Distributismus: Die bessere Alternative zu Kapitalismus und Sozialismus?

Ein Gespräch mit Thomas Storck

Der Distributismus schafft eine echte und enge Beziehung zwischen Besitz einerseits und Arbeit oder Produktion andererseits.
Foto: lumix2004 / Pixabay (CC0)
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Es gibt eine katholische Alternative zu Raubtierkapitalismus und Sozialismus, die besser für Mensch, Gesellschaft und die Schöpfung sein kann: Der Distributismus. 

Das Interesse an einem "dritten Weg", der die Stärken von Kapitalismus und Sozialismus hat, aber nicht ihre Nachteile, wächst. Einen solchen haben katholische Intellektuelle formuliert und schon einige erfolgreich ausprobiert. Der Konvertit, Autor und Experte für katholische Soziallehre Thomas Storck stellt im Interview den Distributismus vor.

Martin Bürger: Was genau ist Distributismus? Wie ist er definiert?

Die wahrscheinlich beste Definition des Distributismus ist jene von Cecil Chesterton, dem jüngeren Bruder von G. K., aus dem Jahre 1917: "Ein Distributist ist ein Mensch, der danach strebt, dass die Produktionsmittel, allgemein gesprochen, Privateigentum bleiben, aber dass der Besitz so verteilt sein soll, dass die entscheidende Masse der Familien – idealerweise alle Familien – einen wirksamen Anteil daran haben. Das ist Distributismus, und nichts anderes ist Distributismus. […] Distributismus ist genauso möglich in industriellen oder kommerziellen Gemeinden wie in landwirtschaftlichen […].

Man stelle fest, dass der Distributismus keine landwirtschaftliche Gesellschaft erfordert, sondern auch auf in "industriellen oder kommerziellen" Gesellschaften anwendbar ist.

Es ist ebenso wichtig, darauf hinzuweisen, dass der private Besitz der Produktionsmittel nicht zwangsläufig individuellen Besitz meint. Auch wenn kleine Unternehmen, ja sogar kleinste Unternehmen, in der distributistischen Wirtschaftsordnung eine Schlüsselrolle spielen, so erkennen wir doch an, dass nicht alle Unternehmen auf diese Weise geführt werden können. Was Unternehmen angeht, die notwendigerweise größer sind, so befürworten wir Genossenschaften in Arbeitnehmerhand, wie etwa die sehr erfolgreiche Mondragón-Genossenschaft in Spanien. Der australische Distributist Race Mathews bezeichnet dies in seinem Buch "Jobs of Our Own" als "entwickelten Distributismus". In Europa, den Vereinigten Staaten und anderswo sind Unternehmen in Arbeitnehmerhand nicht unbekannt. Sie sind erfolgreich auf verschiedenen Gebieten, darunter die Herstellung von Waren sowie der Versand- und Einzelhandel.

Was charakterisiert eine distributistische Gesellschaft? Sie haben schon angedeutet, dass sie nicht unbedingt landwirtschaftlich geprägt sein muss …

Genau, der Distributismus verlangt keineswegs nach einer landwirtschaftlichen Gesellschaft – und auch nicht nach einem niedrigen Niveau der Technologie. Abgesehen vom formalen Merkmal des Distributismus – gut verteiltes Privateigentum – würde eine distributistische Gesellschaft versuchen, das wirtschaftliche Handeln dem Gemeinwohl und der Fülle des menschlichen Lebens unterzuordnen. Damit würde eine distributistische Gesellschaft nicht dazu tendieren, nach unbegrenzten Reichtümern streben, sondern nach dem, was reichlich und angemessen ist. Entsprechend könnten die Menschen sich mehr für wichtigere Dinge einsetzen, nämlich die Angelegenheiten Gottes, der Familie, der Freundschaft, des Verstandes und der Künste.

Was ist die distributistische Position bezüglich Zinsen?

