Not, Elend und Proteste: Haitis Bischöfe rufen Jahr des Gebets aus

Proteste in Port-au-Prince drew nearly 2,000 am 13. Juni 2019.
Foto: Chandan Khanna/AFP/Getty Images
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Die katholischen Bischöfe von Haiti haben ein Jahr des Gebets und der Anbetung für das Land ausgerufen, angesichts der neuen Proteste und Unruhen im Land.

"Das Elend ist so groß und die Unsicherheit so destabilisierend geworden, dass der Baum der Hoffnung ausgerissen worden ist", teilte die haitianische Bischofskonferenz laut Medienberichten mit.

Seit Monaten erschüttern Proteste die verarmte Nation, nachdem ein offizieller Auditbericht die Frage nach dem Verbleiben mehrerer Milliarden Dollar aufgeworfen hat, die eigentlich einkommensschwachen haitianischen Bewohnern zugute kommen sollten.

Der 600 Seiten starke Bericht, der am 31. Mai veröffentlicht wurde, wirft mehreren Regierungen schwere finanzielle Korruption vor.

Demonstranten haben Präsident Jovenel Moise zum Rücktritt aufgefordert.

Im Mittelpunkt der Kontroverse steht das PetroCaribe-Programm, das von Venezuela vor seinem wirtschaftlichen Zusammenbruch ins Leben gerufen wurde, und über das es Öl an nahe gelegene Länder verliehen hat, wobei die Zahlungen um bis zu 25 Jahre verschoben wurden.

Haiti, das ärmste Land der Region, trat dem Programm 2006 bei. Das eingesparte Geld sollte in Infrastruktur, Sozialprogramme und Gesundheitsprojekte investiert werden.

Jedoch befand der Auditbericht, dass zwei Milliarden Dollar fehlten, berichtete das "Time Magazine".

Der Bericht legt nahe, dass Moise vor seinem Amtsantritt im Jahr 2017 Gelder unterschlagen hat, darunter 1 Million Dollar für den Einbau einer Landstraße, die zweimal bezahlt wurde, berichtete der "Miami Herald".

Moise hat die Vorwürfe bestritten und mitgeteilt, dass er sein Amt nicht vor Ablauf seiner Amtszeit in drei Jahren niederlegen werde.

Die Proteste sind mittlerweile gewalttätig geworden. Schulen und Unternehmen wurden geschlossen, und Straßensperren beeinträchtigen die Verteilung von Lebensmitteln, Wasser und Medikamenten.

Angesichts dieser düsteren Realität sagten die Bischöfe von Haiti, dass das kommende Jahr - das bis zum Pfingstfest am 31. Mai 2020 dauern wird - dem Gebet um Hoffnung und einer Beseitigung der Korruption im Land gewidmet sein wird.

"Hat der Herr nicht immer auf die Stimme seines Volkes gehört, das nach ihm schreit? Sind wir nicht sein Volk, seine Herde?"

Jede Diözese wird im Rahmen des Gebets- und Anbetungsjahres spezifische Veranstaltungen organisieren, so Medienberichte weiter.

Die Bischöfe riefen das Volk von Haiti auf, im kommenden Jahr einzeln und in Gebetsgruppen zu beten, um "das Schicksal unseres Landes und unseres Volkes zu weihen und Gott wiederzugeben".

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