Erzbistum Hamburg: Überschuldung auf rund 94 Millionen Euro angestiegen

Domkirche St. Marien in Hamburg
Foto: Ajepbah (CC BY-SA 3.0)

Die bilanzielle Überschuldung des Erzbistums Hamburg ist auf rund 94 Millionen Euro angestiegen. Dies teilte die Pressestelle am vergangenen Montag mit. Demnach hat der Wirtschaftsrat des Erzbistums Hamburg den Jahresabschluss für das Jahr 2019 gebilligt, der "mit einem Jahresfehlbetrag von 14,8 Millionen Euro" schließt, so das Bistum.

Im Erzbistum Hamburg ist die finanzielle Situation schon länger eine angespannt. Wie CNA Deutsch bereits im Juni berichtete, musste unter anderem die "Bernostiftung" aufgelöst werden, die bislang katholische Schulen in Rostock und Schwerin in ihrer Trägerschaft hatte. Der Verwaltungsdirektor im Erzbischöflichen Generalvikariat, Alexander Becker, hatte erklärt, dass dieser Einschnitt auf den "Hintergrund des Erneuerungsprozesses im Erzbistum und unseres eingeschlagenen Sanierungskurses sowie der jetzt durch die Corona-Pandemie noch einmal verschärften negativen Entwicklung der Kirchensteuereinnahmen" zurückzuführen sei.

Insgesamt beläuft sich die bilanzielle Überschuldung des Erzbistums Hamburg trotz der Sparmaßnahmen mittlerweile auf rund 94 Millionen Euro. Verwaltungsdirektor Becker räumte ein:

"Trotz höherer Gesamterträge und großer Kostendisziplin konnten wir im vergangenen Jahr kein positives Ergebnis erzielen. Wesentlich war, dass wir für das Krankenhaus Groß Sand in Hamburg-Wilhelmsburg eine zusätzliche Rückstellung in Höhe von 25 Millionen Euro bilden mussten."

Becker berichtete, dass der unterbrochene Verkaufsprozess für dieses Krankenhaus wieder aufgenommen worden sei und das Erzbistum die Kosten tragen müsse, die mit dem angestrebten Verkauf des Hauses verbunden seien. Das Krankenhaus habe seit geraumer Zeit einen monatlichen Zuschussbedarf in sechsstelliger Höhe, so Becker.

Das Erzbistum teilte weiter mit, dass der Wirtschaftsrat auch die Jahresabschlüsse des Erzbischöflichen Stuhls zu Hamburg und des Erzbischöflichen Amtes Schwerin "mit positiven Eigenkapitalabschlüssen in Höhe von 66,5 bzw. 8,9 Millionen Euro" gebilligt habe.

Weitere Einbrüche durch Corona-Pandemie?

Weitere befürchtete Einbrüche bei den Kirchensteuer-Einnahmen aufgrund der Coronavirus-Pandemie seien "etwas abgemildert", teilte das Erzbistum Hamburg mit. Man gehe derzeit von einem Rückgang in Höhe von etwa zwölf Millionen Euro aus. "Allerdings wissen wir noch nicht, wie sich der Lockdown im November auswirken wird", so Mathias von Waldenfels, Leiter des Controllings im Erzbistum.

Als Gegenmaßnahmen seien Einsparungen in verschiedenen Bereichen vorgenommen worden und geplante Neueinstellungen seien zum Teil ausgesetzt worden. Diesen Kurs gelte es fortzusetzen. Für das kommende Jahr sei überhaupt nicht vorauszusehen, wie sich die weitere Entwicklung der Corona-Krise auf die Kirchensteuer auswirke.

Deutschlandweit drohen den Bistümern weitere finanzielle Einbußen. Zum einen hat die Corona-Pandemie den Rückgang an Kirchensteuer-Einnahmen beschleunigt. Hauptgrund ist jedoch der Anstieg an Kirchenaustritten. Laut Statistik geben vor allem jüngere Menschen als Grund für ihren Austritt die Zahlung der Kirchensteuer an, während ältere Menschen oft den Vertrauensverlust durch die Missbrauchskrise zum Anlass nehmen (lesen Sie hierzu die Analyse von CNA Deutsch Chefredakteur Anian Christoph Wimmer).

Missbrauch: Erzbischof Heße in der Kritik

Zusätzlich zur finanziellen Krise des Erzbistums Hamburg steht auch die Bistumsleitung in Person des Erzbischofs Stefan Heße in der Kritik. Verschiedene Medienberichte warfen dem Geistlichen vor, zu seiner Zeit als Personalchef des Erzbistums Köln möglicherweise an der Vertuschung von sexuellem Missbrauchs beteiligt gewesen zu sein.

Heße sei laut der "Bild"-Zeitung und anderen Medienberichten zufolge in "Erklärungsnot" geraten, was den Fall eines heute 69 Jahre alten Priesters betrifft, der in den 1990er Jahren seine minderjährigen Nichten über Jahre schwer sexuell missbraucht haben soll. 

Ende Oktober teilte das Erzbistum Köln schließlich mit, dass einige "in der Öffentlichkeit diskutierte Informationen nicht belastbar sind, teilweise Interpretationen darstellen und sich Sachverhalte vermischen". CNA Deutsch hat die Stellungnahme im Wortlaut dokumentiert.

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