Es ist nicht die distributistische Position, sondern die katholische Position. Die Kirche hat nie ihre Lehre zurückgenommen, wonach das Erheben von Zinsen ausschließlich auf der Grundlage eines Darlehens Wucher und damit ungerecht ist. Die Kirche erkennt jedoch gleichzeitig an, dass es oft andere Gründe gibt, die zum gerechten Erheben von Zinsen berechtigen. Man nennt diese Gründe extrinsische Titel, und diese Art von Zinsen ist kein Wucher. Ich habe vor einigen Jahren in einem Artikel für die theologische Zeitschrift "Communio" ausführlich davon gesprochen. Eine kürzere Version des Artikels ist bei "The Josias" abrufbar.

Der Kapitalismus wurde ausprobiert und für erfolgreich befunden. Der Sozialismus wurde ausprobiert und für lebensunfähig befunden.

Ich meine, wir müssen vorsichtig sein, wenn wir vom Kapitalismus reden. Der Kapitalismus unterscheidet sich weltweit erheblich. In Deutschland ist der Kapitalismus mit seiner Mitbestimmung nicht dasselbe wie der Kapitalismus in den Vereinigten Staaten, der eher einer solchen Wirtschaftsordnung gleicht, die von einem "freien Wettbewerb der Kräfte" beherrscht wird, was Pius XI. verurteilte und als "vergiftete Quelle" bezeichnete (Quadragesimo Anno 88). Tatsächlich gibt es in vielen europäischen Ländern entgegenwirkende Kräfte, sowohl politisch als auch kulturell, welche die Tendenz des Kapitalismus zu Materialismus und Ausbeutung mäßigen. Und der Kapitalismus in China oder in Bangladesch funktioniert noch einmal ganz anders.

Wie definieren Sie Kapitalismus?

Ökonomen und Wirtschaftshistoriker sind sich nicht darüber einig, was genau Kapitalismus ist. Papst Pius XI. charakterisierte den Kapitalismus in Quadragesimo Anno 100 als die Teilung von Eigentum und Arbeit, als "jene Wirtschaftsordnung, in der unterschiedliche Leute das Kapital und die Arbeit zur Verfügung stellen, die zusammen für die Produktion benötigt werden". Ich halte dies für die beste Definition. Sie werden feststellen, dass durch die Teilung von Eigentum und Arbeit eine Klasse von Menschen geschaffen wird – die Eigentümer –, die einen Schritt vom tatsächlichen Produktionsprozess entfernt sind. Sie tendieren daher dazu, nicht die Produktion für den Gebrauch als den Zweck wirtschaftlichen Handelns zu sehen, sondern den Verkauf irgendeines Produkts, sei es nützlich oder nicht.

Zweitens sind durch die Schaffung der Trennung zum Arbeitsmarkt – Eigentümer gegen ihre Arbeitnehmer – die Arbeiter immer ein Kostenpunkt für die kapitalistischen Eigentümer, und daher kommt die Tendenz, Gehälter zu kürzen, was historisch betrachtet ein Merkmal des Kapitalismus ist. Erst durch effektive Arbeiterbewegungen und die Gesetzgebung der Regierungen wurden die schlimmsten Eigenschaften des Kapitalismus abgeschafft oder minimiert. Wegen der Mitbestimmung hat der Kapitalismus in Deutschland nur wenige der schlechten Eigenschaften des Kapitalismus, aber das liegt an rechtlichen und kulturellen Normen, die gegen den Hauptpunkt des Kapitalismus arbeiten, nämlich die Teilung von Eigentum und Arbeit. Die Teilnahme von Arbeitern an der Leitung von Unternehmen mildert diese Teilung, und die verpflichtenden Tarifverträge mildern ebenso die Tendenz des Kapitalismus, die Arbeiter bloß als einen Kostenpunkt zu sehen, den man so billig wie möglich halten müsse.

Außerdem ist die Feindseligkeit zwischen der Leitung oder den Eigentümern und den Arbeitern, wodurch der Kapitalismus anderswo, einschließlich der Vereinigten Staaten, gekennzeichnet ist, durch kulturelle Normen minimiert, die einen Sinn für Partnerschaft und Kooperation zwischen Leitung und Arbeitern befördern.

