Papst Franziskus: Ermordung dieses katholischen Richters durch Mafia zeigt deren Werte

Rosario Livatino (1952 – 1990)
Foto: (CC0)

Papst Franziskus hat gesagt, dass das Martyrium eines italienischen katholischen Richters im Jahr 1990 die "grundlegende Verleugnung des Evangeliums" durch die Mafia gezeigt hat.

Im Vorwort zu einem neuen Buch, das am 31. März von "Vatican News" veröffentlicht wurde, schreibt der Papst über die Lektionen von Rosario Livatinos Leben und Tod.

Der Papst, der Livatino im Dezember als Märtyrer anerkannt hatte, erinnerte daran, dass der Richter von jungen Männern erschossen wurde, die von zwei sizilianischen Gruppen des organisierten Verbrechens, der Stidda und der Cosa Nostra, bezahlt wurden.

Er sagte, dass Livatinos letzte Worte waren: "Picciotti [junge Mafiosi], was habe ich euch getan?"

"Es waren die Worte eines sterbenden Propheten, die der Klage eines rechtschaffenen Mannes Ausdruck verliehen, der wusste, dass er diesen ungerechten Tod nicht verdient hatte", schrieb der Papst.

"Es waren Worte, die gegen die Herolde unserer Zeit aufschrieen, die, ohne der Unschuld ins Gesicht zu sehen, sogar Teenager anwerben, um rücksichtslose Mörder auf Todesmission zu werden."

In Bezug auf die Verzerrung der katholischen Frömmigkeit durch die Mafia beschrieb der Papst Livatinos letzte Worte als "einen Schrei des Schmerzes und zugleich der Wahrheit, der mit seiner Kraft die Mafia-Armeen vernichtet und die innere Verleugnung des Evangeliums der Mafia in jeder Form offenbart, trotz der weltlichen Zurschaustellung von Heiligenbildern, von heiligen Statuen, die zu respektlosen Verbeugungen gezwungen werden, von Religiosität, die so sehr zur Schau gestellt wie verleugnet wird."

Die Aussagen des Papstes reagierten darauf, dass der neue Erzbischof von Neapel, Domenico Battaglia, ein hartes Durchgreifen gegen den Gebrauch religiöser Bilder durch die Mafia in seiner Erzdiözese einleitete.

Battaglia ordnete diese Woche an, dass zwei Gemälde mit Verbindungen zu einem Mafiaboss aus einer Kirche im neapolitanischen Vorort Marano di Napoli entfernt werden.

In einer Pressemitteilung, die am 29. März auf der Website der Erzdiözese veröffentlicht wurde, heißt es, dass die Bilder Unserer Lieben Frau von Pompeji und der Heiligen Rita, die seit "mehreren Jahrzehnten" in der Kirche Maria Santissima della Cintura e della Consolazione verehrt werden, ersetzt werden, nachdem dem Erzbischof bewusst wurde, dass sich unter den Gemälden die Inschrift "in devotion of Lorenzo Nuvoletta" befand.

Nuvoletta wurde mit der sizilianischen Mafia in Verbindung gebracht und war der Chef des Nuvoletta-Clans, eines mächtigen neapolitanischen Camorra-Clans, der von Marano di Napoli aus operierte. Er wurde 1990 verhaftet und zu neun Jahren Gefängnis verurteilt. Er starb 1994 an Leberkrebs.

Die Erzdiözese schrieb, dass die Gemälde durch Bilder der gleichen Heiligen ersetzt werden würden und begründete die Entscheidung damit, dass "der Bischof mit der Pflege und dem Schutz des Glaubens der vielen Gläubigen betraut ist, die täglich in diese Kirche gehen, um zu beten."

Die mit der Camorra in Verbindung gebrachten Bilder wurden entfernt, "um die Gläubigen nicht durch Handlungen zu beunruhigen, die auch nur im Entferntesten auf eine Zweideutigkeit zwischen dem Evangelium und dem Leben zurückgeführt werden könnten", hieß es, und "um den Vorrang des vom Glauben erleuchteten Gewissens zu bekräftigen, das uns einlädt, Wahrheit und Gerechtigkeit zu lieben."

Papst Franziskus schrieb im Vorwort des Buches, Livatino sei "ein leuchtender Bezugspunkt für die Männer und Frauen von heute und morgen, besonders für die jungen Menschen, die auch heute noch von den Sirenen der Mafia zu einem Leben der Gewalt, der Korruption, der Unterdrückung und des Todes verführt werden."

"Sein märtyrerisches Zeugnis des Glaubens und der Gerechtigkeit ist ein Samen der Eintracht und des sozialen Friedens und ein Sinnbild für die Notwendigkeit, sich als Brüder und Schwestern zu fühlen und nicht als Rivalen oder Feinde", sagte er.

Livatino wird am 9. Mai in der Erzdiözese von Agrigento, Sizilien, seliggesprochen.

Nachdem Anfang des Jahres eine Kontroverse über die Überführung von Livatinos Reliquien aus seiner Heimatstadt in die Kathedrale von Agrigento ausgebrochen war, wurde am 19. Februar bekannt gegeben, dass der Leichnam des Märtyrers in der Stadt Canicattì, etwa 25 Meilen nordöstlich von Agrigento, verbleiben wird.

Livatino ist in der Kapelle des Friedhofs von Canicattì begraben, einer Stadt mit etwa 35.000 Einwohnern und sein Geburtsort.

Papst Franziskus zitierte seinen Vorgänger, den heiligen Johannes Paul II, der Agrigento und andere Orte in Sizilien 1993 besucht hatte.

Am Ende der Messe im Tal der Tempel sagte Johannes Paul II.: "Es möge Einigkeit herrschen in diesem eurem Land! Es möge Eintracht herrschen ohne Tod, ohne Mord, ohne Angst, ohne Drohungen, ohne Opfer! Es möge Einigkeit herrschen!"

"Nach so vielen Zeiten des Leidens habt ihr endlich ein Recht darauf, in Frieden zu leben", so Johannes Paul II. weiter. "Und diejenigen, die schuldig sind, diesen Frieden zu stören, diejenigen, die so viele menschliche Opfer auf dem Gewissen haben, sie müssen verstehen, sie müssen verstehen, dass unschuldiges Töten nicht erlaubt ist!"

Papst Franziskus schrieb: "Der süße Duft Christi, der sich vom gemarterten Körper des jungen Richters ausbreitet, wird dann zum Samen der Wiedergeburt - wie es schon für einige seiner Mörder und Auftraggeber geschehen ist, die heute auf dem Weg der Buße und der Umkehr sind - für uns alle..."

"Rosario Angelo Livatino danken wir heute, auch durch seine Seligsprechung, für das Beispiel, das er uns hinterlässt, weil er jeden Tag den guten Kampf des Glaubens mit Demut, Sanftmut und Barmherzigkeit gekämpft hat."

Livatino habe alles "immer und nur im Namen Christi getan, ohne jemals den Glauben und die Gerechtigkeit aufzugeben, selbst in der unmittelbaren Gefahr des Todes", sagte er. "Das ist der Same, der gepflanzt wurde, das ist die Frucht, die kommen wird."

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