Australiens Bischöfe rufen katholische Schulen auf, Profil zu zeigen und zu evangelisieren

Eine katholische High School mit eigener Sternwarte: Das "St. Ignatius College" im Vorort Riverview am North Shore von Sydney (Australien).
Foto: Adam112 / Wikimedia (CC BY-SA 3.0)

Australiens katholische Bischöfe begingen diese Woche den 200. Jahrestag des katholischen Bildungswesens im Land und riefen zu einer kontinuierlichen Erneuerung und klaren Positionierung katholischer Schulen auf. 

In Australien spielen katholische Schulen und Hochschulen eine bedeutende Rolle im Bildungswesen, und werden vom Staat kräftig subventioniert.

Angesichts schwerer Missbrauchskandale und einer zunehmend aggressiven Säkularisierung der australischen Gesellschaft identifizieren sich immer weniger Australier als katholisch: Laut der Nationalen Katholischen Bildungskommission bezeichnen sich etwa 63 Prozent aller Grund- und Sekundarschüler in Australien als katholisch, ein Rückgang um sieben Prozent (von 70 Prozent) im Jahr 2014, berichtete "AP Australia".

"Wir können uns glücklich schätzen, dass es in den meisten Städten und Vororten katholische Schulen gibt – und in den meisten Hauptstädten [der australischen Bundesstaaten und Territorien]mindestens einen Universitätscampus, wo Schüler und Studenten unterschiedlicher Hintergründe und Glaubensrichtungen betreut werde", sagte Erzbischof Anthony Fisher von Sydney. Der Dominikaner ist auch Vorsitzender der Bischofskommission für katholische Bildung, berichtet die "Catholic News Agency" (CNA).

In ihrem Hirtenbrief "200 Years Young" forderten die australischen Bischöfe "alle, die im katholischen Bildungswesen tätig sind", auf, sich "dafür einzusetzen, dass unsere Grund- und weiterführenden Schulen ... in ihrer Identität und ihrem Leben wahrhaft katholisch sind, Zentren der Neuevangelisierung sind, unsere Schüler befähigen, ein hohes Maß an katholischer religiöser Bildung und Praxis zu erreichen, und von Menschen geleitet und besetzt werden, die zu diesen Zielen beitragen. Dies erfordert, dass wir, soweit möglich, eine 'kritische Masse' von katholischen Schülern und Mitarbeitern in unseren Schulen erhalten."

Die Bischöfe fügten hinzu, dass zu den wesentlichen Bedingungen "für eine wirklich katholische Schule" gehört, dass "Leiter und Mitarbeiter die katholische Identität der Schule verstehen und ihr fest verpflichtet sind" und dass "die Erstverkündigung, die Katechese und die geistliche Ausbildung darauf abzielen, sicherzustellen, dass unsere jungen Menschen eine persönliche Begegnung mit Christus haben, eine dauerhafte Beziehung zu Gott und der Kirche entwickeln und eine echte Ausbildung im christlichen Leben erhalten."

Darüber hinaus sei es wichtig, dass den Schülern geholfen werde, "Glaube, Kultur und Leben zu integrieren" und dass "Schulen eucharistische Gemeinschaften im Kontext der Pfarrei sind, in denen die Schüler regelmäßig an der Messe und der Versöhnung teilnehmen und sich mit verschiedenen Formen des Gebets und der Meditation beschäftigen."

Als Australien eine britische Kolonie war, kamen die ersten offiziellen katholischen Seelsorger, Philip Connolly und John Joseph Therry, im Mai 1820 auf dem Kontinent an.

Pater Therry gründete eine katholische Schule in Parramatta, einer Stadt, die heute ein Vorort – und das geographische Zentrum – von Sydney ist. Sie nahm im Januar 1821 ihren Betrieb auf. Die Schule war offen für alle Schüler, unabhängig davon, ob sie katholisch waren.

Das Wachstum des katholischen Bildungswesens in Australien hat dazu geführt, dass viele Schulen, die gegründet wurden, um den Armen zu dienen, nun der Mittel- und Oberschicht mitunter sehr teure, elitäre Institutionen anbieten. 

So gelten etwa die von Jesuiten betriebenen Schulen am "North Shore" von Sydney als Bildungsanstalten der finanziellen und gesellschaftlichen Elite im Land.

"Auch wenn nicht mehr alle aus ärmeren Familien kommen, wie es in den ersten anderthalb Jahrhunderten des katholischen Bildungswesens der Fall war, heißen wir weiterhin Aborigines und Torres Strait Islanders, Flüchtlinge, Menschen mit Behinderungen und Schüler, die finanziell benachteiligt sind, in unseren Schulen willkommen und stellen sicher, dass diese zugänglich sind", betonten die Bischöfe.

"Neben der Familie und Pfarreien sind die katholischen Schulen die wichtigste Schnittstelle der Kirche mit jungen Menschen, und sie sind integraler Bestandteil der Mission der Kirche, den Glauben an die nächste Generation weiterzugeben und junge Menschen als zukünftige Mitwirkende in der australischen Gesellschaft zu formen", sagte Fisher.

Australiens katholische Schullandschaft ist mittlerweile auf mehr als 1.750 Schulen, 770.000 Schüler und fast 100.000 Mitarbeiter angewachsen, so der Bericht.

"Die COVID-19-Pandemie hat auch viele Schwierigkeiten für das Personal und die Schüler mit sich gebracht, auch wenn sie große Widerstandsfähigkeit, Flexibilität und Großzügigkeit bei der Reaktion darauf gezeigt haben", sagten sie.

Die Bischöfe zählten mehrere wesentliche Komponenten einer erfolgreichen katholischen Erziehung auf, darunter einen soliden Lehrplan für den Religionsunterricht und die Katechese, den regelmäßigen Besuch der Messe in der Schule und starke Verbindungen zur örtlichen Pfarrei und katholischen Gemeinschaft. Vor allem, so sagten sie, sollte eine Schule "wirklich katholisch in ihrer Identität und ihrem Leben sein".

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