Wenn der Kapitalismus nicht von so etwas wie Mitbestimmung gebändigt wird, würde ich ihn kaum als erfolgreich bezeichnen. Sicherlich war er erfolgreich, was die Produktion von riesigen Mengen Zeug angeht – manchmal nützlich, manchmal nicht. Er war auch ein wichtiger Faktor in der Kommerzialisierung der Gesellschaft, was man deutlich in den USA sieht, wo alles mit Blick auf seinen Geldwert betrachtet wird. Beispielsweise wird ein Studium fast ausschließlich mit höheren Gehältern gerechtfertigt, welche die Absolventen gewöhnlich bekommen.

Der Kapitalismus hat auch unserer physischen Umwelt schwer geschadet, durch seine Tendenz, einen gegenwärtigen Profit für wichtiger zu halten als das das zukünftige Wohlergehen der Menschheit.

Und Sozialismus?

Der marxistische Kapitalismus ist gewiss gescheitert, aber es ist wichtig festzuhalten, dass Sozialismus ein schlüpfriger Begriff ist. Es wurde von Pius XI. hervorgehoben, dass der Sozialismus nicht länger ein Monolith ist wie noch zu Zeiten von Leo XIII. Im Jahre 1931, als Pius Quadragesimo Anno schrieb, war es so, dass die wirtschaftlichen Vorschläge moderater Sozialisten "mitunter jenen recht nahe kommen, auf welchen die christlichen Gesellschaftsreformer gerechterweise pochen" (Quadragesimo Anno 113). Was es einem Katholiken unmöglich macht, ein Sozialist zu sein, sind nicht zwangsläufig die sozialistischen ökonomischen Ideen, sondern das Erbe des antichristlichen Materialismus, das wahrhaft sozialistische Bewegungen mit sich tragen. Man kann dies an der Tatsache sehen, dass europäische sozialistische Parteien, wenn sie an die Macht kommen, ganz willens sind, ihren Frieden mit der bestehenden kapitalistischen Wirtschaftsordnung zu machen, aber nur selten erfolglos Maßnahmen umsetzen, welche die Familie und die Kirche attackieren.

Und wie steht es um den Distributismus? Er wurde sicherlich noch nicht auf der Ebene eines Nationalstaats ausprobiert, oder? Was aber ist mit Ortsgemeinden?

Was den Distributismus betrifft, so war die mittelalterliche städtische Wirtschaftsordnung distributistisch, dominiert von den Handwerkszünften. Die Zünfte versuchten, das wirtschaftliche Handeln so auszurichten, dass die Öffentlichkeit ein Qualitätsprodukt zu einem fairen Preis erhielt und die einzelnen Hersteller adäquat entschädigt wurden. Als Nationalstaaten und Märkte größer wurden, wurde die distributistische Ordnung umgangen oder unterdrückt, um den nationalen Wohlstand und die nationale Macht zu vergrößern. Es gibt aber keinen Grund, warum die grundlegenden Prinzipien des Distributismus nicht heute angewandt werden könnten.

Es gibt heutzutage viele börsennotierte Unternehmen. Ist es falsch, Anteile an solchen Unternehmen kaufen zu können? Ist der Aktienmarkt nicht ein Weg, den Besitz zu verteilen?

Der Aktienmarkt ist keine wünschenswerte Institution. Man kann Aktien besitzen, ohne eine Sünde zu begehen (an der Börse zu spekulieren mag ein andersgelagerter Fall sein), aber das heißt nicht, dass die Institution wirtschaftlich oder sozial vorteilhaft wäre. Es ist ziemlich absurd, dass eine Institution, die nur eine indirekte Beziehung mit der Realwirtschaft hat, oft als Barometer für die Gesundheit der Wirtschaft angesehen wird. Es ist stets die Realwirtschaft der Produktion für den Gebrauch, die wichtig ist, und der Aktienmarkt trägt nur sehr wenig dazu bei. Er kann vielmehr die Realwirtschaft verzerren, indem er allerlei sekundäre und sogar triviale Faktoren beisteuert, welche das Funktionieren der Wirtschaftsordnung destabilisieren. Als der Markt im Jahre 1929 zusammenbrach, dann nicht, weil irgendein reales wirtschaftliches Gut verschwand oder geschlossen wurde – weder landwirtschaftlicher Boden noch Fabriken. Und doch war es dem Aktienmarkt schlussendlich möglich, die Realwirtschaft zu stürzen.

