Papst ordnet außerordentliches Generalkapitel für Malteserorden an

Papst Franziskus, 3. September 2022
Foto: Vatican Media

Papst Franziskus hat am Samstag per Dekret für den Malteserorden ein außerordentliches Generalkapitel anberaumt, das am 25. Januar 2023 stattfinden soll. Außerdem installierte der Pontifex einen neuen provisorischen Souveränen Rat und enthob die Mitglieder des bisherigen Souveränen Rates ihres Amtes. Auch Großkanzler Albrecht Freiherr von Boeselager wurde seines Amtes enthoben.

Das Generalkapitel im Januar soll vom provisorischen Souveränen Rat, Großmeister-Statthalter des Malteserordens, Fra' John T. Dunlap, sowie von Kardinal Silvano Maria Tomasi, dem päpstlichen Sondergesandten für den Malteserorden, vorbereitet werden.

Dunlap begrüßte in einer Stellungnahme am Samstag "das väterliche Handeln Seiner Heiligkeit, das die große Liebe des Papstes für unseren Orden zeigt. In seiner sorgfältigen Prüfung der verschiedenen Vorschläge, die ihm in den letzten Monaten vorgelegt wurden, hat der Papst einen Weg festgelegt, der die Zukunft des Ordens sowohl als Ordensinstitut als auch als souveräne Körperschaft zu sichern verspricht."

"Die Entscheidung des Papstes, eine provisorische Regierung zu ermächtigen, ist der erste Schritt eines klaren Plans für eine effizientere und straffere Leitung des Ordens", so Dunlap weiter. "Wir haben nun den lang erwarteten Zeitplan für das wichtige Generalkapitel, das den Orden in die Lage versetzen wird, über die provisorische Regierung hinaus zu einer regulären Regierung in Übereinstimmung mit den neuen Konstitutionen überzugehen."

"Die Beteiligung einer Vielzahl von erfahrenen und talentierten Rittern an der Leitung des Ordens hat die Tür für neues Blut und frisches Denken geöffnet, um die heutigen Hindernisse und Herausforderungen zu bewältigen", zeigte sich der Großmeister-Statthalter überzeugt. "Die neue Verfassung ist ein sorgfältig ausgearbeitetes Dokument, das der Komplexität und dem Wesen eines tausend Jahre alten Ordens gerecht wird."

Der Malteserorden kommt intern seit mehreren Jahren nicht zur Ruhe. Ausgangspunkt der Krise war die Ausgabe von Kondomen durch eine Hilfsorganisation, die mit dem Malteserorden kooperierte. Boeselager wurde damals wegen seiner Verantwortung für diesen Fall gedrängt, von seinem Amt zurückzutreten, lehnte dies aber ab und appellierte an den Papst, der daraufhin intervenierte.

Stattdessen wurden Kardinal Raymond Burke, der Kardinalpatron des Malteserordens, sowie Fra' Matthew Festing, der inzwischen verstorbene Großmeister des Ordens, von Papst Franziskus entmachtet.

Seit Anfang 2017 kommt es nun zu Macht- und Richtungskämpfen beim Malteserorden, der als Ordensgemeinschaft dem Heiligen Stuhl untersteht, aufgrund historischer Gegebenheiten aber auch als Völkerrechtssubjekt gilt und damit wie ein unabhängiger Staat agieren kann.

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