Die verheerende, aber wenig beachtete Flüchtlingskrise der Demokratischen Republik Kongo

Vertriebene Kinder in der Demokratischen Republik Kongo
Foto: Stuart Boulton/Shutterstock
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In den letzten Monaten sind gewalttätige Zusammenstöße eskaliert und haben eine weitere massive Flüchtlingskrise ausgelöst, die in weiten Teilen der Welt weitgehend unbemerkt geblieben ist. Schlagzeilen machte am vergangenen Donnerstag ein Anschlag in der Provinz Nord-Kivu. Dabei wurden mindestens 14 US-Soldaten und fünf kongolesische Soldaten getötet, vermutlich von einer Rebellengruppe.

Im ehemals als Zaire bekannte Land – flächenmäßig die zweitgrößte Nation des Kontinents – leben mittlerweile über 80 Millionen Menschen. Die Republik ist trotz Rohstoffen eines der ärmsten Länder der Welt und leidet unter jahrzehntelanger Ausbeutung, Korruption, Kriege und Gewalt.

Die Situation ist weit davon entfernt, sich zu stabilisieren – und Katholische Hilfswerke wie Caritas International, Malteser International und die Catholic Relief Services (CRS) sind vor Ort nicht erst seit der jüngsten Krise im Einsatz. Sie werden finanziell unterstützt von zahlreichen Spendern, darunter auch von staatlicher Seite.

Politische und ethnische Spannungen haben Millionen von Kongolesen gezwungen, ihre Häuser im vergangenen Jahr allein zu verlassen. Die große Mehrheit dieser Menschen ist innerhalb des Landes Binnenflüchtlinge, während eine Minderheit auf der Flucht in die Nachbarländer zu Flüchtlingen geworden ist ", sagte Amakala Constantin Sodio, Vertreter der CRS in Kinshasa.

Sodio sagte gegenüber CNA am 8. Dezember, dass es in den Regionen Kasaï, Tanganyika und Süd-Kivu in den Jahren 2016 und 2017 zu einer "raschen Eskalation" von Konflikten gekommen sei. Dies habe 4,3 Millionen Menschen in eine Krisensituation gebracht.

Mehr als 1,7 Millionen Menschen sind allein in diesem Jahr aus ihren Häusern geflohen. Die U.N. hat die Flüchtlingslage des Landes als Stufe 3 eingestuft, die in ihrem humanitären Bedarf Syrien, Irak und Jemen entspricht.

"Es ist eine Megakrise. Das Ausmaß der Menschen, die vor Gewalt fliehen, ist außerhalb der Charts und überholt Syrien, den Jemen und den Irak ", sagte Ulrika Blom, die Landesdirektorin des norwegischen Flüchtlingsrats, gegenüber der BBC.

"Wenn wir jetzt nicht Schritt machen, wird sich Massenhunger ausbreiten und die Menschen werden sterben. Wir sind im Rennen gegen die Zeit".

Neue bewaffnete Konflikte, eine Verschärfung der aktuellen Konflikte und die Verzögerung von Wahlen haben laut einem Bericht des Internal Displacement Monitoring Centre dazu beigetragen, dass sich die Lage dramatisch verschlechtert hat.

Kongos Informationsminister Lambert Mende bestritt den Bericht und sagte, dass die Zahl der Vertriebenen unter 1 Million liegt. Er sagte gegenüber der BBC, Vertriebene kämen tatsächlich aus benachbarten Ländern zurück.

Ungefähr 5.500 Kongolesen fliehen täglich aus ihren Häusern, heißt es jedoch in dem Bericht. Es gebe vier Millionen Vertriebene im Land und über sieben Millionen Menschen fehle es an ausreichender Nahrung.

Die Situation war bereits vor der jüngsten Eskalation kritisch. Die durchschnittliche Lebenserwartung im Kongo liegt bei unter 60 Jahre Jahren, und mehr als 75 Prozent der Bevölkerung lebt von weniger als 2 Dollar pro Tag.

Seit 1996 ist Malteser International in den östlichen Provinzen des Landes im Einsatz, um eine Grundversorgung aufzubauen, Wasserversorgung und Ernährungssicherung zu verbessern. Zur Arbeit der Malteser gehört auch, für bessere Sanitär- und Hygienebedigungen zu sorgen. Dabei wird nicht nur Kongolesen geholfen, sondern auch Flüchtlingen aus dem benachbarten Südsudan und der Zentralafrikanischen Republik.

Die deutsche Bundesregierung unterstützt mit drei Millionen seit Mitte 2016 die Arbeit von Caritas International: Dabei werden Flüchtlinge aus der Zentralafrikanischen Republik und die aufnehmenden Gemeinden Libenge, Zongo, Mobayi Mbongo und Bosobolo in der Provinz Equateur unterstützt. Das Projekt läuft bis Ende 2017. Das Projekt ist nur eines von mehreren, mit denen Caritas vor Ort hilft. Die katholische Organisation ist seit über 15 Jahren dabei, im Nordosten des Landes Kindersoldaten abzuwerben und demobilisieren, sie psychologisch wie medizinisch zu betreuen.

Inmitten der aktuellen Krise wollen die Helfer auf die Gefährdung ganzer Bevölkerungsgruppen schnell reagieren, aber das Engagement ist bei Maltesern, Caritas und CRS langfristig angelegt. Der humanitäre Notstand ist komplex, und es gibt keine einfachen Lösungen, sagte Sodio.

"Mit einem anfänglichen Fokus auf Notfallmaßnahmen führt CRS auch Entwicklungsprogramme durch, die sich auf Gesundheit, Hygiene, Ernährung und landwirtschaftliche Eingriffe konzentrieren".

Amakala Constantin Sodio weiter: "Die Verbesserung der Lebensqualität von Vertriebenen wird sich langsam vollziehen, da landesweite Anstrengungen unternommen werden, um lokale Systeme zu stärken, damit sie sicher nach Hause zurückkehren können, um ein würdevolles Leben wieder aufzubauen".

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