Verteilt der Aktienmarkt den Besitz? Nicht den Besitz, wie ihn Distributisten verstehen! Mit der Definition des Kapitalismus von Pius XI. im Hinterkopf, vermehrt der Aktienmarkt die kapitalistischen Eigentümer, aber sie haben wenig bis keine Beziehung zu dem eigentlichen Produkt des Unternehmens, dessen Anteile sie halten. Manchmal wissen sie kaum, was das Unternehmen überhaupt macht, solange Dividenden ausgezahlt werden oder der Aktienkurs steigt. Tatsächlich ist der Besitz von Aktien sozusagen der kapitalistische Besitz schlechthin, da Aktionäre Leute ohne jede wirkliche Verbindung mit der Firma oder ihren Produkten sind. Und da Anteile ihren Besitzer immer wieder während eines Handelstages wechseln, wird die eigentliche Beziehung zwischen jenen, die rechtlich Eigentümer des Unternehmens sind, und dem Unternehmen selbst sowie seinen Produkten, noch mehr reduziert.

Auf der anderen Seite versucht der Distributismus, eine reale und enge Beziehung zwischen Besitz und Arbeit oder Produktion zu fördern. Darum ist ein Kleinstunternehmen oder ein Unternehmen in Arbeitnehmerhand das Ideal des distributistischen Besitzes.

Der Distributismus kam auf, nachdem Papst Leo XIII. seine Enzyklika Rerum Novarum veröffentlich hatte, die vielleicht erste moderne Sozialenzyklika. Kann man dieses Dokument sowie spätere päpstliche Äußerungen zu ähnlichen Fragen nur distributistisch lesen?

Die Antwort von Katholiken auf Rerum Novarum sowie auf spätere Sozialenzykliken, besonders Quadragesimo Anno, tendierte in zwei Richtungen. Der Distributismus war eher in englischsprachigen Ländern verbreitet, während in Kontinentaleuropa und Lateinamerika ein etwas anderer Ansatz vorherrschte, dessen bester Vertreter Pater Heinrich Pesch SJ (1854–1926) war, Autor des meisterhaften Lehrbuches der Nationalökonomie und anderer Texte. Pesch war Priester und an der Universität zu Berlin ausgebildeter Ökonom. Er nannte sein System Solidarismus. Meiner Meinung nach unterscheiden sich Distributismus und Solidarismus mehr in dem, was sie betonen, als substanziell. Pesch legt mehr Wert auf intermediäre Gruppen, die Zünften ähneln, und Gewerkschaften, um die Wirtschaftsordnung auf Gerechtigkeit und Gemeinwohl hin zu orientieren. Aber beide Systeme haben wichtige Ähnlichkeiten miteinander. Pesch wird als die wichtigste Quelle für die 1931 erschienene Enzyklika Quadragesimo Anno von Pius XI. angesehen. Solidaristische Ideen stehen hinter Mitbestimmung und anderen europäischen Bemühungen, die Arbeiter in die Leitung einzubeziehen, wie Pius XI. in der Enzyklika empfohlen hatte (65). Leo XIII. hatte dies noch früher in Rerum Novarum vorgeschlagen (45 ff.).

Hilaire Belloc wird oft als Begründer des Distributismus beschrieben. G. K. Chesterton ist einer der wichtigsten Vordenker. Weder der eine noch der andere waren ausgebildete Ökonomen. Ist das problematisch?

Chesterton und Belloc wurden beide im 19. Jahrhundert geboren, als es auf Seiten gebildeter Intellektueller noch eine starke Tradition des Interesses an wirtschaftlichen Fragen gab. Tatsächlich war Adam Smith selbst zuvor kein ausgebildeter Ökonom, und David Ricardo auch nicht. Die Ökonomie, oder das wirtschaftliche Wohlergehen der Menschheit, ist wichtig genug, dass jede intelligente Person daran ein Interesse haben sollte. Im 19. Jahrhundert gab es zahlreiche Schulen der Nationalökonomie, die ganz unterschiedliche Ansätze zum Thema boten, beispielsweise die deutsche historische Schule, die den deduktiven und immer mathematischeren Ansatz der entstehenden neoklassischen Schule mied. Daher kommen sowohl Belloc als auch Chesterton aus der Tradition eines intelligenten, nicht spezialisierten Interesses an wirtschaftlichen Fragen, das für ihre Zeit charakteristisch war.

