Schwere Missbrauchs- und Vertuschungsvorwürfe gegen Bischöfe und Priester in Peru erhoben

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Foto: James L.W / Unsplash

Ein Bericht der peruanischen Zeitung La República beschreibt ein mutmaßliches Netzwerk von Priestern, die sexuelle Nötigung und Missbrauch an Jugendlichen und Seminaristen begangen haben sollen. Dabei werden auch massive Vorwürfe gegen Bischöfe in Peru erhoben: Sie sollen die sexuelle Gewalt vertuscht oder ignoriert haben. Beschuldigt wird unter anderem der Vorsitzende der peruanischen Bischofskonferenz (CEP) und Präsident des Lateinamerikanischen Bischofsrates (CELAM), Monsignore Héctor Miguel Cabrejos Vidarte.

Darüber berichtet ACI Prensa, die spanischsprachige Schwesteragentur von CNA Deutsch.

Das Dossier der Tageszeitung spricht von hunderten Teenagern und Jugendlichen, die ein Dutzend Priester der Erzdiözese Trujillo und eines ihrer Suffragangebiete, der Prälatur von Huamachuco im Norden Perus, beschuldigen sollen.

Eine Gruppe von Ordensleuten hat die Vorwürfe aufgenommen und an die kirchlichen und zivilen Behörden weitergeleitet. Der Bericht erklärt auch, diese Ordensleute seien dafür prompt von der kirchlichen Hierarchie bekämpft und gemaßregelt worden.

Die mutmaßlichen Missbrauchsfälle gehen vor allem auf die 1990er Jahre zurück, einige Beschwerden stammen aus den Jahren 2005, 2010 und 2015.

In einem Brief vom Juli 2010 berichtete ein mutmaßliches Opfer dem damaligen Prälaten von Huamachuco, Monsignore Sebastián Ramis Torrens, dass "mich bei einem Treffen, bei dem wir Alkohol tranken, Pater Marco Antonio Tito Valle küsste, umarmte und mich mit zu sich in seine Wohnung nahm und dort das gleiche machte." Der junge Mann floh in seine Wohnung und schloss sich ein: "Ich legte die Kette vor, damit er nicht hereinkommen konnte, auch wenn er immer wieder eindringlich klopfte."

Laut Angaben von La República kam eine von der Prälatur von Huamachuco in Auftrag gegebene Untersuchung zu dem Schluss, dass Pater Tito Valle kein Verbrechen begangen hätte, da der junge Mann nicht minderjährig war; deshalb wurde bei den Zivilbehörden kein Anklage erhoben.

Im Jahr 2016 setzte Monsignore Ramis Torrens Pater Tito Valle wieder in seiner Pfarrei ein.

Im Jahr 2015 beschuldigt ein 15-Jähriger den Priester Manuel Mendoza Ruiz, damals Sekretär der Prälatur von Huamachuco, seine Genitalien berührt zu haben.

Der Betroffene erzählte gegenüber La República, dass er während eines Ausflugs im Rahmen von Einkehrtagen "aufwachte, weil der Pater seine Hand in meine Hose geschoben hatte. Ich bewegte mich sofort, damit er seine Hand wegnehme. Er erschrak und bat mich um Entschuldigung. Ich wachte ein zweites Mal auf, weil er wieder versuchte, Hand an mich zu legen. Er sagte: Entschuldige, ich habe dich aufgeweckt. Ich nahm an, dass das alles kein Zufall war und konnte einfach nicht mehr schlafen."

Die peruanischen Zeitung verweist auch auf die Vorwürfe einer Person namens Andrés, die heute 39 Jahre alt ist. Andrés gibt an, zwischen 1996 und 1998 hätten die Priester Tulio Montenegro, Emeterio Castañeda, Segundo Fernández, William Costa und Ricardo Angulo "an den Wochenenden nachts in verschiedenen Pfarreien von Trujillo und im Haus eines mittlerweile verstorbenen Mannes namens Danile Hoyle Feste organisiert oder daran teilgenommen, bei denen sie gegen Bezahlung Sex mit Minderjährigen hatten."

