Papst Franziskus: Das Jugendalter ist keine Pathologie und man darf es nicht so behandeln

Papst Franziskus mit einer Gruppe Kinder am 31. Mai 2017 auf dem Petersplatz
Foto: CNA / Daniel Ibanez

In seiner Rede an die Teilnehmer des Pastoralkongresses der Diözese Rom in der Lateranbasilika hat Papst Franziskus ermutigt, die Jugendzeit der eigenen Kinder mit Verständnis zu leben und sich die Bedeutsamkeit dieser Phase gegenwärtig zu machen, der man nicht mit Angst begegnen solle, denn "das Jugendalter ist keine Pathologie."

 

Der Heilige Vater stellte Betrachtungen zu dem Thema an, das im Zentrum des Kongresses stehen wird und das "wichtig für das Leben unserer Familien ist: Die Eltern in der Erziehung der jugendlichen Kinder begleiten."

Franziskus erläuterte einige Ansichten zu dazu.

Er nahm Bezug auf den typisch römischen Dialekt, um über die Charakteristiken, Schwierigkeiten und guten Seiten zu reden, die es mit sich bringt, in einer Großstadt eine Familie zu gründen und dort die Kinder zu erziehen, "mit all ihrem Reichtum, ihren Möglichkeiten, ihrer Verschiedenartigkeit, aber gleichzeitig auch mit ihren Herausforderungen."

"Das Familienleben und die Erziehung der Jugendlichen in einer großen Metropole wie dieser bedarf besonderer Aufmerksamkeit für die Grundpfeiler der Erziehung" erklärte er. Wir dürfen das nicht auf die leichte Schulter nehmen, denn es ist nicht dasselbe, eine Familie in einem kleinen Dorf zu sein, als in einer Großstadt".

Franziskus berichtete von einigen Erfahrungen, die ihm bei seinen Pastoralbesuchen erzählt worden waren: "Die Entfernung zwischen Wohnort und Arbeitsort, die in einigen Fällen zwei Stunden Fahrt bedeutet; fehlende Familienbande in der Nähe und die Notwendigkeit, umzuziehen, um Arbeit zu finden oder die Miete zahlen zu können; jeden Cent zweimal umdrehen zu müssen, damit das Geld bis zum Monatsende reicht, weil das Leben so teuer ist; die Zeit, die immer zu knapp ist, um die Nachbarn kennenzulernen; die Kinder oft allein zuhause lassen zu müssen."

Wegen all dieser Dinge ermutigte der Papst, über die Familie und die Erziehung der Kinder "auf Romanesco", also im römischen Dialekt, nachzudenken und die Gesichter der konkreten Familien vor Augen zu haben.

Des Weiteren drückte der Bischof Roms seine Besorgnis über die aktuelle Entwurzelung in der Gesellschaft aus. "Familien und einzelne Personen, die langsam immer mehr ihre Wurzeln verlieren, ihre Beziehungen, dieses lebensnotwendige Netz, das so wichtig ist, um sich mit den anderen verbunden zu fühlen, um zusammen mit anderen an einem gemeinsamen Projekt teilzuhaben."

Der Papst betonte: "die Erfahrung, zu wissen, dass wir zu den anderen gehören, im besten Sinne des Wortes. Es ist wichtig, dieses Klima der Entwurzelung zu berücksichtigen", das eine "entwurzelte Kultur, eine entwurzelte Familie ohne Geschichte, ohne Gedächtnis, ohne Wurzeln" erzeugt.

Daher empfahl der Papst:

"Eines der ersten Dinge an die wir als Eltern, als Familien, als Hirten denken müssen, ist das Umfeld, in das wir uns einpflanzen, in dem wir Beziehungen eingehen, in dem wir Wurzeln finden, in dem wir jenes lebenswichtige Netz wachsen lassen, das es uns erlaubt, uns ´daheim´ zu fühlen."

Weiter erinnerte der Pontifex daran, dass das Jugendalter eine Zeit des Lebens ist, in der man in Bewegung bleibt, in einem Übergang: "Es ist eine ´Brücken-Phase´, und deshalb sind die Jugendlichen weder hier noch dort, sie sind auf dem Weg, sie sind im Übergang. Sie sind keine Kinder und wollen auch nicht so behandelt werden. Aber sie sind auch keine Erwachsenen - aber sie wollen doch so behandelt werden, vor allem auf Ebene der Privilegien."

"Sie vergleichen sich ständig, sie fragen, sie diskutieren über alles, sie suchen antworten, sie durchleben unterschiedliche Gemütsverfassungen - und die Familie mit ihnen."

Er hob aber auch den positiven Wert des Jugendalters hervor: "Es ist eine wertvolle Zeit im Leben eurer Kinder. Eine schwierige Zeit. ja, Eine Zeit des Wandels und der Instabilität, ja. Eine Phase, die mit großen Risiken einhergeht, ohne Zweifel. Aber vor allem eine Zeit des Wachsens für sie und für die ganze Familie.

Deshalb bestehe ich darauf, zu sagen, dass "das Jugendalter keine Pathologie ist und wir dürfen nicht so damit umgehen, als wäre sie eine."

Ich ermutige auch dazu, die Erziehung der Jugendlichen als eine "sozio-integrierte Alphabetisierung anzusehen, also als eine Erziehung, die sich auf den Intellekt (Kopf), die Neigungen (Herz) und die Fähigkeiten (Hände) gründet. Das ermöglicht unsere Jugendlichen in harmonischer Weise heranzuwachsen, nicht nur auf persönlicher Ebene, sondern auch auf sozialer."

Der Papst warnte, dass "sich die Jugendlichen heute in einem großen Wettstreit befinden und nur wenige Menschen haben, mit denen sie sich konfrontieren können." Er führte dieses Phänomen auf die Kultur der "ewigen Jugend" zurück.

"Es scheint, dass wachsen, älter werden, stehen zu bleiben ein Übel sei - Synonym für ein frustriertes oder erschöpftes Leben."

"Es scheint, dass alles verschleiert oder verheimlicht werden muss, so als hätte das Leben in sich selbst keinen Sinn (…) Mir tun jene leid, die sich die Haare färben.... Wie traurig ist es, wenn man das Herz „liften" will. Heute verwendet man das Wort "Lifting" häufiger als das Wort Herz."

"Diese Falten haben mich das ganze Leben gekostet, sie sind wertvoll" sagte der Heilige Vater und beklagte, dass es "heute viele Teenager-Eltern gibt; viele, die spielen wollen, immer Jugendliche zu sein."

"Diese Realität "kann die natürliche Tendenz der jungen Leute verstärken, sich zu isolieren oder den Prozess ihres Wachstums verlangsamen angesichts eines Mangels an Bezugspersonen, mit denen sie sich konfrontieren können."

Der Heilige Vater erinnerte an die Dringlichkeit, in Anbetracht eines extremen Konsumismus das "geistliche Prinzip der Schlichtheit" wiederzufinden.

"Wir sind in einen Strudel des Konsums eingetreten und man bringt uns dazu, zu glauben, dass wir so viel wert sind, wie wir produzieren und konsumieren können." "Zur Schlichtheit zu erziehen, ist ein unvergleichbarer Reichtum", so der Papst am Ende.  

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