Katholiken in Frankreich und England kämpfen gegen Gottesdienstverbote

Frankreichs Bischöfe scheitern vor Gericht mit Klage gegen Messe-Verbot – Britische Petition gegen Gottesdienstverbot erhält 30.000 Unterschriften

Mundschutz auf einem der berühmten Wasserspeier von Notre Dame.
Foto: Viacheslav Lopatin via Shutterstock

Während in im deutschsprachigen Europa weiterhin der Kirchgang möglich ist, ist in vielen Nachbarländern die Teilnahme an heiligen Messen verboten. Die Bischöfe und engagierte Katholiken in Frankreich und Großbritannien setzen sich dagegen bislang erfolglos zur Wehr.

In Frankreich bleibt die öffentliche Feier der heiligen Messe mindestens eine weitere Woche lang verboten. Erlaubt und möglich dagegen ist weiterhin das persönliche Gebet in der Kirche.

Am Samstag hat der Staatsrat entschieden, ein "référé liberté" der Bischöfe und mehrerer Laienvertreter abzulehnen: Die Berufungsklage ist damit gescheitert. 

Die aktuellen Vorschriften in Frankreich sollen bis zum 16. November überprüft werden, um ihre Angemessenheit und Verhältnismäßigkeit zu beurteilen. Dies "setzt die baldige Einleitung eines Konsultationsprozesses mit allen Vertretern der Religionen voraus, der die Bedingungen festlegen soll, unter denen sich diese Einschränkungen entwickeln könnten", so der Conseil d'Etat.

Die französische Bischofskonferenz kommentierte, dass sie "ungeduldig auf diese angekündigte Konsultation wartet". Die Bischöfe bedauerten die Entscheidung und betonten in einer Erklärung: "Wir teilen die Traurigkeit der Gläubigen".

Der Bischofskonferenz-Vorsitzende, Erzbischof Eric de Moulins-Beaufort von Reims, war einer der Kläger.

Das schwierige Abwägen des Grundrechts der Religionsfreiheit mit dem Kampf zur Eindämmung einer Ausbreitung des Coronavirus inmitten der zweiten Infektionswelle in Europa. 

In diesem Jahr gab es in Frankreich mehr als 1,7 Millionen Coronavirus-Fälle, was laut dem Johns Hopkins Coronavirus Research Center zum Tod von 40.220 Menschen geführt hat.

Französische Gesundheitsbehörden berichteten, dass am 2. November 25.143 Menschen mit Covid-19 ins Krankenhaus eingeliefert wurden.

Kardinal Vincent Nichols in der Kathedrale von Westminster am 9. Juni 2020. (Bild: Mazur/cbcew.org.uk)

Auch im Vereinigten Königreich ist im Zuge des von Premierminister Boris Johnson am 31. Oktober verhängten Lockdowns die öffentliche Feier des heiligen Messopfers zum zweiten Mal in diesem Jahr verboten worden. 

Die Bischöfe von England und Wales haben sich dagegen gewehrt: Der Londoner Kardinal Vincent Nichols, der gestern seinen 75. Geburtstag feierte, hatte zusammen mit Erzbischof Malcolm McMahon von Liverpool der Regierung in einem geharnischten Schreiben die Entscheidung verurteilt.

"Wir haben zwar Verständnis für die vielen schwierigen Entscheidungen, vor denen die Regierung steht, aber wir haben noch keinerlei Beweise dafür gesehen, dass das Verbot des Gemeinschaftsgottesdienstes mit all seinen menschlichen Kosten zu einem produktiven Bestandteil der Bekämpfung des Virus werden könnte.  Wir fordern die Regierung auf, diese Beweise vorzulegen, die die Einstellung von Handlungen des öffentlichen Gottesdienstes rechtfertigen", schreiben die Hirten.

Britische Katholiken haben mittlerweile über 30.000 Unterschriften mit einer Petition gesammelt, in der sie öffentliche Gottesdienste feiern.

Die Petition wird nicht ohne Folgen bleiben: Sie ist eine offizielle Unterschriftensammlung – und die britische Regierung und Parlament sind verpflichtet, solche zu beantworten, wenn sie über 10.000 Unterschriften erhalten.

In Großbritannien wurden bis zum 8. November insgesamt 49.044 Todesfälle infolge von Covid-19 gemeldet. Die Zahl der Neuinfektion binnen 24 Stunden lag gestern bei 20.572. Nach Einschätzung des Gesundheitsministeriums "stabilisiert" sich die Zahl der neuen Infektionen derzeit.

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