Himmlisches Paradox

"Farbloses Schleiergewebe aus Muschelseide": Der Volto Santo in der Michaelskirche in Manoppello
Foto: EWTN / Paul Badde
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Am heutigen Montag, 18. Mai 2020, beendet Papst Franzisus persönlich die gottesdienstlose Zeit im Petersdom um 7:00 Uhr in der zweiten rechten Seitenkapelle hinter Michelangelos Pietà am Grab des heiligen Johannes Paul II an dessen 100. Geburtstag.

Von einer Normalität oder eine Wiederkehr normaler Gottesdienste kann aber noch lange keine Rede sein. Die Medien kommen kaum nach, Tag für Tag die jeweils neuesten Hygiene- und Sicherheitsbestimmungen bekannt zu machen, die für Gottesdienstbesuche bis auf weiteres gelten sollen. 

So ist es ein himmlisches Paradox oder eine Fügung des heiligen Johannes Paul oder beides, dass ausgerechnet in diesem Jahr, wo der Corona-Lockdown erstmals seit dem Jahr 1703 in Manoppello keine Prozession mit dem "Heiligen Gesicht" zulässt, vielleicht mehr Menschen in ganz Italien mit der einzigartigen Reliquie bekannt gemacht werden als je zuvor. Das hat wesentlich mit der Predigt zu tun, die Monsignor Bruno Forte, der Erzbischof von Chieti und Vasto,  für das Hochamt vorbereitet hat, in dem er an diesem Montag am Fest des "Volto Santo" als Haupzelebrant den 100. Geburtstag Karol Wojtylas feiert, der als Johannes Paul II. die Welt aus den Angeln gehoben hat. 

Über den TV-Kanal "Rete8" und die Webseite Volto Santo sowie der Kommune Manoppello lässt sich das Ereignis weltweit live verfolgen – ohne den epidemiologischen Alptraum der jährlichen Pilgermengen, die das Abruzzenstädtchen gewöhnlich an diesem Fest bevölkern.

Zur Eucharistiefeier mit dem Erzbischof werden in der San Nicola-Kirche nur 68 handverlesene Gäste zugelassen. Feuerwerk und Musik fallen aus. Stattdessen werben die Kapuziner der Basilika mit einem schönen Dokumentarfilm mit dem Titel "Il Volto Ritrovato di Gesù" (Das wiedergefundene Antlitz Jesu) für ihren einzigartigen Schatz.  Himmlisches Paradox also. Wie noch nie zuvor wird sich der Focus am 100. Geburtstag Johannes Pauls auf das Heilige Gesicht in Manoppello selber richten, das bis zum Jahr 1527 im Petersdom in Rom "Sanctum Sudarium" (Heiliges Schweißtuch) genannt wurde, in dem die Christenheit bis dahin die "nicht-von-Menschenhand-gemalte"  wahre Ikone des Angesichts Gottes in Christus verehrte.

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