Bischof Meier: "Wir brauchen eine geistliche Erneuerung"

Bischof Bertram Meier am 7. November 2021 beim Leonhardifest in Inchenhofen.
Foto: Annette Zoepf / pba

In einem umfassenden Interview hat sich der Augsburger Bischof Betram Meier am Montag zum deutschen "Synodalen Weg" geäußert und gefordert: "Wir brauchen eine geistliche Erneuerung."

"Doch der Knackpunkt ist: Wie soll das gehen?", so Meier gegenüber katholisch.de. "Mir kommen Erinnerungen an das 19. Jahrhundert mit ähnlichen Problemen wie heute. Vor 200 Jahren war es der Schock der Säkularisation, heute beschäftigt uns der Sog der geistigen Säkularisierung. Im Blick auf damals denke ich an die Spannung zwischen Restauration und Reformkatholizismus."

Mit Blick auf damals setze er "auf Erneuerung mit der Neuentdeckung geistlicher Quellen", wie es Bischof Johann Michael Sailer getan hatte.

Der Augsburger Bischof fragte, "ob es nicht zu monokausal ist, die Antwort auf diese Misere, in der die katholische Kirche derzeit steckt, allein im Synodalen Weg zu sehen. Letztlich geht es um unsere Glaubwürdigkeit. Diese Herausforderung betrifft uns alle. Und die Glaubwürdigkeit gewinnen wir nicht allein durch Texte, sondern durch ein Leben, das zum Zeugnis für das Evangelium wird."

Meier warnte vor einer "Synodenblase" und stellte in Frage, ob "unsere Vollversammlung tatsächlich das Volk Gottes in Deutschland" abbildet? Er selbst hätte sich etwa mehr Einbindung internationaler Priester und Gemeinden in Deutschland gewünscht.

Angesichts der von Bischöfen aus aller Welt geübten Kritik am "Synodalen Weg" sagte der Bischof: "Obwohl ich allen, die darauf verweisen, dass sich der Synodale Weg in Deutschland insofern auf einem sicheren Pfad bewegt, dass alle konkreten Schritte auf dem Boden der katholischen Lehre und Moral gründen, subjektiv einen guten Willen unterstelle, habe ich daran objektiv meine Zweifel. Der gute Wille ist sicher da, aber in der Praxis werden doch Weichen gestellt, die letztlich die Grundrichtung der katholischen Kirche betreffen."

Letztlich müsse man unterscheiden, was Kern und was Schale des katholischen Glaubens sei. "Oder anders gefragt: Es geht um die göttliche Offenbarung. Was ist vorgegeben und damit unserem Zugriff tabu, und was ist historisches Beiwerk, also veränderbar?" Man habe sich mit dieser Frage beim "Synodalen Weg" nicht ausreichen beschäftigt.

Zu Reformen sei er grundsätzlich bereit, betonte Meier. Es gehe ihm bei seinen Äußerungen "weniger um Kritik, als um die Frage nach der Richtung und den Zielen unseres Weges".

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