Hat Pontius Pilatus wirklich existiert? Das ist der archäologische Nachweis

Ecce homo! Seht, da ist der Mensch! (Joh 19,5) - Antonio Ciseris Darstellung von Pontius Pilatus entstand 1871.
Foto: Wikimedia (Gemeinfrei)
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Gab es den biblischen Pontius Pilatus? Eine kürzlich ausgestrahlte Sendung des TV-Senders CNN hat erneut Fragen zur historischen und archäologischen Evidenz der Existenz von Pontius Pilatus aufgeworfen, dem Statthalter in Judäa zur Zeit des Prozesses und der Kreuzigung Jesu.

Unter dem Titel "Die Pontius-Pilatus-Inschrift" widmete sich die erste Folge der zweiten Staffel der Serie Finding Jesus ("Jesus begegnen") der Details aus dem Leben des römischen Präfekten, der Jesus Christus verurteilte und kreuzigen ließ.

Welche archäologischen Beweise gibt es für die Existenz des Pilatus?

1961 entdeckte eine Gruppe von Archäologen unter Leitung von Dr. Antonio Frova in Caesarea Maritima, einer alten römischen Stadt an der Küste des Mittelmeers in Israel, ein Kalkstein-Fragment, auf dem der Name Pontius Pilatus eingemeißelt war.

Das Fragment ist ca. 82 cm hoch und 65 cm breit und befindet sich heute im Israels-Museum (in Jerusalem). Die Inschrift ist in lateinischer Sprache angefertigt und der Stein war in den unteren Absatz eines Treppenaufgangs im Amphitheater von Caesarea eingelassen.

Die Inschrift verweist auf die Verbindung zwischen diesem Bau und Pontius Pilatus und wird beispielsweise folgendermaßen interpretiert:

"Pontius Pilatus, Präfekt von Judäa, erbaute (und) weihte das Tiberieum".

Die eingemeißelte Information stimmt mit der Regierungszeit des Kaisers Tiberius zwischen 14 und 37 nach Christus überein, ebenso mit den Angaben, die man im Neuen Testament findet. Lukas verweist in seinem Evangelium zum Beispiel auf Pilatus als römischen Statthalter von Judäa zur Zeit der Regierung des Kaisers Tiberius.

Auch mehrere heidnische  Geschichtsschreiber dieser Zeit erwähnen den römischen Präfekten.

Publius Cornelius Tacitus, ein römischer Historiker des 1. Jahrhundert, nennt ihn beiläufig: "Der Urheber jenes Namens, Christus, wurde während der Regierung des Tiberius durch den Prokurator Pontius Pilatus hingerichtet."

Beschreibung von Flavius Josephus

Der römisch-jüdische Historiker Flavius Josephus, der zwischen 66 und 70 n. Chr. am Jüdischen Krieg teilgenommen hatte, schrieb über ihn im Jahr 93:  

"Um diese Zeit lebte Jesus, ein weiser Mensch, wenn man ihn überhaupt einen Menschen nennen darf. Er war nämlich der Vollbringer ganz unglaublicher Taten (…). So zog er viele Juden und auch viele Heiden an sich. (…). Und obgleich ihn Pilatus auf Betreiben der Vornehmsten unseres Volkes zum Kreuzestod verurteilte, wurden doch seine früheren Anhänger ihm nicht untreu. Denn er erschien ihnen am dritten Tage wieder lebend."

Auch Philo von Alexandria, Zeitgenosse Jesu, beschrieb Pilatus als grausamen Menschen, charakterisiert "durch seine Bestechlichkeit, seine Gewalttätigkeit, seine Räubereien, Misshandlungen, Beleidigungen, fortgesetzte Hinrichtungen ohne Gerichtsverhandlung, sowie seine unaufhörliche und unerträgliche Grausamkeit."

Über das "wie" und "wo" Pontius Pilatus starb, weiß man nur wenig. Es gibt jedoch verschiedene Hypothesen, wie dass er Selbstmord beging, nachdem er in Ungnade gefallen war oder dass er nach Gallien verbannt wurde und dort starb.

Es gibt auch einige, die glauben, Pontius Pilatus hätte sich vor seinem Tod zum Christentum bekehrt oder hätte – laut apokryphen Texten – das Martyrium erlitten.

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