Erzbischof von Aleppo: Neue Sanktionen gegen Syrien sind "diabolisch"

Seit Jahren Schauplatz bewaffneter Auseinandersetzungen: Zerbombte Fahrzeuge in Aleppo, 2012.
Foto: VOA/Scott Bobb via Wikimedia (Gemeindrei)

"Heute sagt jeder in Aleppo: Unter den Bomben ging es uns besser". Mit dieser paradoxen Übertreibung umschreibt der maronitische Erzbischof von Aleppo, Joseph Tobji, dass in der syrischen Metropole vorherrschende Gefühl, nachdem mit dem sogenannten "Caesar Act" weitere Wirtschaftssanktionen von den USA gegen Syrien verhängt wurden.

Das berichtet "Fides", das Presseorgan der Päpstlichen Missionswerke.

Zu den neuen US-Sanktionen kommen die von der Europäischen Union, die für ein Jahr verlängert wurden. Maßnahmen, die gerade die von jahrelangen Kriegen erschöpfte Bevölkerung hart treffen, während die Coronavirus-Pandemie auch in Syrien Opfer fordert.

"Die Bombe kommt unerwartet", fügt der maronitische Erzbischof im Gespräch mit "Fides" hinzu, "und tötet Menschen an der Stelle, an der sie einschlägt. Heute gibt es in Syrien echten Hunger, und Millionen von Menschen nähern sich sehenden Auges einem langsamen und angekündigten Tod und ohne mögliche Fluchtwege".

Das vom syrischen Erzbischof beschriebene Szenario ist objektiv bedrückend: "Der Wert der syrischen Lira", beklagt er gegenüber Fides, "ist dramatisch gesunken: Vor dem Krieg entsprach ein Dollar 50 syrischen Lira, jetzt braucht man fast dreitausend, um einen Dollar zu kaufen, und das Durchschnittsgehalt eines Arbeitnehmers blieb das von damals: 50.000 Lire, praktisch weniger als zwanzig Euro. Geschäfte schließen, kleine Unternehmen schließen, jeder versucht mit dem zu überleben, was er findet. Diejenigen, die das Geld bei den Banken im Libanon angelegt haben, können es aufgrund der libanesischen Finanzkrise nicht einmal abheben. In Krankenhäusern fehlen die notwendigen Medikamente und Geräte für lebensrettende Operationen. Wenn man sich mit den Nöte und Leiden der Familien befasst, hört man Geschichten zum Weinen. Es könnte schlimmer nicht sein."

Das im vergangenen Dezember von beiden Parteien im US-Kongress unterstützte Paket von Sanktionen richtet sich gegen syrische Truppen und andere, die während des Bürgerkriegs in Syrien Gräueltaten verübt haben. "Aber der Vorwand der gezielten Sanktionen”, so der maronitische Erzbischof von Aleppo, "ist eine Lüge, die nicht einmal ein Kind glauben würde. Jeder sieht bestens, was das eigentliche Ziel ist: das Leiden in der Bevölkerung zu erhöhen, um die Unzufriedenheit der Bevölkerung zu schüren und so einen Regimewechsel hervorzurufen. Aber diese Art zu handeln ist kriminell. Ein ganzes Volk in einer Zeit wie dieser, in der es auch das weltweite Gespenst der Pandemie gibt, in derart Bedrängnis zu bringen, ist terroristisch, unmenschlich. Und ein Zeichen dafür, dass man bereit ist, alles zu tun, um die eigenen Ziele zu verfolgen, auch dazu, Millionen von Menschen, Armen und Familien zu opfern. Es ist eine diabolische Aktion."

In dieser Situation ist es in Aleppo laut "Fides" auch für Erzbischof Tobji vorrangig zu versuchen, die ersten Anzeichen eines Neustarts zu erhalten, die mit dem Ende des Konflikts eingetreten waren. Nächsten Monat, so Erzbischof Tobji gegenüber Fides, "werden wir die maronitische Kathedrale nach zweijähriger Restaurierung, die durch die während des Krieges erlittenen Verwüstungen notwendig wurde, wieder einweihen. Was bleibt uns übrig? Wir versuchen auf jeden Fall, auch in dieser Situation weiterzumachen, indem wir kleine Zeichen der Hoffnung nutzen. Wir bitten die Brüder und Schwestern auf der ganzen Welt um ihre Gebete. "

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