Portugiesische Bischöfe: "Trauer und Empörung" nach Verabschiedung von Euthanasie-Gesetz

Spritze (Referenzbild)
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Die portugiesischen Bischöfe haben ihre "Trauer und Empörung" zum Ausdruck gebracht, nachdem das Parlament ein Gesetz verabschiedet hat, das Euthanasie erlaubt.

Laut Catholic News Agency (CNA) meldeten sich die Bischöfe zu Wort, nachdem 136 Abgeordnete für das "Sterbehilfe"-Gesetz gestimmt hatten, bei 78 Gegenstimmen und vier Stimmenthaltungen.

Das Gesetz wird nun dem portugiesischen Präsidenten Marcelo Rebelo de Sousa vorgelegt, der am 24. Januar mit überwältigender Mehrheit wiedergewählt wurde. Er kann dem Gesetz entweder zuzustimmen, es zur Überprüfung an das Verfassungsgericht schicken oder sein Veto einzulegen. Das Parlament kann sich über ein Veto des Präsidenten hinwegsetzen, indem es das Gesetz ein zweites Mal bestätigt.

Sollte der Gesetzesentwurf unterzeichnet werden, wäre Portugal neben den Niederlanden, Belgien und Luxemburg das vierte Land in Europa, das "Sterbehilfe", also Euthanasie, legalisiert. Mehr als 80 Prozent der 10 Millionen Portugiesen sind getaufte Katholiken.

Die Bischöfe des Landes kritisierten sowohl den Inhalt als auch den Zeitpunkt des Gesetzes. Sie waren kürzlich gezwungen, öffentliche Messen inmitten einer Welle von Coronavirus-Todesfällen auszusetzen.

"Es ist ein Widerspruch, den Tod in diesem Kontext zu legalisieren und dabei die Lektionen zu verwerfen, die uns diese Pandemie über den kostbaren Wert des menschlichen Lebens vermittelt hat, das die Gemeinschaft im Allgemeinen und das Gesundheitspersonal im Besonderen mit außerordentlichen Anstrengungen zu retten versuchen", erklärten die Bischöfe am 29. Januar, dem Tag der Abstimmung.

Die Bischöfe argumentierten, das Gesetz, welches für unheilbar kranke Erwachsene gilt, die an "dauerhaften" und "unerträglichen" Schmerzen leiden, widerspreche den in der Verfassung des Landes verankerten Prinzipien.

Sie sagten, die Annahme des Gesetzes würde "die irrige Vorstellung vermitteln, dass ein Leben, das von Krankheit und Leiden gezeichnet ist, keinen Schutz mehr verdient und zu einer Belastung für den Betroffenen selbst, für sein Umfeld, für die Gesundheitsdienste und für die Gesellschaft als Ganzes wird".

Sie fügten hinzu: "Die Antwort auf Krankheit und Leiden sollte vielmehr der Schutz des Lebens sein, vor allem wenn es schwächer ist – mit allen Mitteln und vor allem durch den Zugang zu Palliativmedizin, welcher der Mehrheit der portugiesischen Bevölkerung immer noch vorenthalten wird."

Die Bischöfe bezeichneten die Entwicklung als "einen beispiellosen kulturellen Rückschlag" und zogen ihr Fazit: "Jetzt sind wir mehr denn je entschlossen, die Kranken in allen Phasen ihres irdischen Lebens – und besonders in der letzten – mit Sorgfalt und Liebe zu begleiten."

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