Eine außergewöhnliche Geste des Papstes während der Generalaudienz

Lidia Maksymowicz mit Papst Franziskus am 26. Mai 2021.
Foto: Vatican Media

Am Rande der heutigen Generalaudienz im Damasus-Hof im Vatikan begegnete Papst Franziskus der Überlebenden des KZ Auschwitz-Birkenau, Lidia Maksymowicz. 

Während des Gespräches zeigte die Holocaust-Überlebende dem Heiligen Vater ihren linken Unterarm mit der eintätowierten KZ-Häftlingsnummer 70072. Papst Franziskus beugte sich vor und küsste ihren Unterarm an dieser Stelle, woraufhin Lidia Maksymowicz den Papst umarmte und ihm ein blau-weiß gestreiftes Halstuch mit dem KZ-Häftlingskennzeichen des roten Dreiecks mit dem Buchstabe „P“ (für polnische KZ-Gefangene) überreichte. „Mit Papst Franziskus verstanden wir uns mit den Augen, wir brauchten nichts zu sagen, es waren keine Worte nötig“, sagte Lidia Maksymowicz den „Vatican News“ nach diesem bewegenden Treffen.

Lidia Maksymowicz, geboren 1940 als Lyudmila Bocharova im Dorf Przybytki in der Nähe von Polozk in Weißrussland, wurde als dreijähriges Kind zusammen mit ihrer Familie und allen Dorfbewohnern beschuldigt, die Partisanen unterstützt zu haben. Sie wurde verhaftet und nach einem Prozess im Dezember 1943 in das KZ-Lager nach Auschwitz-Birkenau transportiert. Dort, in der Kinderbaracke, musste sie die Regeln des Lagerlebens unter extremen Lebensbedingungen lernen und wurde zum Opfer von grausamen Versuchen des SS-Arztes Josef Mengele.

Als eine der letzten Auschwitz-Überlebenden in Europa fühlt sich die in Krakau lebende Maksymowicz verpflichtet, über all diese Gräueltaten, die dort geschehen sind und die sie an eigenem Leibe erfahren hat, weiteren Generationen zu berichten.

Lidia Maksymowicz befindet sich derzeit auf Einladung des Vereins „Memoria Viva“ in Italien, um jungen Menschen von ihrem Zeugnis zu erzählen. Sie wurde zur Protagonistin des Dokumentarfilms „70072, das Mädchen, das nicht hassen konnte“ [La Bambina che non sapeva odiare], der während dieser Begegnungen gezeigt werden wird. Lidia Maksymowicz wollte den Besuch in Italien nutzen, der aufgrund der Pandemie mehrmals verschoben wurde, um auch kurz nach Rom (als Gast der polnischen Botschaft) zu kommen und den Heiligen Vater zu treffen, den sie, nach dem vor 16 Jahren verstorben hl. Johannes Paul II., sehr liebe, ihm treu sei und jeden Tag für ihn bete, erklärte sie den „Vatican News“.

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