Erstmals gehört weniger als die Hälfte der Amerikaner einer Religion an

Leere Kirche in den USA
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In gewisser Weise sind die neuesten Zahlen des Meinungsforschungsinstituts Gallup zur Religionszugehörigkeit in den USA kaum berichtenswert, heißt es in einem Artikel des "National Catholic Register". Die Zahl der Angehörigen von Religionsgemeinschaften ist seit der Jahrtausendwende stetig gesunken, und der Rückgang von 3 Prozent zwischen 2018 und 2021 ist schlichtweg der Lauf der Dinge.

Aber während der schrittweise Rückgang nicht besonders bemerkenswert ist, so ist es doch eine historische Schwelle, die nun überschritten wurde.

Zum ersten Mal sagt weniger als die Hälfte der Amerikaner, dass sie einer Kirche oder einer anderen Religionsgemeinschaft angehören. Die Quote, die jahrzehntelang bei 70 Prozent lag, bevor sie im Jahr 2000 allmählich sank, liegt jetzt nur noch bei 47 Prozent.

Stephen Bullivant, Professor für Theologie und Soziologie an der St. Mary's University in Großbritannien, bezeichnete die Zahl von unter 50 Prozent als "symbolischen Marker".

"Dies ist ein weiterer kleiner Datenpunkt neben sehr vielen, die alle, zum größten Teil, in eine einzige Richtung zeigen", sagte Bullivant, Autor von "Mass Exodus: Catholic Disaffiliation in America and Britain Since Vatican II": "Und das ist der Niedergang des christlichen Amerika."

Bullivant wies darauf hin, dass, obwohl der spürbare Rückgang der Kirchenmitgliedschaft um das Jahr 2000 begann, die Faktoren, die diesen Trend anstießen, schon seit Generationen bestehen. Frühere Rückgänge, z. B. bei der Teilnahme an Gottesdiensten oder der Befolgung der Sittenlehre des eigenen Glaubens, tragen zu einer allgemeinen Schwächung der Religiosität bei, die von einer Generation zur nächsten weitergegeben wird.

Daher ist es nicht überraschend, dass sich der Rückgang der Kirchenmitgliedschaft größtenteils durch einen einfachen Generationswechsel manifestiert, da die weniger religiösen jüngeren Generationen allmählich die religiöseren äteren Generationen ersetzen. Die Gallup-Studie stellte beispielsweise fest, dass nur etwa ein Drittel der Millennials, also der zwischen 1981 und 1996 Geborenen, einer Kirche angehörten, aber rund zwei Drittel der vor 1947 Geborenen.

Die von der Studie aufgezeigten Gesamttrends scheinen sich in katholischen Kreisen besonders zu verschärfen.

Seit dem Jahr 2000 ist die Rate der Kirchenmitgliedschaft unter den sich als katholisch bezeichnenden Amerikanern doppelt so schnell gesunken (um 18 Punkte auf 58 Prozent) wie unter den Protestanten (um neun Punkte auf 64 Prozent). Und obwohl der in dieser Studie verwendete Begriff der "Mitgliedschaft" sich von dem in der katholischen Theologie verwendeten unterscheidet, der den Taufstatus betont, sind diese Zahlen dennoch ernüchternde Realitäten für Kirchenvertreter und Gläubige.

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