Das Oberhaupt der katholischen Gemeinde Afghanistans sehnt sich nach einer Rückkehr

Pater Giovanni Scalese (Aufnahme aus dem Jahr 2019)
Foto: Mit freundlicher Genehmigung

Nach der Machtübernahme der Taliban gibt es in Afghanistan keine nennenswerte katholische Gemeinde mehr. Doch Pater Giovanni Scalese richtet seinen Blick auf die Zukunft, nicht auf die jüngste Vergangenheit.

Der italienische Priester, der seit 2014 die Mission Sui Iuris in Afghanistan leitet, hofft, dass das Land irgendwann zu einer "normalen Situation" zurückkehren wird, in der ausländische Mitarbeiter zurückkehren und den Glauben "ohne Einschränkungen" leben können.

Er betont, dass es die Katholiken "nicht interessiert, wer an der Regierung ist: Wir brauchen einfach keine Hindernisse für die Ausübung der Religionsfreiheit."

Pater Giovanni Scalese (hintere Reihe, zweiter von rechts) mit Ordensleuten. Mit freundlicher Genehmigung.

Scalese, ein Mitglied der Barnabiten, hat die Afghanistan-Mission von Pater Giuseppe Moretti übernommen, der sie seit ihrer Gründung durch Papst Johannes Paul II. im Jahr 2002 geleitet hatte.

Moretti war ebenfalls Barnabit, da die Mission in Afghanistan seit 1933 dem Orden der Kleriker von St. Paul anvertraut ist.

Diese Mission, die sich auf das ganze Land erstreckt, ist an einem einzigen Ort angesiedelt: in der Kapelle Unsere Liebe Frau von der Göttlichen Vorsehung, der Kapelle der italienischen Botschaft in der Hauptstadt Kabul.

Im Jahr 1919 hatte Italien den afghanischen Herrscher Amanullah Khan gebeten, ein katholisches Gotteshaus zu errichten. Er stimmte zu, da er sich bei der italienischen Regierung dafür bedanken wollte, dass sie als erste die Unabhängigkeit des Landes in jenem Jahr anerkannt hatte.

Heute steht die Kapelle leer, da Scalese nach der Machtübernahme durch die Taliban nach Italien zurückgekehrt ist. Bei seiner Ankunft in Rom am 25. August brachte er eine Reihe von Missionarinnen der Nächstenliebe und 14 behinderte Kinder mit, die von den Schwestern betreut werden.

In einem E-Mail-Interview mit CNA schilderte Scalese die Lage in Afghanistan und teilte seine Hoffnung auf eine Zukunft, in der jeder die Meinungsfreiheit ausüben kann.

Er sagte: "Ich hoffe, dass wir so bald wie möglich zu einer normalen Situation zurückkehren können - was Frieden, Stabilität und Sicherheit bedeutet - und dass daher ausländische Mitarbeiter in das Land zurückkehren können und auch ihren Glauben ohne Einschränkungen leben können. Es ist uns egal, wer an der Regierung ist: Es reicht, dass der Religionsfreiheit keine Steine in den Weg gelegt werden."

Mit Blick auf seine Rolle in Afghanistan sagte Scalese, dass man ihn "nur in analoger Weise" als Missionar bezeichnen könne. Denn sein Dienst beschränkte sich auf die geistliche Betreuung von Katholiken, die in ihrer großen Mehrheit Ausländer waren, während in Afghanistan "jede Form der Evangelisierung von vornherein ausgeschlossen ist".

Schon der Begriff "Mission" gilt in dem Land als hochsensibel, obwohl der Priester anmerkte, dass "niemand jemals ein Problem damit hatte, wenn dieser Begriff für die militärischen Missionen der NATO oder die humanitären Missionen der Vereinten Nationen verwendet wurde".

Er sagte, dass Proselytismus "von Anfang an ausgeschlossen war", aber anfangs "konnte die seelsorgerische Tätigkeit von Ausländern ohne Einschränkungen stattfinden".

Die Coronavirus-Pandemie hatte jedoch schwerwiegende Auswirkungen auf die lokale katholische Gemeinde, da die Kapelle der italienischen Botschaft geschlossen werden musste, als die Botschaft selbst geschlossen wurde.

"In den letzten sieben Jahren war es für mich immer schwieriger geworden, die italienische Botschaft zu verlassen, und für die Gläubigen wurde es immer schwieriger, ihre jeweiligen Einrichtungen (diplomatische Vertretungen und humanitäre und internationale Organisationen) zu verlassen und die grüne Zone und die Botschaft zu betreten", sagte er.

"In den vergangenen zwei Jahren kehrten viele Gläubige aufgrund der Pandemie in ihre Länder zurück. Die Botschaft wurde streng abgeriegelt, so dass ich mehrere Monate lang gezwungen war, allein zu feiern."

Er fuhr fort: "Erst ab Oktober 2020 wurden die Schwestern wieder für die Sonntagsliturgie zugelassen. Die wenigen verbliebenen Gläubigen hatten nur an Weihnachten und Ostern die Möglichkeit, an der Eucharistie teilzunehmen."

"Als die Taliban die Macht übernahmen, baten sie ausländische NROs zu bleiben", erinnerte sich Scalese, aber viele entschieden sich, das Land zu verlassen oder nur mit einheimischem Personal zu arbeiten.

"Meine Position war immer klar: Ich hätte das Land nicht verlassen, solange auch nur ein einziges Schaf von meiner kleinen Herde übrig war. Als dann das pastorale Personal der Mission es vorzog, aus Gründen der Vorsicht zu gehen, gab es für mich keinen Grund mehr zu bleiben."

Scalese sah den Weggang auch deshalb als unvermeidlich an, weil es angesichts der Schließung der Botschaft und der Evakuierung der örtlichen Mitarbeiter "ziemlich kompliziert war, vor Ort zu bleiben, ohne auf irgendeine Unterstützung zählen zu können".

Wann er nach Afghanistan zurückkehren kann, ist noch unklar.

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Übersetzt und redigiert aus dem Original der CNA Deutsch-Schwesteragentur.