Dokumentiert: Die Grußbotschaft von Kardinal Marx an Muslime in Deutschland zum Ramadan

Kardinal Reinhard Marx
Foto: CNA/Daniel Ibanez
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Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) hat sich mit einer Grußbotschaft an die Muslime in Deutschland zum Beginn des islamischen Fastenmonats Ramadan gewandt. Er übermittle - so die DBK-Mitteilung - "die Segenswünsche der Bischöfe und der deutschen Katholiken".

CNA Deutsch dokumentiert den vollständigen Wortlaut der Botschaft.

Der Friede sei mit Ihnen!

Liebe muslimische Gläubige,

im Namen der Deutschen Bischofskonferenz und der katholischen Christen in unserem Land spreche ich Ihnen meine herzlichen Segenswünsche zum diesjährigen Ramadan und zum Fest des Fastenbrechens aus. Der barmherzige Gott möge Ihr Fasten annehmen und Ihre Gebete erhören!

Vielleicht überrascht es manche, wenn ich Ihren Blick heute auf Europa lenke. Aber gerade auch gläubigen Menschen sollte es nicht gleichgültig sein, dass in diesen Monaten der Unterzeichnung der Römischen Verträge vor 60 Jahren gedacht wird. Nach zwei großen Kriegen, die unseren Kontinent und die ganze Welt erschütterten, ist es den Staatsmännern damals gelungen, Grundlagen für den Aufbau eines geeinten, friedlichen und wohlhabenden Europas zu legen. Heute ist der Prozess der Einigung Europas harten Rückschlägen und Anfeindungen ausgesetzt. Missverständnisse und populistische Demagogie prägen manche Debatten – auch in Deutschland. Deshalb sollten wir uns erneut bewusst machen: Die europäische Integration, wie sie vor allem in der Europäischen Union Gestalt angenommen hat, stellt das erfolgreichste Friedens- und Freiheitsprojekt dar, das die Menschen in unserer Weltgegend je gesehen haben.

Dieses Projekt beruht auch auf der Entschlossenheit der Völker, die Voraussetzungen für ein friedliches, für alle bereicherndes Zusammenleben von Menschen verschiedener Herkunft, Kultur und religiöser Überzeugung nicht nur auf der nationalen, sondern auch auf der staatenübergreifenden Ebene zu garantieren und abzusichern. Die Achtung und der Schutz von Freiheit, Menschenwürde und Menschenrechten, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und der Gleichheit aller Staatsbürger ungeachtet ihres religiösen Bekenntnisses – dies alles sind universale Werte, die untrennbar mit der Idee Europas verbunden sind.

Deshalb, liebe muslimische Schwestern und Brüder, appelliere ich auch an Sie: Helfen Sie mit, dass diese Idee Europas lebendig bleibt! Sie trägt dazu bei, Gesellschaften aufzubauen, in denen Fremde und Einheimische, Gläubige und Nichtgläubige gleichermaßen in Frieden, Freiheit und gegenseitiger Achtung miteinander leben können.

Wir alle wünschen, dass in Europa auch künftige Generationen die Früchte dieses zivilisatorischen Fortschritts genießen können. Dazu müssen auch die Religionen ihren Beitrag leisten. In dieser von Krisen und Konflikten geprägten Zeit sind wir gefordert, uns auf die friedensfördernden Potenziale der Religionen zu besinnen. Wir dürfen keine Anstrengungen scheuen, die wahrhaft religiösen Werte und Überzeugungen in den Mittelpunkt zu rücken. Frieden und Gerechtigkeit, Freiheit und Menschlichkeit zeugen von wahrhafter Frömmigkeit. Als religiöse Menschen tragen wir eine besondere Verantwortung für unsere Jugendlichen. Sie haben das Recht, eine Erziehung auf der Grundlage dieser Werte und Überzeugungen zu erhalten, ein Rüstzeug für ihren ganzen Lebensweg.

Verehrte muslimische Gläubige, Sie mühen sich in der 30-tägigen Fastenzeit, den göttlichen Willen zu ergründen und sich für Gottes Stimme besonders zu öffnen. Möge der barmherzige Gott Ihren Ruf erhören, Sie und Ihre Familien in dieser Fastenzeit begleiten und Ihnen beistehen.

Ich wünsche Ihnen im Namen der katholischen Christen in unserem Land eine gesegnete Fastenzeit und ein glückliches Fest zum Ende des Ramadan.

Ihr

Reinhard Kardinal Marx