Seid nicht Heuchler oder Heiden, sondern echte Kinder Gottes, warnt der Papst

Christen lieben den Vater im Himmel und folgen Jesus "bis zur letzten Konsequenz", betont Franziskus in der ersten Generalaudienz des Jahres 2019

Papst Franziskus spricht bei der Generalaudienz am 10. Januar 2018
Foto: Daniel Ibanez / CNA Deutsch
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Zwei Gruppen, die das Beten nicht verstehen, hat Papst Franziskus am heutigen Mittwoch angeprangert: Die Heiden und die Heuchler. Von ihnen distanziert Jesus sich, so der Papst bei der ersten Generalaudienz des Jahres 2019.

Der Pontifex setzte damit seine Katechese über das Gebet des Vaterunsers fort – und betonte die Rolle des Gewissens beim Beten. Mit Blick auf die Seligpreisungen unterstrich Franziskus, dass Jesus klarstelle, dass rechtgläubige Christen das Wort Gottes bis zur letzten Konsequenz aus Liebe leben, nicht aus äußerer Pflichterfüllung heraus, oder um seine Gunst zu gewinnen.

"Gott braucht nichts: er bittet nur darum, dass wir im Gebet einen Kommunikationskanal mit ihm offen halten, damit wir erkennen können, wie sehr wir schon immer seine geliebten Kinder sind", sagte der Papst am 2. Januar.

Nur der Heuchler wolle gesehen und bewundert werden für sein Beten. Und Heuchler seien Menschen, die meinen, sich für was Besseres halten zu können, und mit Niedertracht gegen andere hetzen.

"Das ist ein Skandal! Besser nicht in die Kirche zu gehen: wenn man so
lebt, als wäre man Atheist".

Christen müssen sich bemühen, Zeugnis über ihren Glauben abzulegen, erinnerte der Papst, der seit Jahren immer wieder zur Mission aufruft, auch heute seine Zuhörer.

Wer das nicht tut? Das sind einmal die Heuchler und Scheinheiligen – doch diese sind nicht die einzigen, von denen sich Jesus distanziert, betonte Franziskus. Genauso distanziere sich Christus auch vom "Geplapper" der Heiden, "die denken, dass sie wegen ihrer vielen Worte gehört werden", mahnte er.

Einige Menschen würden meinen, dass das Beten darin bestehe, viele Worte zu benutzen, beklagte der Pontifex weiter. Er denke auch an "viele Christen", so Franziskus, die meinten, man müsse dabei mit Gott reden "wie in Papagei". Dem sei aber nicht so. Denn als Kinder Gottes könne man sich zum Vater im Himmel wenden, ohne um seine Gunst werben zu müssen.

"Es gibt Menschen, die in der Lage sind, atheistische Gebete zu beten, Gebete ohne Gott", sagte der Pontifex in der Audienzhalle.

"Das christliche Gebet hingegen hat kein anderes glaubwürdiges Zeugnis als sein eigenes Gewissen", sagte er, "wo sich ein ständiger Dialog mit dem Vater intensiv miteinander verbindet: "Wenn du betest, gehe in dein Zimmer, schließe die Tür und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist".

Jesus, sagte Papst Franziskus, lehrt seine Jünger, sich im Gebet an Gott zu wenden, wie sich ein Kind an seinen oder ihren Vater wendet, der bereits weiß, was es braucht, bevor es darum bittet.

Jesu Worte in der Bergpredigt mögen vielleicht wie "ein moralischer Diskurs" mit einer "anspruchsvollen Ethik" erscheinen. Aber vor allem sind sie theologisch, so der Pontifex: Eine Aufforderung an Christen, sich als Kinder Gottes zu begreifen - und auch so zu leben.

"Hier ist das große Geheimnis, das der ganzen Predigt auf dem Berg zugrunde liegt: Seid Söhne eures Vaters, der im Himmel ist."

Zur anspruchsvollen Ermutigung zur rechtgläubigen Frömmigkeit in der Katechese gab es fröhliche Unterhaltung: Die Generalaudienz wurde von Tänzen und Kunststückchen einer kubanischen Zirkustruppe begleitet.

Hannah Brockhaus trug zur Berichterstattung bei. Letztes Update: 4.1.2018 mit Korrektur des Zitates zum Atheisten. 

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