Rassismus-Debatte nach Kommentar deutschen Kirchenrechtlers über Kölner Priester

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Foto: Markus Spiske / Unsplash (CC0)

Der Kirchenrechtler Thomas Schüller (Universität Münster) hat auf Facebook um Entschuldigung gebeten für einen von ihm verfassten Facebook-Kommentar. Darin hatte Schüller einen Kölner Priester auf dessen asiatische Herkunft reduziert. Dieser hat inzwischen die Entschuldigung angenommen, betont jedoch: Der Kampf gegen Rassismus sei damit nicht beendet.

Der entsprechende Kommentar wurde inzwischen gelöscht, am Dienstagmorgen entschuldigte sich der Kirchenrechtler zudem in einem weiteren Kommentar und bezeichnete seine Aussage als "falsch und unbedacht und glatt vorbei an dem, was ich eigentlich kritisieren wollte".

Ausgangspunkt war ein Interview des Kölner "Domradio" mit dem Leiter der Berufungspastoral des Erzbistums Köln, Pfarrer Regamy Thillainathan. Der Kölner Priester verteidigte darin die zölibatäre Lebensweise der Priester und wies die Behauptung zurück, dass die geforderte Ehelosigkeit sexuellen Missbrauch durch Kleriker begünstige. Ein weiterer Mitarbeiter des Erzbistums hatte dieses Interview auf Facebook geteilt, woraufhin sich Schüller über seinen privaten Facebook-Account in die Diskussion einschaltete.

"Mit Pippi Langstrumpf: Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt", schrieb Schüller in Replik auf Thillainathans Verteidigung des Zölibats. Dessen Äußerungen seien "partiell am Rande der verbalen Beleidigung". Schüller fügte spöttisch hinzu: "Aber die Asiaten meinen es ja immer gut."

In den Sozialen Medien entbrannte eine Diskussion um Schüllers Kommentar, nachdem zuvor Pfarrer Regamy Thillainathan in einem weiteren "Domradio"-Interview den "strukturellen Rassismus" innerhalb der Kirche beklagt hatte.

Thillainathan zeigte sich enttäuscht: "Leider sind solche Aussagen – auch von Profs und kirchlichen Mitarbeitenden – keine Ausnahmen", so der Geistliche wörtlich in einem Tweet. Wahrscheinlich gebe es für alles "wie immer eine gute Erklärung", fügte Thillainathan in einem späteren Tweet an. Oft bekomme er bei solchen Vorfällen zu hören: "Ich soll mich 'nicht so anstellen. Es gibt Wichtigeres als Rassismus'!".

Schüller: Äußerungen waren "falsch und unbedacht"

Am Montagabend waren das Facebook-Profil wie auch der Twitter-Account von Thomas Schüller kurzzeitig nicht mehr erreichbar. Am Dienstag schrieb der bekannte Kirchenrechtler, nachdem zwischenzeitlich seine ursprüngliche Äußerung entfernt wurde, eine Entschuldigung.

"Sie war falsch und unbedacht und glatt vorbei an dem, was ich eigentlich kritisieren wollte. Sorry!"

Pfarrer Thillainathan bedankte sich auf Twitter für die Entschuldigung. "Im Sinne einer christlichen Fehlerkultur, die von Einsicht und Verzeihung lebt, nehme ich sie gerne an", so der Leiter der Berufungspastoral.

Gegenüber CNA Deutsch berichtete er am Dienstag, dass er die Äußerung zunächst nicht bemerkt habe. "Verärgert haben mich Kommentare von Anderen, die eine solche Äußerung zu rechtfertigen versuchten", so der Priester.

Thillainathan: Kampf gegen Diskriminierung geht weiter

Strukturellen Rassismus gebe es in der Kirche genauso wie andere Arten von Diskriminierung sowie auch Machtmissbrauch, bekräftigte er. Wenn man dies verneine, gebe man "diesen dunklen Realitäten Raum und Macht". Gegenüber CNA Deutsch sagte Thillainathan wörtlich:

"Bei all den Diskussionen in der Kirche wird momentan zynisch und polemisch agiert. Das gilt leider für alle kirchenpolitische Lager. Wir sprechen in der Kirche von Respekt und Würde und meinen aber, dass Menschen sich diese verdienen müssen. Einfaches Beispiel: wenn ich so handle und spreche, wie bestimmte Menschen dies von mir wünschen, bin ich ein Kölner Priester. Wenn ich aber eine andere Meinung vertreten will: der Inder, der Asiate."

Persönlich habe sich Thomas Schüller seit dem Vorfall noch nicht bei ihm gemeldet, erklärt Thillainathan. "Für mich ist diese Episode auch abgeschlossen – der Kampf gegen Rassismus und Diskriminierung aber nicht!"

CNA Deutsch hat sowohl Schüller als auch die Katholisch-Theologische Fakultät der Westfälische Wilhelms-Universität Münster, bei der Schüller angestellt ist, um eine Stellungnahme gebeten. Die Anfrage blieb bislang unbeantwortet (Stand 12. Januar 2021, 16:45 Uhr).

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