Bomben-Anschlag in Istanbul: Bestürzung unter Katholiken über Eskalation der Gewalt

Kardinal Parolin: Barmherzigkeit als Medizin – Behörden verhaften Täter mit russischen Pässen, fahnden nach Syrern – Tat wird Islamischem Staat zugerechnet

Beliebtes Touristenziel: der Sultanahmet Platz in Istanbul
Foto: Mikel Iturbe Urretxa via Wikimedia (CC BY 3.0)

Die Bischöfe und die katholische Gemeinde der Türkei haben nach dem Selbstmordattentat im Viertel Sultanahmet, das bisher 10 Todesopfer und 15 Verletzte gefordert hat, ihre Bestürzung zum Ausdruck gebracht.   

Der Selbstmordanschlag vom 12. Januar in Istanbul geschah auf dem zentralen Platz von Sultanahmet, einem Ort, der von Touristen in der türkischen Hauptstadt mit am meisten besucht wird. Ein junger Mann ließ eine Bombe explodieren, die den Tod von zehn Personen verursachte, davon neun deutscher Nationalität, und weiter 15 Personen verletzte.

Laufende Fahndung

Unklar ist nach wie vor die Herkunft des Terroristen. Laut ersten türkischen Berichten war der Selbstmörder erst vor kurzem aus Syrien als Asylbewerber gekommen.

"Ein Ausländer, Mitglied der Terrormiliz Islamischer Staat" wie der türkische Präsident Tayyip Erdogan erklärte. Die türkische Polizei hat inwzischen drei Pesonen mit russischer Staatsbürgerschaft festgenommen, die ebenfalls zum Islamischen Staat gerechnet werden. 

Die Nachrichtenagentur "Anadolu" berichtete, dass bereits im vergangenen Oktober die türkische Polizei offenbar vier Verdächtige fasste, die Mitglieder des IS sind und über Syrien in die Türkei eingereist waren, um einen größeren Anschlag zu verüben.

Beunruhigt über die Zunahme an Gewalt 

Pater  Rubén Tierrablanca, Vertreter des Apostolischen Vikariats Istanbul, sagte zur italienischen Agentur SIR, dass "was wirklich beunruhigt, die Zunahme an Gewalt ist. Wir wissen, dass diese Ereignisse in der Türkei, wie generell im Mittleren Osten, Reaktionen und Gewalt, sowie zunehmende Spannungen provozieren können."

"Gerade deshalb wollen wir dem türkischen Volk nahe sein, und so werden wir heute und morgen besonders für das türkische Volk und die Rückkehr der Friedens beten" versicherte er.

"Es ist dies der Moment, uns noch mehr in Solidarität mit allen zu verbinden, seien sie gläubig oder nicht" erklärte der Priester.

Die christlichen Kirchen sind in der Türkei eine kleine Minderheit von landesweit geschätzt 0,5 Prozent. 

Österreichischer Gemeindepriester: "Ich bin sprachlos!"

Wie das Portal "Katholisch.de" berichtet, hörte Pater Alexander Jernej, Priester Österreichischen katholischen Gemeinde der Stadt die Detonation. "Wir sind alle sehr betroffen", betont der Pater. Seine Aufgabe sei es nun, "für die Opfer da zu sein und für sie und die Angehörigen zu beten", sagt er. 

Die Österreichische Katholische Gemeinde St. Georg in Istanbul hat rund 300 deutschsprachige Gemeindemitglieder.

"Barmherzigkeit als Medizin"

Der vatikanische Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin verurteilte das Attentat von Istanbul. "Was in der Türkei geschehen ist, schmerzt uns", sagte er am Rande eine Veranstaltung in Rom. Wie Radio Vatikan berichtet, riet er zu "Barmherzigkeit als Medizin" – ohne einen barmherzigen Blick, von dem Papst Franziskus oft spreche, sei es unmöglich, "aus den Konflikten herauszukommen".

Deutschsprachige Schlagzeilen türkischer Zeitungen

Nach dem Anschlag sind zwei türkische Zeitungen mit deutschen Schlagzeilen erschienen. "Im Herzen bei Euch", stand am heutigen Mittwoch auf der Titelseite der Zeitung "Habertürk", und "Meydan" führte die Schlagzeile "Wir trauern", als Zeichen der Anteilnahme an den Opfern und Hinterbliebenen.