Chilenischer Aufklärer und Betroffener trifft sich mit Bischöfen, Opfern vor Krisengipfel

Papst Franziskus trifft chilenische Bischöfe in der Sakristei des Doms von Santiago am 16. Januar 2018
Foto: Vatican Media
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Es ist ein Treffen im Vorfeld des Krisengipfels im Vatikan diese Woche: Juan Carlos Cruz, ein Whistleblower für sexuellen Missbrauch durch kirchliche Mitarbeiter - und selbst ehemaliges Opfer von Pater Fernando Karadima, spricht heute mit Bischöfen und anderen Opfern sexuellen Missbrauchs.

"Ich bin sehr stolz darauf, dass mir eine solche Aufgabe anvertraut wurde", sagte Cruz laut der chilenischen Zeitung "La Tercera".

Cruz sagte, er sei zu dem Treffen von vatikanischen Amtsträgern eingeladen worden, die für die Organisation des Missbrauchsgipfels zuständig seien, der für drei Tage in Rom Bischöfe aus der ganzen Welt versammeln wird.

Einberufen hat den Gipfel Papst Franziskus – angesichts der Enthüllungen und Skandale sexueller Gewalt und massiven Fehlerhaltens in den USAChileHondurasAustralien, in Irland, aber auch Deutschland und den Niederlanden.

Einer der Schlüsselskandale war der Fall von Theodore McCarrick. Der ehemalige Kardinal und emeritierte Erzbischof von Washington wurde vergangenes Jahr beschuldigt, zwei heranwachsende Jungen sexuell missbraucht zu haben, und jahrzehntelang Seminaristen und junge Priester sexuell genötigt zu haben.

McCarrick wurde am vergangenen Wochenende, nur wenige Tage vor dem Gipfeltreffen, von Papst Franziskus aus dem Klerikerstand entlassen.

Juan Carlos Cruz spielte eine entscheidende Rolle: Er brachte das Ausmaß des sexuellen Missbrauchs von Klerikern in Chile an die Öffentlichkeit. Im Februar vergangenen Jahres reiste Erzbischof Charles Scicluna von Malta, der als der beste Ermittler für Missbrauch im Vatikan gilt, in die Vereinigten Staaten und nach Chile, um Vorwürfe der Vertuschung von sexuellem Missbrauch innerhalb der Kirchenhierarchie in Chile zu untersuchen.

Das Ergebnis der Reise: Ein 2.300 Seiten umfassender Untersuchungsbericht, die Entfernung mehrerer Priester und Bischöfe, ein kollektives Angebot des Rücktritts aller chilenischen Bischöfe sowie ein Schuldgeständnis von Papst Francis, der ursprünglich Zweifel an den Anschuldigungen gegen den chilenischen Bischof Juan Barros geäußert hatte.

Papst Franziskus traf sich im vergangenen Mai privat mit Cruz und zwei weiteren Betroffenen, James Hamilton und Jose Andres Murillo. Der Papst entschuldigte sich bei ihnen und bedauerte, dass er "Teil des Problems" war. Es gehe nun darum, den sexuellen Missbrauch besser zu bekämpfen.

Erzbischof Scicluna war einer der Amtsträger des Vatikans, die Cruz zu dem Treffen vor dem Gipfel einluden, und bat ihn, sein Zeugnis abzulegen und einen Großteil des Treffens zu erleichtern.

Cruz sagte gegenüber "La Tercera", dass das Treffen "sehr wichtig für die katholische Welt, für viele Menschen" sei. "Dies ist ein Treffen, bei dem viele Menschen auf der Welt ihr Zeugnis ablegen sollten, was wegen des Umfangs unmöglich ist."

Stattdessen, sagte Cruz, wird es eine Gruppe von 12 Personen geben, die diesem Anliegen eine Stimme verleihen – und den Verantwortlichen der Kirche seine Ernsthaftigkeit klarmachen. "Diese Leute (die Täter) können sich nicht mehr in der Institution verstecken."

Cruz äußerte auch Zweifel an Bischof Luis Fernando Ramos Perez, Weihbischof von Santiago und Präsident der chilenischen Bischofskonferenz, der Chile bei dem Treffen vertritt.

Cruz sagte gegenüber "La Tercera", dass Bischof Ramos "kein Mitgefühl mit den chilenischen Opfern hat und ich weiß nicht, was sein Beitrag zu diesem wichtigen Treffen sein kann".

Zum Gipfeltreffen des Vatikans werden 190 Teilnehmer erwartet, von denen die meisten Vorsitzende nationaler Bischofskonferenzen sind.

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