der du die Kirche voranbringst, indem du sie in der Vielfalt gestaltest, komm. Um zu leben, bedürfen wir deiner wie das Wasser: Komm wieder auf uns herab und lehre uns die Einheit, erneuere unsere Herzen und lehre uns, zu lieben, wie du uns liebst, zu verzeihen, wie du uns verzeihst. Amen." 

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