Es hat viele kapitalistische Kritiker des Distributismus gegeben. Haben diese Kritiken einen Wert? Wie würden Sie ihnen antworten?

Ich habe viele Jahre lang mit den Kritikern des Distributismus diskutiert. In vielen Fällen basiert ihre Kritik auf einer libertären Sicht von Wirtschaft und Gesellschaft, die einer Mitbestimmung oder jeder nennenswerten Modifikation des Kapitalismus genauso ablehnend gegenübersteht wie dem Distributismus.

Meiner Meinung nach ist ihr Denken dadurch charakterisiert, dass sie nicht sehen, wie die kommerzielle Gesellschaft, welche der Kapitalismus immer dann hervorbringt und begünstigt, wenn er nicht massiv eingeschränkt wird, im Widerspruch zu den ökonomischen Grundsätzen der Heiligen Schrift und der Soziallehre der Kirche steht. Dies ist besonders in den Vereinigten Staaten der Fall, wo – wie bereits erwähnt – die Art des Kapitalismus, die verteidigt wird, näher an jener Version der freien Marktwirtschaft ist, die von der Kirche ausdrücklich verurteilt worden ist.

Was wäre schließlich zu tun, wollte man eine distributistische Gesellschaft hervorbringen? Welche praktischen Anregungen haben Sie?

In der Enzyklika Quadragesimo Anno, auf die ich so oft Bezug genommen habe, ruft Pius sowohl zu einer Reform der Institutionen als auch zu einer Reform der Sitten auf. Hinsichtlich der ersten Reform könnte das Gesetz kleine Unternehmen sowie die Gründung von Kleinstunternehmen und Unternehmen in Arbeitnehmerhand begünstigen, indem Steuererleichterungen gewährt und Darlehen garantiert werden, neben anderen wohlwollenden Behandlungen. Das Gesetz könnte auch die Verdichtung von Eigentum zu verhindern suchen, etwa durch das Erheben spezieller Steuern oder die Durchsetzung des Kartellrechts. Gleichzeitig müsste das Bewusstsein dafür geschärft werden, dass die Wirtschaft nicht dazu dient, den Einzelnen, oder gar Nationen, reicher zu machen, sondern um die Menschheit mit den Gütern und Dienstleistungen zu versorgen, die für ein wahrhaft menschliches Leben nötig sind und uns die Muße erlauben, unsere Aufmerksamkeit den wichtigeren Dingen zuzuwenden: den Angelegenheiten Gottes, der Familie, der Freundschaft, der Künste und des Verstandes.

In den Vereinigten Staaten, die ich am besten kenne, wird das wirtschaftliche Handeln allgemein als Weg, reich zu werden, gesehen. Der Wunsch, reich zu werden, wird als offensichtliches und vernünftiges Ziel betrachten, trotz der Warnung des heiligen Paulus (1 Tim 6,9), dass "jene, die reich werden wollen, in Versuchung fallen, in die Falle gehen, in viele sinnlose und schädliche Begierden, welche die Menschen in Verderben und Untergang treiben". Die Vereinigten Staaten werden oft als sehr religiös angesehen, als sehr christliches Land, aber das Verständnis des Christentums basiert auf der protestantischen freikirchlichen Tradition, die dazu tendiert, die Religion zu privatisieren, weil sie wenig bis gar nichts mit Wirtschaft oder Wirtschaftsethik zu tun hat. In einer solchen Kultur ist es sehr schwierig für distributistische Ideen, Fortschritte zu machen. Wenn ich von Maßnahmen spreche, um ein dem Distributismus wohlgesinntes Meinungsklima zu schaffen, kann es sein, dass dies mehr auf die Vereinigten Staaten als auf Deutschland oder andere Teile Europas zutrifft, deren Kulturen vom Katholizismus mit seiner kernigen Sorge für das Gemeinwohl der Gesellschaft geformt wurden.

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