Papst Franziskus: "Krieg ist Wahnsinn"

Papst Franziskus winkt vom Papamobil in Bari am 23. Februar 2020
Foto: Daniel Ibanez / CNA Deutsch
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Bei seinem Besuch in Bari hat Papst Franziskus erneut zum Frieden in Syrien aufgerufen, den Handel mit Waffen verurteilt und die internationale Staatengemeinschaft aufgerufen, sich für ein Bemühen um ein Ende kriegerischer Konflikte in Nahost ausgesprochen.

"Krieg ist Wahnsinn", sagte der Papst, und die Staatengemeinschaft schweige angesichts der Tränen leidender Kinder.

Per Hubschrauber war am heutigen Sonntag der Pontifex in die süditalienische Stadt eingeflogen. Dort trafen sich bereits seit dem 19. Februar italienische Bischöfe mit Amtsbrüdern 18 weiterer Mittelmeerstaaten, um über den Frieden in der Region zu reden.

Ansprache, Predigt und Gebet

In Baris Nikolausbasilika bezeichnete Franziskus in seiner Ansprache das Mittelmeer als "See Genezareth von heute" und einen bis heute wichtigen Kreuzungspunkt verschiedener Interessen, einen – so wörtlich – "polyedrischen und vielgestaltigen Rahmen".

Diese Region sei bedroht von "vielen Brandherden der Instabilität und des Krieges", so der Papst weiter, "sei es im Nahen Osten oder in verschiedenen Staaten Nordafrikas sowie auch unter diversen Ethnien oder religiösen und konfessionellen Gruppen".

"Wir dürfen auch den noch ungelösten Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern nicht vergessen, der die Gefahr unausgewogener Lösungen in sich birgt und daher neue Krisen heraufbeschwört."

Jede Form von Krieg sei jedoch gegen die Vernunft, fuhr Franziskus fort: "Mit anderen Worten, der Krieg ist ein völliger Wahnsinn, denn es ist wahnsinnig, Häuser, Brücken, Fabriken, Krankenhäuser zu zerstören, Menschen zu töten und Ressourcen zu vernichten, anstatt menschliche und wirtschaftliche Beziehungen aufzubauen. Es ist ein Irrsinn, mit dem wir uns nicht abfinden dürfen: Niemals darf der Krieg mit der Normalität verwechselt oder als unvermeidlicher Weg zur Austragung von Meinungsverschiedenheiten oder gegensätzlichen Interessen angesehen werden".

Der Frieden und das Gemeinwohl bleibe das alternativlose, oberste Ziel jeder menschlichen Gemeinschaft, sagte der Papst am 23. Februar.

Zu oft habe die Geschichte Gegensätze und Kämpfe erlebt, die auf einer verfehlten Überzeugung gründeten, dass man Gott verteidige, wenn man sich demjenigen entgegensetze, der das eigene Glaubensbekenntnis nicht teile.

"In Wirklichkeit verleugnen extreme Auffassungen und Fundamentalismen die Würde des Menschen und seine Religionsfreiheit, verursachen einen moralischen Verfall und befeuern eine antagonistische Sicht der menschlichen Beziehungen", so der Papst, der heute auch an das Schicksal von Migranten und Flüchtlinge erinnerte, die von Schleppern und organisierten Banden ausgebeutet werden.

Auch deswegen werde aus seiner Sicht eine "lebendigere Begegnung" mit anderen Religionen dringlicher, getragen von einer Absicht des Friedens, so Franziskus in seiner Ansprache.

Welche Rolle dabei die Christen spielen, die Jesu Lehre der Feindesliebe befolgen: Das war das Thema der Predigt des Papstes in Bari.

"Er meint es wirklich. Jesus spricht hier nicht durch Gegensätze, er macht keine Umschweife. Er ist direkt und klar. Er zitiert aus dem Gesetz des Alten Bundes und erklärt feierlich: 'Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde'. Es sind beabsichtigte, klare Worte."

Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen. Das ist die christliche Neuheit. Das ist der christliche Unterschied. Beten und lieben: Das ist das, was wir tun müssen; und nicht nur gegenüber denjenigen, die uns mögen, nicht nur, unseren Freunden gegenüber, nicht nur unserem Volk gegenüber. Denn die Liebe Jesu kennt keine Grenzen und keine Schranken. Der Herr bittet uns um den Mut einer Liebe ohne Kalkül. Denn das Maß Jesu ist die Liebe ohne Maßen. Wie oft haben wir seine Bitten missachtet, als wir uns wie alle verhalten haben! Und doch ist das Liebesgebot nicht eine bloße Provokation, es bildet das Herzstück des Evangeliums.

Der einzige christliche Extremismus ist "jener der Liebe", fuhr Franziskus fort.

Durch die christliche Nächstenliebe zum Menschen, die ja um der Liebe Gottes willen geübt wird, werde die Welt menschlicher, betonte der Papst – und appellierte an seine Zuhörer: "Nehmen wir die Herausforderung Jesu an, die Herausforderung der Liebe. Wir werden echte Christen sein und die Welt wird menschlicher sein."

Beim Gebet des Angelus appellierte der Papst erneut für Frieden in Syrien.

"Möge der Lärm der Waffen schweigen, damit das Weinen der Kleinen und Wehrlosen hörbar wird. Mögen die Kalküle und Interessen Einzelner beiseitegeschoben werden, damit das Leben der Zivilisten und der vielen unschuldigen Kinder, die die Folgen davon tragen, geschützt werden!"

Die Mittelmeerregion, so wichtig für den Weltrieden, müsse eine "Grenze des Friedens" sein, sagte der Papst.

Am Abend kehrte er mit dem Hubschrauber nach Rom zurück.

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