Pater Esteban Desposorio Fernández, der zu jenen gehört, die die angeblichen Missbräuche und Vertuschungen gemeldet haben, sagte gegenüber La República: „Es gibt viele Opfer, die uns schreckliche Dinge über viele sogenannte ´Priester´ erzählt haben. Sowohl aus Huamachuco und Trujillo".

"Es ist mir egal, ob sie mich aus der Kirche werfen. Ich möchte, dass das alles bekannt wird", erklärte er.

Die Anschuldigungen sprechen von angebliche Sex-Partys, die von Priestern aus Huamachuco und Trujillo zusammen mit Minderjährigen organisiert wurden, die für Geschlechtsverkehr mit 6 bis 10 US-Dollar bezahlt worden wären.

Die von ACI Prensa konsultierte Prälatur von Huamachuco teilte mit, an einer Erklärung zu arbeiten, die in Kürze veröffentlicht werden soll.

Kurth Mendoza, Leiter der Abteilung für Presse und Kommunikation der peruanischen Bischofskonferenz (CEP), äußerte gegenüber ACI Prensa, er habe derzeit keine Informationen über eine mögliche offizielle Verlautbarung.

Die Erzdiözese Trujillo versicherte am 12. Juli in einer Mitteilung, dass "sie angesichts von Missbrauchsvorwürfen immer sofort gehandelt habe" und dass "seit der Ankunft von Bischof Cabrejos Vidarte in der Erzdiözese Trujillo im September 1999 keine konkrete Beschwerde eingegangen sei".

Sie wies zudem auf die Vorwürfe der Missbräuche, die von zwei Priestern der Erzdiözese Trujillo begangen worden sein sollen. Diese Vorfälle hätten "angeblich in den 90er Jahren stattgefunden, als Monsignore Manuel Prado Pérez-Rosas SJ Erzbischof von Trujillo war - und es existiert keinerlei Bericht dazu."

"Im Juni 2017 hat uns die Kongregation für die Glaubenslehre mit Sitz in Rom, die diese Art von Fällen behandelt, mitgeteilt, dass sie den Fall der beider Priester aus Trujillo abgeschlossen hätte."

Im Fall von Pater Ricardo Angulo Bazauri, der Generalvikar von Monsignore Cabrejos Vidarte war und der im Bericht von La República als einer der mutmaßlichen Teilnehmer an den Partys genannt wird, bei denen sich Minderjährige prostituiert hätten, versicherte man, es hätte "keinerlei Art von Beschwerde gegeben, weder auf ziviler, noch auf kirchenrechtlicher Ebene".

Pater Angulo Bazauri hatte diverse wichtige Positionen unter der pastoralen Leitung von Monsignore Héctor Miguel Cabrejos Vidarte inne und wurde 2014 Präsident des Direktoriums der städtischen Sparkasse von Trujillo.

Laut Gesetz müssen die städtischen Sparkassen und Kreditinstitute in Peru in ihr Direktorium einen von der örtlichen Diözese ernannten Vertreter des Klerus aufnehmen.

Derzeit ist Pater Angulo Bazauri auch Leiter für institutionelle Entwicklung an der Katholischen Universität von Trujillo, deren Gründer und Kanzler Bischof Cabrejos Vidarte ist.

Trotz der am 12. Juli veröffentlichten Erklärung gibt das Dossiers von La República an, der Erzbischof von Trujillo habe nicht auf die Anfragen einer peruanischen Kongresskommission geantwortet, die 2018 Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs im Land untersucht hatte.

Bezüglich des Falls von Pater Angulo Bazauri erklärte die Zeitung, ein Vertreter der Erzdiözese Trujillo "habe versprochen, uns ´alles zu geben, was wir haben´" - aber bis zum Abschluss dieser Untersuchung hat er kein einziges Dokument übermittelt."

Die Ankläger betonten vor der peruanischen Presse die Unterstützung, die sie vom Apostolischen Nuntius in Peru, Monsignore Nicola Girasoli, erhalten hatten, und versicherten, sie würden weiterhin Gerechtigkeit suchen, weil "das etwas ist, das jetzt endlich aufhören muss". 

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